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Lesezeit: 8 Minuten

Castell Aurora: Identitäre drehen den Neonazi-Sound auf

Am 26. September lädt das Identitären-Hausprojekt „Castell Aurora“ zum nächsten „Kulturfest“. Auf der Gästeliste stehen Götz Kubitschek, ein „Individualfaschist“, ein Neonazi-Rapper und der Produzent jener NS-belasteten KI-Musik, die beim Livestream der AfD-Wahlparty in Sachsen-Anhalt lief.

11. Sep. 2026
"Castell Aurora" in Steyregg (Foto: Markus Sulzbacher)
„Castell Aurora“ in Steyregg (Foto: Markus Sulzbacher)

Schon das Ankündigungssujet zum „Avanti! Neo Cultura“ im Castell Aurora in Steyregg deutet an, wohin die Veranstaltung führen soll: Ein idealisierter nackter Speerwerfer thront in extremer Untersicht auf einem monumentalen Steinbau. Die Bildsprache verbindet Leni Riefenstahls Körperkult mit faschistischem Monumentalklassizismus: Jugend, Härte, Kampf und männliche Überlegenheit werden zum Ideal erhoben. Das für den 26. September angekündigte „Kulturfest“  als (neo)faschistisch zu bezeichnen, träfe den Charakter allerdings unzureichend: Die Veranstaltung zeigt vielmehr, wie fließend die Übergänge zwischen identitärer „Metapolitik“, offenem Faschismus und Neonazikultur sind.

Castell Aurora: Veranstaltungssujet zwischen Riefenstahl-Körperkult und faschistischem Monumentalklassizismus (Screenshot TG)
Castell Aurora: Veranstaltungssujet zwischen Riefenstahl-Körperkult und faschistischem Monumentalklassizismus (Screenshot TG)

Das „Avanti! Neo Cultura“ findet nicht zum ersten Mal in Steyregg statt. Ebenso wenig zum ersten Mal trifft sich dort das Who’s who der identitären „Metapolitik“ aus Deutschland, wie es die Neurechten gerne hochtrabend nennen. Sie meinen damit Strategien, um langfristig die Deutungshoheit über Kultur, Medien, Sprache, Wissenschaft und gesellschaftliche Debatten in ihrem völkischen Sinne zu beeinflussen. In Steyregg will man sich dieses Jahr dem Thema „Musik im rechten Lager“ widmen. Es referieren einschlägig Bekannte, auch die Aussteller tingeln bei einschlägigen Veranstaltungen vor allem durch Deutschland.

Fest in deutscher Hand

Einmal mehr fällt auf, dass das heimattümelnde Hausprojekt nahe Linz fest in deutscher Hand ist: Nicht nur wurde es mit Geld eines deutschen Rechten gekauft, auch wird es von einem deutschen Rechtsextremisten betrieben, der wiederum von einem deutschen AfD-Politiker bezahlt wird und der dorthin überwiegend deutsche Vortragende einlädt. Das identitäre „Kulturfest“ wird diesen Herbst vom selben AfD-Politiker, René Dierkes, gesponsert. „Ein Ehrenmann“, wie das Castell den bayerischen Rechtsaußen-Landtagsabgeordneten nennt. Auch alle Redner werden aus Deutschland importiert: angefangen vom Hauptredner Götz Kubitschek bis zu den Musikern Dominik Raupbach, Alexander „Malenki“ Kleine und Josef Maria Klumb.

Castell Aurora: „Ehrenmann René Dierkes! Das diesjährige Avanti! NeoCultura erhält eine Spende von dem bayerischen AfD-Landtagsabgeordneten René Dierkes.“ (Screenshot TG, 14.8.26)
Castell Aurora: „Ehrenmann René Dierkes!“ (Screenshot TG, 14.8.26)

Der alte Herr aus Schnellroda

Wieder einmal tritt Götz Kubitschek in Österreich auf. Sein Wirkungsort Schnellroda, westlich von Leipzig, ist eine Schaltstelle der „Neuen Rechten“ im deutschsprachigen Raum und Kubitschek als zentralen Kopf dahinter. Zwar löste er sein „Institut für Staatspolitik“ im Jahr 2024 selbst auf, nachdem es vom deutschen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden war, die Anziehungskraft des alten Herren aus Schnellroda hält jedoch ungebrochen an: Nun doziert der Schirmherr der deutschsprachigen extremen Rechten im Castell Aurora – nicht zum ersten Mal.

„Hemdsärmelig-brachialer Neonazi-Liedermacher“

Ebenfalls zu Gast in Steyregg war bereits Dominik Raupbach; der Musiker trat bereits 2022 in der oberösterreichischen Identitären-Zentrale auf – da war er gerade Mitglied des Musiklabels „Neuer Deutscher Standard“ (NDS) geworden. Der Rechtsextremist aus Sachsen, der unter dem Namen „Kavalier“ rappt, sticht mit Zynismus und Menschenverachtung hervor. Aus seiner Gesinnung macht er kein Hehl, wie sein Schwarze-Sonne-Tattoo am Knie und ein Kolovrat am Ellenbogen sowie Auftritte bei der Neonazi-Partei „Die Heimat“ und anderen einschlägigen Veranstaltungen verdeutlichen.

Thorsten Hindrichs, Musikwissenschafter an der Uni Mainz, beschreibt Raupbach in einem Interview mit Stoppt die Rechten als „hemdsärmelig-brachialen Neonazi-Liedermacher und Teilzeit-Rapper“, der fast ausschließlich auf Social-Media-Präsenz setze.

Dementsprechend explizit geht es bei Raupbachs Musik selbst zur Sache. Meist im Doppelpack mit dem gleichgesinnten Musiker „Proto“ (Kai Naggert), der sich zynisch als „Abschiebehauptmeister“ präsentiert. Ihr gemeinsames Kernthema: die massenhafte Abschiebung von Migrant:innen. Textzeilen wie „Jeder weiß, es wird Zeit, dass wir den Müll rausbringen“ und „Düsi Düsi, der Abschiebeflieger“ sind da noch harmlos. Ihren barbarischen Zynismus trieben die beiden Musiker erst unlängst auf die Spitze, als sie Ausschnitte aus einem neuen Musikvideo veröffentlichten: Darin schwimmt Raupbach mit einer Rettungsweste neben Naggerts Boot – offenbar als Schutzsuchender im Mittelmeer inszeniert. Während Naggert singt, stößt er Raupbach immer wieder vom Boot weg und drückt seinen Kopf demonstrativ ins Wasser.

Proto drückt dem "schutzsuchenden" Kavalier im Musikvideo den Kopf ins Wasser (Screenshot FB, 1.9.26)
Proto drückt dem „schutzsuchenden“ Kavalier im Musikvideo den Kopf ins Wasser (Screenshot FB, 1.9.26)

Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz indizierte den von NDS Records produzierten „Neuer Deutscher Standard Sampler I“. Nach ihrer Einschätzung enthält er mehrere Titel, „die NS-Ideologie verherrlichen, Frauen und homosexuelle Menschen diskriminieren und zum Rassenhass anreizen“ (verfassungsschutz.sachsen.de).

Raupbach reist wie Kubitschek immer wieder nach Österreich: An der Sommerdemo der Identitären nahm er schon mindestens dreimal teil.

Der rechtsextreme Rapper „Kavalier“ Dominik Raupbach bei der Sommerdemo der Identitären 2025 in Wien (Quelle: dokunetzwerk.org, 26.7.25)
Der rechtsextreme Rapper „Kavalier“ Dominik Raupbach bei der Sommerdemo der Identitären 2025 in Wien mit abgeklebten Nazi-Tattoos an Ellenbogen und Knie (Foto: dokunetzwerk.org, 26.7.25)

Alexander Kleine: Übersetzer von Kubitscheks Strategie

Ähnlich wie Raupbach ist auch der deutsche Aktivist und Unternehmer Alexander „Malenki“ Kleine jemand, der versucht, das Sagbare nach rechts auszuweiten. Kleine war lange das Gesicht der Identitären in Leipzig, ist vorbestraft und sei laut Die Zeit nach Angaben Betroffener 2018 an einem Angriff auf Journalisten „federführend beteiligt“ gewesen. 2022 kassierte Kleine wegen Beleidigung einer Rechtsextremismusexpertin einen Strafbefehl. Der sächsische Verfassungsschutz schreibt in seinem Bericht 2026:

Der Leipziger IB-Aktivist Alexander Kleine engagiert sich bundesweit für diese Gruppierung [Identitäre, Anm. SdR]. Über verschiedene eigene Video- und Audioformate im Internet verbreitet er seine verfassungsfeindlichen Überzeugungen und erreicht damit ein überregionales Publikum.

Als Geschäftsführer der Tannwald Medienagentur ist Alexander Kleine für das KI-generierte Video zum „Abschiebesong“ der AfD verantwortlich: „Hey, das geht ab, wir schieben sie alle ab!“ Kleines Agentur bekommt aber nicht nur Aufträge von der AfD, sondern auch von ihrer Jugendorganisation. Tannwald wirbt mit „Negative Campaigning“, also dem Verächtlichmachen von politischen Gegner:innen. Es wird vermutet dass Kleine an einer Plakatkampagne der AfD gegen die Grünen beteiligt war.

Mit „Die Fiedel“ betreibt Kleine ein Musikprojekt, das Neuvertonungen von Volks-, Soldaten- und Studentenliedern sowie deutsche Lyrik KI-gestützt umsetzt. Darunter finden sich unauffällige Heimatlieder, aber auch der NS-Marsch „Erika“ von Herms Niel, das bei italienischen wie ungarischen Rechtsextremen beliebte antikommunistische Lied „Avanti ragazzi di Buda“ oder „Schwört bei dieser blanken Wehre“, die inoffizielle Hymne der Deutschen Burschenschaft.

Der Rechtsrock-Experte Thorsten Hindrichs erklärt, das Projekt „Die Fiedel“ sei darauf ausgelegt, dass Stücke entweder als Hintergrundsoundtrack laufen oder für Lip-Syncing genutzt werden sollen. Die „übergeordnete Strategie“ dahinter sei die popkulturelle Eroberung des politischen Vorfelds, „Metapopkulturpolitik“ sozusagen. „So übersetzt Kleine Kubitscheks zentrale Strategien letztendlich also konsequent in aktuellen Popsound“, sagt Hindrichs.

„Die Fiedel“ ist hyperaktiv, oft wird mehr als ein neues Lied pro Woche veröffentlicht. Dies deutet darauf hin, dass die Musikproduktion hoch automatisiert abläuft. Eine Strategie, die klickt: Allein bei Spotify verzeichnen einzelne Stücke von „Die Fiedel“ über 100.000 Klicks.

106.167 Zugriffe auf eine Neuvertonung des Lieds „Sudentenland, mein Heimatland“ von „Die Fiedel“ (Screenshot Spotify , 9.9.26)
106.167 Zugriffe auf eine Neuvertonung des Lieds „Sudetenland, mein Heimatland“ von „Die Fiedel“ (Screenshot Spotify, 9.9.26)

„Die Fiedel“ beim AfD-Livestream

Beim Livestream von der AfD-Wahlparty in Sachsen-Anhalt am 6. September stammten zahlreiche Musikstücke von „Die Fiedel“. Zu hören waren unter anderem KI-Versionen von „Deutsche Verzweiflung“, dessen Text der Neonazi-Liedermacher Frank Rennicke für ein später indiziertes Album zusammengestellt hatte, der Text „Wenn alle untreu werden“, den die SS für ihr Treuelied verwendete, der NS-Marsch „Erika“ sowie Bearbeitungen von Werken völkischer und nationalsozialistischer Autoren.

Kleine erklärte gegenüber der WELT (9.9.26), weder Rennickes Urheberschaft noch die Verwendung des Treuelieds durch die SS gekannt zu haben, und beim Rennicke-Stück könne „ein Fehler passiert“ sein. „Erika“ bezeichnete er als „unideologisches Wehrmachtslied“. In Österreich sollten ihm derartige „Fehler“ nicht passieren: Sie könnten ihm eine Anklage nach dem Verbotsgesetz einbringen.

Alexander Kleine: "Grüße gehen raus an @welt und@FreSchindler: Ab sofort betreiben wir aktives Erika-Maxxing!" und "Erika soll auf sein! Bodenlose Frechheit, dass dieses Lied von YouTube zensiert und von Mainstream Journos skandalisiert wird." (Screenshot X 9.9.26)
Alexander „Malenki“ Kleine: „Ab sofort betreiben wir aktives Erika-Maxxing!“ (Screenshot X 9.9.26)

Der „Individualfaschist“

Ein alter Hase im rechten Musikbusiness ist Josef Maria Klumb. Der Musiker wurde bekannt durch sein Projekt Von Thronstahl, das sich bereits 2010 auflöste, wirkte aber auch in anderen Bandprojekten im Neofolk-Bereich mit. Von Thronstahl kokettiert mit NS-Ästhetik und faschistischen Bildern. Songtitel wie „Heimaterde, Mutterboden, Vaterland“ oder „Das neue Reich“ wecken nicht zufällig Assoziationen. Weniger assoziativ geht es beim Von-Thronstahl-Album „Imperium Internum“ zu: „In den Liedtexten wird nicht nur ein neues Reich heraufbeschworen, sondern es werden auch zwei Divisionen der Waffen-SS verherrlicht“, stellt der deutsche Verfassungsschutz fest. Außerdem enthalte das von Klumb verfasste Buch „Leicht entflammbares Material“ „nicht nur Äußerungen gegen das Ethos menschlicher Fundamentalgleichheit“, sondern propagiere auch „eine antisemitische Verschwörungstheorie“.

Passend dazu bezeichnete sich Klumb in einem Interview selbst als „Individualfaschist“, auf seiner Website schrieb er, dass er sich eine „nationale Diktatur in Deutschland„ wünsche. Darüber hinaus beteiligte sich Von Thronstahl an Tribute-Alben für Leni Riefenstahl und den NS-Bildhauer Josef Thorak. Klumb selbst war früher beim rechtsextremen VAWS-Verlag/Plattenlabel beschäftigt. Er flog aus seiner Band „Weissglut“, weil er den Vorwurf rechtsradikalen Gedankenguts nicht ernsthaft entkräften habe können.

Cover des Albums „Imperium Internum“: Von Thronstahls Ästhetik weckt Assoziationen zum Nationalsozialismus (Screenshot Youtube)
Cover des Albums „Imperium Internum“: Von Thronstahls Ästhetik weckt Assoziationen zum Nationalsozialismus (Screenshot Youtube)

Im Jahr 1998 versuchte sich Josef Maria Klumb juristisch dagegen zur Wehr zu setzen, als ihn ein Sozialwissenschafter im Spiegel 1998 als „Nazi“ bezeichnete. Am Ende hat Klumb seinen Unterlassungsantrag aber zurückgezogen. „Nun gibt es zwar kein schriftliches Urteil, daß man Klumb einen Nazi nennen dürfe, der Rückzug des Antrags auf Unterlassung spricht allerdings für sich.“ (jungle.world, 13.1.99)

Neben zahlreichen Berührungspunkten mit dem historischen Nationalsozialismus, zeigt Klumbs Kooperation mit der deutschen Neonazi-Black-Metal-Band „Absurd“, dass er auch Bezüge zur gegenwärtigen extremen Rechten hat.

Die Kommerzzone im Castell Aurora mit einem neuen Modelabel

Die Kommerzzone beim „Avanti! Neo Cultura“ wird von den üblichen Identitären-nahen Verlagen, Versänden und Bekleidungsmarken bespielt: darunter Götz Kubitscheks Antaios-Verlag, der Jungeuropa-Verlag, Patria Laden und Filmkunstkollektiv sowie eine neue „dissident clothing brand“ aus Oberösterreich: Revoltra. Die Marke produziert die üblichen rechten Szeneklamotten, umschreibt sich aber schwülstig als „authentisch, tief europäisch verwurzelt, kompromisslos eigenständig“. Ein Versandhandel, auf den wir demnächst noch genauer eingehen werden.

Gegenfest

Ab 14 Uhr lädt die Initiative „Steyregg ist bunt“ zum SINNvoll FESTival. Geboten wird ein dichtes Programm von Unterhaltung bis Information inklusive Kinderprogramm. Das ganze ohne Eintritt, dafür aber mit Essen und Getränken.

SINNvoll FESTival am 26.9.26, ab 14 Uhr im Stadtgarten Steyregg
SINNvoll FESTival am 26.9.26, ab 14 Uhr im Stadtgarten Steyregg

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Schlagwörter: AfD | Hetze | Identitäre | Neonazismus/Neofaschismus | Oberösterreich | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Rechtsextremismus | Veranstaltung | Vernetzung | Weite Welt

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