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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Waffen, Drogen, Neonazi-Netzwerk: Razzia nach Pitbullfarm-Konzert in Leoben

Das Foto eines Man­nes mit Hit­ler­gruß bei einem gehei­men Kon­zert der Neo­na­zi-Band Pit­bull­farm führ­te den Staats­schutz zu einem 44-Jäh­ri­gen. In sei­nem Haus in Leo­ben fan­den Ermitt­ler Waf­fen, Nazi-Pro­pa­gan­da und Sucht­mit­tel. Ein Grup­pen­bild gibt Auf­schluss dar­über, wer beim Kon­zert war.

18. Nov. 2025
Gruppenfoto mit Neonazis beim Konzert Pitbullfarm (Leoben 25.1.25)
Gruppenfoto mit Neonazis beim Konzert Pitbullfarm (Leoben 25.1.25)

Am 4. Novem­ber prä­sen­tier­te das Lan­des­amt für Staats­schutz und Extre­mis­mus­be­kämp­fung (LSE) Stei­er­mark die Aus­beu­te einer Haus­durch­su­chung in Leo­ben: meh­re­re Lang­waf­fen, moder­ne halb­au­to­ma­ti­sche Geweh­re, Pis­to­len, gro­ße Men­gen Muni­ti­on und Mes­ser. Dazu kamen NS-Devo­tio­na­li­en – vom Schild mit dem SS-Mot­to „Unse­re Ehre heißt Treue – Bez. Grup­pe Leo­ben, Kame­rad­schaft IV“ über Hit­ler-Pro­kla­ma­tio­nen und Doku­men­te mit Reichs­ad­ler und Haken­kreuz bis zu Schnaps­fla­schen mit Lebens­ru­ne, „Der Landser“-Heften und ras­sis­ti­schen Szene-Textilien.

Der Fall beginnt mit einem Kon­zert der schwe­di­schen Neo­na­zi-Band Pit­bull­farm am 25. Jän­ner 2025. Stoppt die Rech­ten konn­te Anfang Febru­ar offen­le­gen, dass die­ses klan­des­ti­ne Kon­zert auf einer Anhö­he bei Leo­ben offen­bar unbe­ob­ach­tet von Poli­zei und Ver­fas­sungs­schutz statt­fand. Grund­la­ge waren Face­book-Pos­tings der Band („Thank you Sty­ri­an Crew, Aus­tria“) und eine Ana­ly­se eines Land­schafts­fo­tos, mit der der genaue Ort ein­ge­grenzt wer­den konnte.

Pit­bull­farm ist Teil der inter­na­tio­na­len Neo­na­zi-Musik­sze­ne. Front­sän­ger Jocke Karls­son war zuvor unter ande­rem bei der offen ras­sis­ti­schen Band „Plu­ton Svea” aktiv und galt als seit Jah­ren in Blood-&-Honour-Strukturen vernetzt.

Gruppenbild mit Neonazis

Zu dem Leo­be­ner Kon­zert kur­sier­ten in den Mona­ten danach meh­re­re Fotos in sozia­len Medi­en, dar­un­ter ein Grup­pen­bild, das direkt im Ver­an­stal­tungs­raum auf­ge­nom­men wur­de und 50 Per­so­nen, dar­un­ter fünf Frau­en, zeigt. Im Vor­der­grund posie­ren die Mit­glie­der von Pit­bull­farm mit Front­mann Jocke Karls­son. Letz­te Woche wur­de sein Tod von ver­schie­de­nen Neo­na­zi-Kanä­len und Rechts­rock-Labels mit „R.I.P.“-Postings ver­mel­det. Ihm nach Wal­hall vor­aus­ge­gan­gen ist vor drei Mona­ten jener Mann, zu des­sen Ehren das Kon­zert im Jän­ner gespielt wur­de. „ϟuli ϟkinϟ für immer!“, war in Pos­tings zu lesen – die „S“ mit Sig­ru­nen dar­ge­stellt. Um den Leob­ner „Suli“ hat­te sich bis in die VAPO-Zeit zurück­rei­chend die loka­le Neo­na­zi-Sze­ne gesammelt.

Hrvoje H. zum Tod von Bernd S.: "Suli Skins fuer immer!" mit Gruppenfoto vom Pitbullfarm-Konzert in Leoben (Screenshot FB 5.8.25)
Hrvo­je H. zum Tod von Bernd S.: „Suli Skins für immer!” mit Grup­pen­fo­to vom Pit­bull­farm-Kon­zert in Leo­ben (Screen­shot FB 5.8.25)

Auf dem Bild sind Neo­na­zis aus meh­re­ren Län­dern zu sehen. Das Leo­be­ner Kon­zert erscheint als inter­na­tio­nal besetz­ter Kno­ten­punkt eines geo­gra­fisch weit­rei­chen­den Neo­na­zi-Netz­werks. Stoppt die Rech­ten konn­te vie­le der Abge­bil­de­ten iden­ti­fi­zie­ren. Neben Per­so­nen aus der stei­ri­schen Sze­ne tau­chen auch ein Vor­arl­ber­ger Neo­na­zi („Blood & Honour“, „Com­bat 18“), deut­sche Besucher*innen und zumin­dest ein Akti­vist aus Kroa­ti­en auf. Aus Öster­reich sticht der lang­jäh­ri­ge Neo­na­zi-Kader R.P. aus dem ehe­ma­li­gen Alpen-Donau-Umfeld her­vor, ein Ex-RFJ-Funk­tio­när, der sich nicht nur wegen Wie­der­be­tä­ti­gung, son­dern auch wegen schwe­rer gemein­schaft­li­cher Kör­per­ver­let­zung vor Gericht ver­ant­wor­ten muss­te. P. gehört bis heu­te zu den zen­tra­len Figu­ren der stei­ri­schen Neonazi-Szene.

Aus Kroa­ti­en ist Hrvo­je P. zu sehen, der in Recher­chen des „Bal­kan Inves­ti­ga­ti­ve Report­ing Net­work“ dem kroa­ti­schen Able­ger der Neo­na­zi-Orga­ni­sa­ti­on „Blood & Honour“ zuge­ord­net wird. Sogar ein thai­län­di­scher Skin taucht auf dem Foto auf. Im März reis­ten zwei Stei­rer, dar­un­ter der als Orga­ni­sa­tor des Kon­zerts bezeich­ne­te „Flot­zi“, zum Gegen­be­such nach Bang­kok, der sehr feucht aus­ge­fal­len sein dürf­te. Patrick B. ent­schul­digt sich auf Face­book, dass er dem Gast­ge­ber unter den Tisch gekotzt hat.

"Flotzi" (Florian Z.) und Patrick B. in Bangkok: "Thanks for drinking with us ... Sorry for vomiting under the table" (Screenshot FB 27.3.25)
„Flot­zi” (Flo­ri­an Z.) und Patrick B. in Bang­kok: „Thanks for drin­king with us … Sor­ry for vomi­ting under the table” (Screen­shot FB 27.3.25)

Der 44-jäh­ri­ge Stei­rer, bei dem am 22. Okto­ber durch­sucht wur­de, war der Gast­ge­ber des Events. Nach unse­ren Infor­ma­tio­nen fand die Raz­zia auf sei­nem Gehöft statt. Aus­lö­ser für die Ermitt­lun­gen des LSE Stei­er­mark war ein wei­te­res Foto vom Kon­zert: Es zeigt den Mann mit Hit­ler­gruß. Das Bild lan­de­te in sozia­len Medi­en, eine Iden­ti­fi­ka­ti­on war wohl nicht mehr schwie­rig. Auf dem Grup­pen­bild ist er rau­chend im Hin­ter­grund zu sehen.

Bei der Durch­su­chung sicher­ten die Behör­den nicht nur Waf­fen und Nazi-Pro­pa­gan­da, son­dern auch rund vier Kilo­gramm THC-hal­ti­ges Can­na­bis, eine blü­hen­de Can­na­bis­pflan­ze und diver­ses Sucht­mit­tel­zu­be­hör. Der Mann wur­de zunächst fest­ge­nom­men, nach der Ein­ver­nah­me aber auf frei­em Fuß ange­zeigt. Er soll sich teil­wei­se gestän­dig gezeigt haben. LSE und Staats­an­walt­schaft ermit­teln wegen Ver­stö­ßen gegen Ver­bots­ge­setz und Waf­fen­ge­setz, der Ope­ra­ti­ve Kri­mi­nal­dienst wegen Suchtmitteldelikten.

Die Kom­bi­na­ti­on, die hier sicht­bar wird, ist typisch für die Sze­ne: Rechts­rock-Kon­zer­te als geschlos­se­ne Ver­an­stal­tun­gen im länd­li­chen Raum, inter­na­tio­na­le Neo­na­zi-Bands wie Pit­bull­farm und Blood-&-Honour-Kader im Publi­kum, dazu Waf­fen, Dro­gen. Rechts­rock-Kon­zer­te die­nen dabei als zen­tra­les Ver­net­zungs­in­stru­ment der extre­men Rech­ten. In der Ober­stei­er­mark kei­nes­falls zum ers­ten Mal. Aus Karls­sons Ankün­di­gung, das Kon­zert für „Suli” im nächs­ten Jahr wie­der­ho­len zu wol­len („we will do this next year again and you will be with us!”) wird aller­dings nichts mehr: Zwei zen­tra­le Figu­ren sind tot, der Gast­ge­ber vom Jän­ner ist schwer belas­tet. „Was für ein Scheiß-Jahr”, resü­mier­te Patrick B. letz­te Woche auf Facebook.

Putztrupp auf Facebook

Mitt­ler­wei­le scheint etwas Unru­he in die ober­stei­ri­sche Sze­ne ein­ge­kehrt zu sein: Eini­ge der beim Kon­zert Anwe­sen­den haben ihre Face­book-Accounts „durch­ge­putzt”, ande­re, wie etwa „Flot­zi“, haben sie über­haupt gelöscht. Wohl etwas (zu) spät!

And­ree S., der befürch­tet, dass es in Leo­ben eine eige­ne „Über­wa­chungs­ab­tei­lung“ der Poli­zei gäbe, die Social Media-Accounts scre­ent, sodass sich zu weni­ge Beam­te im Außen­dienst um die „wirk­li­chen Ver­bre­cher“ küm­mern wür­den, kön­nen wir beru­hi­gen. Die „Abtei­lung” sitzt in Wien und hat mit der Poli­zei nichts zu tun!

"In ?LE dürfte es sogar eine eigene FB, Insta, Telegram ..... Überwachungsabteilung mit speziellen, eigens abgestellten Beamten geben , so der Verdacht von mehreren verdutzten Beschuldigten ! Ist das vl.der Grund, warum es deshalb zu wenig Beamte im Außendienst gibt, die uns vor wirklichen Verbrechern schützen ?" (Screenshot FB 4.11.25)
„In LE dürf­te es sogar eine eige­ne FB, Ins­ta, Tele­gram .…. Über­wa­chungs­ab­tei­lung mit spe­zi­el­len, eigens abge­stell­ten Beam­ten geben” (Screen­shot FB 4.11.25)

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Schlagwörter: Blood & Honour/Combat 18 | Illegaler Waffenbesitz/Waffenhandel | Konzert/Musik | Neonazismus/Neofaschismus | Steiermark | Suchtmittelgesetz | Weite Welt | Wiederbetätigung

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