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RTV: Staatliches Fördergeld für den FPÖ-Belangsender

Der ober­ös­ter­rei­chi­sche Lokal­sen­der RTV kas­siert staat­li­che Medi­en­för­de­rung und lie­fert in sei­nen „Nach­rich­ten“ über wei­te Stre­cken frei­heit­li­che Kam­pa­gnen, rech­te Feind­bil­der und Des­in­for­ma­ti­on. RTV agiert damit de fac­to als ver­län­ger­ter Arm der FPÖ. Ob das den För­der­richt­li­ni­en ent­spricht, ist zumin­dest prüfungswürdig.

26. März 2026
RTV als staatlich geförderter FPÖ-Belangsender: 61.440 € im Jahr 2026
RTV als staatlich geförderter FPÖ-Belangsender: 61.440 € im Jahr 2026

RTV hat zwi­schen 2017 und März 2026 ins­ge­samt 360.497 Euro aus dem Pri­vat­rund­funk­fonds erhal­ten – in der ers­ten Antrags­run­de 2026 für die Nach­rich­ten­sen­dung „RTV aktu­ell“ 45.840 Euro (wei­te­re 15.600 Euro für ein nicht näher defi­nier­tes Pot­pour­ri, das unter dem Titel „RTV vor Ort“ ein­ge­reicht wur­de). Die Rund­funk- und Tele­kom Regu­lie­rungs-GmbH (RTR) hält in ihren Richt­li­ni­en fest, dass mit die­sen Mit­teln ein viel­fäl­ti­ges, hoch­wer­ti­ges und inno­va­ti­ves Pro­gramm­an­ge­bot sowie demo­kra­ti­sches Ver­ständ­nis und gesell­schaft­li­che wie poli­ti­sche Infor­ma­ti­on geför­dert wer­den sollen.

Wir haben „RTV aktu­ell“ von zwei Wochen (9.–20.3., zehn Sen­dun­gen) ana­ly­siert. Der Befund: RTV sen­det als Nach­rich­ten getarnt fast durch­ge­hend im Takt der FPÖ und ist von blau­en Par­tei­me­di­en kaum unter­scheid­bar. Etwa 75 % aller Sen­dungs­mel­dun­gen geben direkt FPÖ-Posi­tio­nen – und nur die – wieder.

RTV-Nachrichten nach Bauplan der FPÖ

RTV macht aus Poli­tik­be­richt­erstat­tung eine täg­li­che Wie­der­auf­be­rei­tung frei­heit­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­li­ni­en. Zu den von RTV auf­ge­grif­fe­nen The­men lau­fen täg­lich O‑Töne, For­de­run­gen und Zuspit­zun­gen der FPÖ. Chris­ti­an Hafenecker, Micha­el Schned­litz, Her­bert Kickl, Harald Vilims­ky, Dag­mar Bela­ko­witsch, Susan­ne Fürst, Ricar­da Ber­ger oder Mar­tin Antau­er lie­fern den Takt, RTV über­nimmt ihn.

RTV behan­delt die FPÖ als Haupt­quel­le, Haupt­an­klä­ge­rin und Haupt­in­ter­pre­tin des poli­ti­schen Gesche­hens. Regie­rung, Insti­tu­tio­nen oder Fach­leu­te tre­ten dem­ge­gen­über oft gar nicht oder bloß als Kulis­se auf. Die Erzähl­struk­tur bleibt kon­stant: ein Miss­stand, ein Vor­wurf, ein frei­heit­li­cher O‑Ton, ein empör­ter Schluss. So ent­ste­hen kei­ne Nach­rich­ten mit poli­ti­scher Ein­ord­nung, son­dern Kam­pa­gnen­stü­cke mit Nachrichtenoptik.

Das gilt auch dort, wo RTV for­mal über Regie­rungs­han­deln berich­tet. Die neue Beob­ach­tungs­stel­le gegen „radi­ka­len Islam“ in Nie­der­ös­ter­reich erscheint als Erfolgs­mel­dung des blau­en Lan­des­haupt­frau-Stell­ver­tre­ters Land­bau­er. Die stei­ri­sche Anti-Gen­der-Linie wird als ver­nünf­ti­ge Ver­wal­tungs­re­form erzählt. In bei­den Fäl­len sen­det RTV Regie­rungs­po­li­tik aus frei­heit­li­cher Per­spek­ti­ve, ohne die poli­ti­sche Kon­flikt­la­ge abzubilden.

FPÖ-Content um die Ecke

Dazu kommt ein zwei­tes Mus­ter: RTV ver­schlei­ert poli­ti­sche Urhe­ber­schaft dort, wo sie tak­tisch stö­ren wür­de. Beim geplan­ten Social-Media-Ver­bot für Jugend­li­che erschei­nen „Kri­ti­ker“ ohne Namen und ohne insti­tu­tio­nel­le Zuord­nung. Inhalt­lich kommt dabei die­sel­be frei­heit­li­che Erzäh­lung her­aus, die staat­li­che Alters­kon­trol­le als Ein­stieg in Netz­über­wa­chung und Frei­heits­ver­lust zeich­net. Ähn­lich läuft es bei Bildungs‑, Gesund­heits- und Sozi­al­the­men. Sprach­pro­ble­me von Kin­dern mit Deutsch als Zweit­spra­che kip­pen in „Heimatschutz“-Rhetorik, über­las­te­te Ambu­lan­zen wer­den zur ras­sis­ti­schen Erzäh­lung von „Öster­rei­cher zuerst“.

RTV sen­det damit ein geschlos­se­nes Welt­bild. Migra­ti­on erscheint als Dau­er­be­dro­hung, euro­päi­sche Poli­tik als Zumu­tung, Coro­na-Auf­ar­bei­tung als Abrech­nung, öffent­lich-recht­li­che Medi­en als feind­li­che Bas­ti­on, Gleich­stel­lungs­po­li­tik als ideo­lo­gi­scher Über­griff. Die­se Linie braucht die Par­tei­be­zeich­nung oft gar nicht mehr. Die Erzäh­lung selbst erle­digt die poli­ti­sche Arbeit der FPÖ.

Zur frei­heit­li­chen Par­tei­kom­mu­ni­ka­ti­on kommt ein zwei­ter Ring aus FPÖ-nahen und rech­ten Akteu­ren. Peter Wes­ten­tha­ler wird als Auf­de­cker in der ORF-Cau­sa auf­ge­baut. RTV ver­schweigt, dass Wes­ten­tha­ler im ORF-Stif­tungs­rat über Vor­schlag der FPÖ sitzt. Bern­hard Heinz­l­mai­er wird als neue Stim­me bei „Aus­tria First“ bewor­ben – dass es sich um das blaue Par­tei-Radio han­delt, wird gar nicht mehr erwähnt. Kein Wun­der: Mit Nico­las und Vera Schott und Chris­ti­an Karan sind drei RTV-Akteur:innen auch bei „Aus­tria First“ beschäf­tigt. RTV ist also nicht bloß ein Medi­um, das häu­fig frei­heit­li­che Posi­tio­nen zitiert. Der Sen­der sitzt per­so­nell mit­ten im par­tei­po­li­ti­schen Reso­nanz­raum. Die FPÖ belohnt so viel Par­tei­treue mit regel­mä­ßi­gen Inseratenschaltungen.

Falsches, Schiefes, Weggelassenes

Mehr­fach trans­por­tiert RTV in die­sen zwei Wochen gro­be Irre­füh­run­gen, die in der Aus­sa­ge des FPÖ-Gene­ral­se­kre­tärs Hafenecker gip­feln, man habe mit der Coro­na-Kri­se in Öster­reich die Demo­kra­tie abschaf­fen wollen.

Am 16. März wech­selt RTV von FPÖ-TV auf Fidesz-TV und über­nimmt die Dik­ti­on vom „Frie­dens­marsch“ für die Orbán-Wahl­ver­an­stal­tung am 15. März. An die­sem Tag mobi­li­sier­ten sowohl Orbáns Fidesz als auch die oppo­si­tio­nel­le Tis­za-Par­tei zu Mas­sen­auf­mär­schen. RTV nennt bis zu 180.000 Teil­neh­mer – gegen­dert wird selbst­ver­ständ­lich nicht – beim „Frie­dens­marsch“ (unab­hän­gi­ge Schät­zun­gen lie­gen sehr deut­lich dar­un­ter). Aus der RTV-Erzäh­lung ver­schwin­det der oppo­si­tio­nel­le Gegen­pol voll­stän­dig, obwohl der Tis­za-Auf­marsch zah­len­mä­ßig grö­ßer gewe­sen sein dürfte.

Aus einer Leser­um­fra­ge des Des­in­for­ma­ti­ons­por­tals „exx­press“ macht RTV ein angeb­li­ches Stim­mungs­bild über – sprich: gegen den ORF und erhebt es trotz­dem zum poli­ti­schen Befund. Dazu kommt das ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­sche Gru­sel­mär­chen des FPÖ-EU-Abge­ord­ne­ten Gerald Hau­ser über angeb­li­che „Tur­bo­krebs­ver­läu­fe“ nach Covid-19-Imp­fun­gen. Die For­schung wider­spricht dem klar.

Am bru­tals­ten arbei­tet RTV am 19. März. Die ers­te Mel­dung des Tages erzählt von einer „Migran­ten­ban­de“, die nach einer Gewalt­se­rie „wei­ter auf frei­em Fuß“ sei. Die Tat­sa­che, dass sich meh­re­re Ange­klag­te in U‑Haft befin­den, ver­schweigt der Sen­der. Der poli­ti­sche Zweck die­ses Stücks ist ein­deu­tig: eth­ni­sier­te Angst­pro­duk­ti­on. RTV nennt den Migra­ti­ons­hin­ter­grund der Beschul­dig­ten, schil­dert rohe Gewalt in dras­ti­schen Bil­dern und eti­ket­tiert das Urteil als Skan­dal. Der Kon­text des soge­nann­ten „Pedo-Hunter“-Komplexes fehlt zur Gän­ze, übrig bleibt ein sau­ber ver­pack­tes Ressentiment.

Ein förderwürdiges Programm?

Die RTV-Pra­xis kol­li­diert fron­tal mit dem För­der­zweck. Die RTR nennt Siche­rung von Medi­en- und Mei­nungs­viel­falt, Bei­trag zum Demo­kra­tie­ver­ständ­nis und Stär­kung regio­na­ler Ange­bo­te als zen­tra­le Kri­te­ri­en. RTV lie­fert hin­ge­gen über wei­te Stre­cken einen blau­en Echo­raum: par­tei­för­mi­ge The­men­aus­wahl, rech­te Milieus als Quel­len­re­ser­voir, wie­der­keh­ren­de Feind­bil­der, irre­füh­ren­de Behaup­tun­gen und poli­ti­sche Aus­las­sun­gen an neur­al­gi­schen Stellen.

Die zen­tra­le Fra­ge liegt damit auf dem Tisch: War­um erhält ein Sen­der staat­li­che Medi­en­för­de­rung, der in sei­ner Nach­rich­ten­sen­dung de fac­to als ver­län­ger­ter Arm der FPÖ arbei­tet? Wer mit Steu­er­geld geför­dert wird, hat eine demo­kra­ti­sche Öffent­lich­keit zu bedie­nen. RTV bedient etwas ande­res: eine poli­ti­sche Dau­er­schlei­fe für die FPÖ, ihr Vor­feld und ihr Welt­bild. För­der­recht­lich ist das prü­fungs­wür­dig, demo­kra­tie- und medi­en­po­li­tisch ist die staat­li­che Ali­men­tie­rung ein Skandal.

Staatliche Förderungen für RTV zwischen 2017 und März 2026 (RTR)
Staat­li­che För­de­run­gen für RTV zwi­schen 2017 und März 2026 (RTR)

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Schlagwörter: FPÖ | Oberösterreich | Rechtsextremismus | RTV | Verschwörungsideologien

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