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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 5 Minuten

Corona-Lügen: von Puppen und Cola

Das Gerücht von leer­ste­hen­den Kran­ken­häu­sern, mit dem illus­triert wer­den soll­te, dass es kei­ne über­vol­len Inten­siv­sta­tio­nen durch Covid-19 gibt, wabert seit Beginn der Pan­de­mie durch das Netz. Mit ihm eng ver­bun­den die Unter­stel­lung, dass wir von Medi­en und Poli­tik wild mani­pu­liert wer­den. Von Viro­lo­gen sowie­so! Vor allem von Chris­ti­an Dros­ten, der ein fal­scher Dok­tor sein soll. Dann gibt es auch noch Coro­na-Tests, die gar kei­ne sind. Jeden­falls hat das der bekann­te Cola-Viro­lo­ge Micha­el Schned­litz durch Selbst­über­lis­tung herausgefunden.

22. Dez. 2020

Vor allem zu Beginn der Pan­de­mie wur­den Fotos und Vide­os von lee­ren Kran­ken­haus-Sta­tio­nen im Netz her­um­ge­reicht, um die Fotos aus Ita­li­en und New York zu ent­kräf­ten: Schaut her, es gibt gar kei­ne Pan­de­mie, kei­ne Schwer­kran­ken, kei­ne Toten, kein Virus! Die Mas­si­vi­tät der Pan­de­mie macht mitt­ler­wei­le neue Lügen­er­zäh­lun­gen not­wen­dig. Die Exis­tenz des Virus wird nicht mehr so deut­lich bestrit­ten, das Gerau­ne kreist mehr um die angeb­li­chen Mani­pu­la­tio­nen von Medi­en, Wis­sen­schaft und Politik.

Die Puppenlüge

Ein schö­nes Bei­spiel dafür lie­fert ein Foto, das ein deut­scher QAnon-Fan auf Face­book gestellt hat. Es zeigt einen zunächst unbe­kann­ten Men­schen ges­ti­ku­lie­rend vor Kran­ken­haus­bet­ten. Bei nähe­rer Betrach­tung erkennt man, dass in den Bet­ten kei­ne Men­schen lie­gen, son­dern Pup­pen. Zum Foto kommt noch der knap­pe Kom­men­tar: „Er redet mit Pup­pen.“ Das FB-Pos­ting wird inner­halb kür­zes­ter Zeit fast ein­tau­send Mal geteilt – vie­le Kom­men­ta­re, Likes und Tei­lun­gen stam­men auch aus Österreich.

Das Foto ist kein Fake, son­dern lebt – zusam­men mit dem Kom­men­tar – von der Unter­stel­lung, dass da einer ver­sucht, uns Pup­pen als Kran­ke unter­zu­ju­beln, indem er so tut, als spre­che er mit ihnen. Die alte Lügen­er­zäh­lung (kei­ne Pan­de­mie, kein Virus, kei­ne über­füll­ten Sta­tio­nen usw.) lebt mit dem Foto wie­der auf, obwohl sie gar nicht direkt ange­spro­chen wur­de. Dazu kommt aber jetzt einer, der uns ein vol­les Kran­ken­zim­mer mit Pup­pen vor­täu­schen will! Wer ist er?

In den Kom­men­ta­ren unter dem Post klärt jemand auf, dass es sich um Alain Ber­set, ein Mit­glied der Schwei­zer Bun­des­re­gie­rung, han­delt. Alle, die das Post des QAnon-Fans aus Schwe­rin tei­len, liken oder kom­men­tie­ren, ver­ste­hen die Bot­schaft des Posts auch so, wie sie der Pos­ter ver­stan­den wis­sen will: So sol­len wir mani­pu­liert wer­den, aber wir durch­schau­en das! „Wahn­sinn!“, „Ach krass …“, „Unfass­bar“, so eini­ge der Kommentare.

Wir haben des­halb bei Alain Ber­set nach­ge­fragt, wie das Bild ent­stan­den bzw. zu ver­ste­hen ist und dazu fol­gen­de Erklä­rung sei­nes Pres­se­spre­chers erhalten:

Zu Hin­ter­grund und Kon­text des Bil­des, das die Bild­agen­tur Key­stone-SDA ges­tern auf­ge­nom­men und publi­ziert hat, kön­nen wir Fol­gen­des sagen: Nach sei­nem Tref­fen mit Mit­ar­bei­ten­den des Spi­tals in Neu­châ­tel hat Bun­des­rat Alain Ber­set ges­tern Mitt­woch auch der Fach­hoch­schu­le Arc San­té einen Besuch abge­stat­tet. Dort – und nicht im Spi­tal – ist das Foto ent­stan­den. Bei den Pup­pen han­delt es sich um Simu­la­to­ren für Pfle­ge­fach­kräf­te. Sie wer­den in der Aus­bil­dung ein­ge­setzt, damit die Stu­den­ten mög­lichst rea­lis­tisch üben kön­nen. An ihnen wird zum Bei­spiel eine Intu­ba­ti­on oder eine Wie­der­be­le­bung mit dem Defi­bril­la­tor geübt.

Die Bou­le­vard­zei­tung „Blick“ hat das Foto ver­öf­fent­licht, aller­dings in einem Bild­aus­schnitt, bei dem eini­ge der Begleit­per­so­nen weg­ge­schnit­ten sind und der Kon­text so nicht erkenn­bar ist bzw. erklärt wird. Ist das absicht­lich pas­siert, um den Poli­ti­ker vor­zu­füh­ren? „Blick“ hat – immer­hin – mit einer Rich­tig­stel­lung reagiert; da war das Foto aller­dings schon hun­dert­fach viral unterwegs.

"Blick klärt auf"
„Blick klärt auf”
"Blick klärt auf"
„Blick klärt auf”

Die Lüge über den vermeintlichen „Hochstapler“ Drosten

Chris­ti­an Dros­ten ist nicht nur einer der bekann­tes­ten Viro­lo­gen im deutsch­spra­chi­gen Raum, er hat mit sei­nen Pro­gno­sen und War­nun­gen zu Covid-19 lei­der auch sehr oft Recht behal­ten. Wie unter­gräbt man die Glaub­wür­dig­keit eines aner­kann­ten Wis­sen­schaf­ters? Nach­dem schon vor Mona­ten ein Ver­such der „Bild“-Zeitung, Dros­ten unsau­be­res wis­sen­schaft­li­ches Arbei­ten vor­zu­hal­ten, kra­chend geschei­tert ist, ver­su­chen es die Coro­na-Hei­nis noch eini­ge Stu­fen tie­fer. Dros­ten, so der Vor­wurf, habe gar kein gül­ti­ges Dok­to­rat, daher auch kei­nen Titel, daher, so darf man dann schluss­fol­gern, sei­en auch sei­ne wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten und War­nun­gen wert­los, oder? Auch das rechts­extre­me aus Öster­reich gespeis­te Inter­net-Medi­um „Unser Mit­tel­eu­ro­pa“ hat sich – so wie auch eini­ge Pla­gi­ats­jä­ger – erfolg­los dar­in ver­sucht, Dros­ten wegen der angeb­lich feh­len­den Auf­find­bar­keit sei­ner Dok­tor­ar­beit ans Bein zu pin­keln. Der Zweck der Übung: eine Dis­kre­di­tie­rungs­kam­pa­gne nach dem Mus­ter, wirf mit Dreck, irgend­et­was bleibt schon hän­gen! Auf­klä­rung lie­fert ein­mal mehr „cor­rec­tiv“.

Die Cola-Corona-Lüge

Natür­lich! Die neu­es­te Leuch­te der FPÖ, ihr Gene­ral­se­kre­tär Schned­litz (das ist der, der die „lie­be iden­ti­tä­re Bewe­gung“ in sei­ner Hei­mat­stadt so freu­dig begrüßt hat und nun für sei­ne Par­tei ein Ende der Distan­zier­ei von den Iden­ti­tä­ren ein­ge­läu­tet hat), insze­niert im Natio­nal­rat das, was er für die gro­ße Coro­na-Test­lü­ge hält: Er schüt­tet Cola auf den Test­strei­fen für den Coro­na-Anti­gen-Test. Der Test­strei­fen reagiert posi­tiv – für Schned­litz der ulti­ma­ti­ve Beweis, dass die Tests so untaug­lich sind wie die Bun­des­re­gie­rung. Die FPÖ fei­ert ihren Chef­vi­ro­lo­gen und des­sen wag­hal­si­gen „Test“ sogar mit einer eige­nen Pres­se­aus­sendung. Der blaue „Wochen­blick“ assis­tier­te eif­rig und lob­te die „feu­ri­ge Par­la­ments­re­de“ von Schnedlitz.

Wochenblick: feiert Schnedlitz Cola-Test ab
Wochen­blick: fei­ert Schned­litz Cola-Test ab

Anschei­nend aber hat der blaue Chef­vi­ro­lo­ge noch nie einen Anti­gen-Test gemacht. Sonst wüss­te er näm­lich, dass man die Test­sub­stanz nicht direkt auf den Test­strei­fen auf­trägt, son­dern zunächst in eine Puf­fer­lö­sung ein­brin­gen muss. Details dazu lie­fert auch hier der Fak­ten­check von „cor­rec­tiv“. Eine ver­ein­fach­te, aber sehr brauch­ba­re Vari­an­te des Fak­ten­checks bie­tet Bar­ba­ra Neß­ler, Abge­ord­ne­te der Grü­nen, in einem kur­zen Video an: Cola färbt auch einen Schwan­ger­schafts­test posi­tiv ein. Sie ern­te­te damit eine, zum Teil aus Deutsch­land orches­trier­te, Flut an wüs­ten Beschimpfungen.

In diver­sen Coro­na-Kanä­len und von der Chef­vi­ro­lo­gin der rechts­extre­men AfD, Ali­ce Wei­del, wird Schned­litz hym­nisch gefei­ert und durch­ge­reicht. Mit sei­nem Cola-Test hat es Schned­litz auch in die inter­na­tio­na­len Medi­en geschafft. Die beur­tei­len des­sen Intel­li­genz aller­dings ohne Cola eher negativ.

Stern: FPÖ-Politiker blamiert sich
Stern: FPÖ-Poli­ti­ker bla­miert sich
Focus: Schnedlitz blamiert sich
Focus: Schned­litz bla­miert sich
Mississippi Link zu Schnedlitz: "falsely claims"
Mis­sis­sip­pi Link zu Schned­litz: „fal­se­ly claims”

In eige­ner Sache: Wir brau­chen Euch!
Recher­chen zum Rechts­extre­mis­mus wie die obi­ge kos­ten viel Zeit und Arbeit. Auch Geld für die Arbeit. Und für Anwalts­kos­ten, weil Rechts­extre­me immer wie­der unse­re Arbeit zu ver­hin­dern ver­su­chen. Wir ersu­chen Euch daher drin­gend um finan­zi­el­le Unter­stüt­zung, damit wir wei­ter­ar­bei­ten kön­nen. Spen­den bit­te an unser Kon­to bei der Spar­kas­se Neun­kir­chen-Glogg­nitz (IBAN AT 46 2024 1050 0006 4476) oder via Pay­Pal. Dan­ke!

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