Der rechtsextreme Spruch des Brigadiers

Ein Brigadier des Bun­desheeres dro­ht über sein T‑Shirt denen da oben, die vom Feind bezahlt wür­den, mit Volks­gericht­en. Seine Min­is­terin sus­pendiert ihn daraufhin vom Dienst: Der Spruch stammt von ein­er Neon­azi-Tante. Der Brigadier entschuldigt sich damit, dass er ihn fälschlicher­weise einem deutschen Dichter des 19. Jahrhun­derts, Theodor Körn­er, zugeschrieben und nichts mit Recht­sex­trem­is­mus am Hut habe. Also alles palet­ti? Sich­er nicht.

Ob Johann Gaiswin­kler mit dem Recht­sex­trem­is­mus sym­pa­thisiert, kön­nen wir nicht beant­worten. Was wir aber sagen kön­nen: Der Spruch, den der Brigadier auf seinem T‑Shirt in einem Video zeigt und auch noch rez­i­tiert, ist recht­sex­trem und bedi­ent recht­sex­treme und ver­schwörerische Positionen:

Noch sitzt Ihr da oben, Ihr feigen Gestalten.
Vom Feinde bezahlt, doch dem Volke zum Spott!
Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten,
dann richtet das Volk, dann gnade Euch Gott!

Johann Gaiswinkler mit T-Shirt und Neonazi-Gedicht – feige Gestalten (Screenshot YouTube "Auf ein Wort")

Johann Gaiswin­kler mit T‑Shirt und Neon­azi-Gedicht – feige Gestal­ten (Screen­shot YouTube „Auf ein Wort”)

Daran würde auch nichts ändern, wenn die Zeilen tat­säch­lich vom in Burschen­schafterkreisen sehr beliebten Theodor Körn­er stam­men wür­den. Der hat zwar eifrig gegen die napoleonis­che Fremd­herrschaft über die deutschen Fürsten­tümer angeschrieben, war aber mit Sicher­heit nicht der Ver­fass­er des het­zerischen Spruchs, wie wir bere­its 2018 mit Ver­weis auf die Arbeit­en des Körn­er-Experten Erhard Jost bericht­en konnten.

Mit­tler­weile, näm­lich im Okto­ber 2019, hat die Deutsche Presseagen­tur (dpa) in einem Fak­tencheck her­aus­ge­fun­den, dass es sich bei der Ver­fasserin des Spruchs um die neon­azis­tis­che Schreiberin Renate Schütte han­delt. Die hat auch etliche weit­ere Verse in dieser Dik­tion ver­fasst, etwa die hier über den „Deutschen Osten“:

Über ewig deutschem Land
weht des Fein­des blut’ge Fahne (…)
Halte aus, mein deutsches Land,
bis wir dich befrei’n aufs neue!

Ihre Reime hat Frau Schütte damals bekan­nten Neon­azis bzw. Recht­ster­ror­is­ten wie Man­fred Roed­er und Thies Christo­phersen gewid­met. Es gibt also keine Zweifel, woher und wohin bei Schütte der Wind weht.

Renate Schütte, Buch "Der Wind schlägt um"

Renate Schütte, Buch „Der Wind schlägt um”

Wenn sich ein Brigadier mit einem Spruch wie dem über die feigen Gestal­ten da oben, die vom Feinde bezahlt wer­den, zu Wort meldet, dann meint er wohl seine Chefitäten in der Bun­desregierung. Gaiswin­kler bestätigt das auch dadurch, dass er in sein­er Recht­fer­ti­gung der Regierung vor­wirft, die Ver­fas­sung zu brechen. Kri­tik an ver­meintlich ver­fas­sungswidri­gen Posi­tio­nen muss natür­lich auch einem Brigadier erlaubt sein, aber eine Dro­hung mit dem Volks­gericht sich­er nicht. Und wer bitte ist der Feind, von dem die Bun­desregierung ange­blich bezahlt wird?

Wom­it wir bei der Heuchelei wären. Fast schon lustig ist es, wenn ein ander­er Brigadier, in diesem Fall ein­er im Ruh­e­s­tand, der Min­is­terin Tan­ner Heuchelei vor­wirft, weil sie dem Brigadier Gaiswin­kler ein „Anstreifen mit nation­al­sozial­is­tis­chem Gedankengut“ (OTS, 1.2.21) vorge­wor­fen hat, während ihre Partei, die ÖVP und Kan­zler Kurz, kein Prob­lem damit gehabt haben, mit einem Stra­che eine Koali­tion einzuge­hen, der Jahre zuvor densel­ben Spruch mit den feigen Gestal­ten (bei Stra­che waren es „Gesellen“) gepostet hat.

Der Brigadier im Ruh­e­s­tand, der da so heftig Kri­tik an der Heuchelei der ÖVP übt, ist sel­ber ein Heuch­ler. Schließlich han­delt es sich bei ihm um den früheren Wiener FPÖ-Land­tagsab­ge­ord­neten Wolf­gang Jung. Wie bitte? Der stramme Rechte Jung kri­tisiert seinen eige­nen mit­tler­weile ver­lorenge­gan­genen und abtrün­ni­gen Parte­ichef indi­rekt wegen dessen Neon­azi-Spruchs? Natür­lich nicht! Dem blauen Brigadier fällt ja nicht ein­mal im Traum ein, den recht­sex­tremen Spruch mit den feigen Gestal­ten und die Dro­hung mit dem Volks­gericht zu kri­tisieren. Ver­mut­lich hält er ihn für richtig – oder für unbe­den­klich! Was er kri­tisiert, ist das unbe­stre­it­bare Fak­tum, dass der Spruch mit NS-Posi­tio­nen in Verbindung gebracht wird. Jung ver­langt, dass sich die Min­is­terin schützend vor ihren Brigadier stellen hätte sollen.

Wolfgang Jung klaut von SdR (Strache-Screenshot von SdR 13.9.2018)

Wolf­gang Jung klaut von SdR (Stra­che-Screen­shot von SdR 13.9.2018)

Aber woher hat Wolf­gang Jung seinen Stra­che-Screen­shot, zumal Stra­ches FB-Seite ja seit mehr als einem Jahr offline ist. Hat er den Screen­shot über die Jahre hin­weg auf­be­wahrt, oder hat er ihn gar von „Stoppt die Recht­en“ geklaut? Macht nichts, Herr Jung, man muss sich nicht schä­men, wenn man ein antifaschis­tis­ches Medi­um liest!