Corona-Lügen: von Puppen und Cola

Das Gerücht von leer­ste­hen­den Kranken­häusern, mit dem illus­tri­ert wer­den sollte, dass es keine über­vollen Inten­sivs­ta­tio­nen durch Covid-19 gibt, wabert seit Beginn der Pan­demie durch das Netz. Mit ihm eng ver­bun­den die Unter­stel­lung, dass wir von Medi­en und Poli­tik wild manip­uliert wer­den. Von Virolo­gen sowieso! Vor allem von Chris­t­ian Drosten, der ein falsch­er Dok­tor sein soll. Dann gibt es auch noch Coro­na-Tests, die gar keine sind. Jeden­falls hat das der bekan­nte Cola-Virologe Michael Schnedlitz durch Selb­stüberlis­tung herausgefunden.

Vor allem zu Beginn der Pan­demie wur­den Fotos und Videos von leeren Kranken­haus-Sta­tio­nen im Netz herumgere­icht, um die Fotos aus Ital­ien und New York zu entkräften: Schaut her, es gibt gar keine Pan­demie, keine Schw­erkranken, keine Toten, kein Virus! Die Mas­siv­ität der Pan­demie macht mit­tler­weile neue Lügen­erzäh­lun­gen notwendig. Die Exis­tenz des Virus wird nicht mehr so deut­lich bestrit­ten, das Ger­aune kreist mehr um die ange­blichen Manip­u­la­tio­nen von Medi­en, Wis­senschaft und Politik.

Die Pup­pen­lüge

Ein schönes Beispiel dafür liefert ein Foto, das ein deutsch­er QAnon-Fan auf Face­book gestellt hat. Es zeigt einen zunächst unbekan­nten Men­schen gestikulierend vor Kranken­haus­bet­ten. Bei näher­er Betra­ch­tung erken­nt man, dass in den Bet­ten keine Men­schen liegen, son­dern Pup­pen. Zum Foto kommt noch der knappe Kom­men­tar: „Er redet mit Pup­pen.“ Das FB-Post­ing wird inner­halb kürzester Zeit fast ein­tausend Mal geteilt – viele Kom­mentare, Likes und Teilun­gen stam­men auch aus Österreich.

Das Foto ist kein Fake, son­dern lebt – zusam­men mit dem Kom­men­tar – von der Unter­stel­lung, dass da ein­er ver­sucht, uns Pup­pen als Kranke unterzu­jubeln, indem er so tut, als spreche er mit ihnen. Die alte Lügen­erzäh­lung (keine Pan­demie, kein Virus, keine über­füll­ten Sta­tio­nen usw.) lebt mit dem Foto wieder auf, obwohl sie gar nicht direkt ange­sprochen wurde. Dazu kommt aber jet­zt ein­er, der uns ein volles Kranken­z­im­mer mit Pup­pen vortäuschen will! Wer ist er?

In den Kom­mentaren unter dem Post klärt jemand auf, dass es sich um Alain Berset, ein Mit­glied der Schweiz­er Bun­desregierung, han­delt. Alle, die das Post des QAnon-Fans aus Schw­erin teilen, liken oder kom­men­tieren, ver­ste­hen die Botschaft des Posts auch so, wie sie der Poster ver­standen wis­sen will: So sollen wir manip­uliert wer­den, aber wir durch­schauen das! „Wahnsinn!“, „Ach krass …“, „Unfass­bar“, so einige der Kommentare.

Wir haben deshalb bei Alain Berset nachge­fragt, wie das Bild ent­standen bzw. zu ver­ste­hen ist und dazu fol­gende Erk­lärung seines Press­esprech­ers erhalten:

Zu Hin­ter­grund und Kon­text des Bildes, das die Bilda­gen­tur Key­stone-SDA gestern aufgenom­men und pub­liziert hat, kön­nen wir Fol­gen­des sagen: Nach seinem Tre­f­fen mit Mitar­bei­t­en­den des Spi­tals in Neuchâ­tel hat Bun­desrat Alain Berset gestern Mittwoch auch der Fach­hochschule Arc San­té einen Besuch abges­tat­tet. Dort – und nicht im Spi­tal – ist das Foto ent­standen. Bei den Pup­pen han­delt es sich um Sim­u­la­toren für Pflege­fachkräfte. Sie wer­den in der Aus­bil­dung einge­set­zt, damit die Stu­den­ten möglichst real­is­tisch üben kön­nen. An ihnen wird zum Beispiel eine Intu­ba­tion oder eine Wieder­bele­bung mit dem Defib­ril­la­tor geübt.

Die Boule­vardzeitung „Blick“ hat das Foto veröf­fentlicht, allerd­ings in einem Bil­dauss­chnitt, bei dem einige der Begleit­per­so­n­en weggeschnit­ten sind und der Kon­text so nicht erkennbar ist bzw. erk­lärt wird. Ist das absichtlich passiert, um den Poli­tik­er vorzuführen? „Blick“ hat – immer­hin – mit ein­er Richtig­stel­lung reagiert; da war das Foto allerd­ings schon hun­dert­fach viral unterwegs.

"Blick klärt auf"

„Blick klärt auf”

"Blick klärt auf"

„Blick klärt auf”

Die Lüge über den ver­meintlichen „Hochsta­pler“ Drosten

Chris­t­ian Drosten ist nicht nur ein­er der bekan­ntesten Virolo­gen im deutschsprachi­gen Raum, er hat mit seinen Prog­nosen und War­nun­gen zu Covid-19 lei­der auch sehr oft Recht behal­ten. Wie unter­gräbt man die Glaub­würdigkeit eines anerkan­nten Wis­senschafters? Nach­dem schon vor Monat­en ein Ver­such der „Bild“-Zeitung, Drosten unsauberes wis­senschaftlich­es Arbeit­en vorzuhal­ten, krachend gescheit­ert ist, ver­suchen es die Coro­na-Hei­nis noch einige Stufen tiefer. Drosten, so der Vor­wurf, habe gar kein gültiges Dok­torat, daher auch keinen Titel, daher, so darf man dann schlussfol­gern, seien auch seine wis­senschaftlichen Arbeit­en und War­nun­gen wert­los, oder? Auch das recht­sex­treme aus Öster­re­ich gespeiste Inter­net-Medi­um „Unser Mit­teleu­ropa“ hat sich – so wie auch einige Pla­giat­sjäger – erfol­g­los darin ver­sucht, Drosten wegen der ange­blich fehlen­den Auffind­barkeit sein­er Dok­torar­beit ans Bein zu pinkeln. Der Zweck der Übung: eine Diskred­i­tierungskam­pagne nach dem Muster, wirf mit Dreck, irgen­det­was bleibt schon hän­gen! Aufk­lärung liefert ein­mal mehr „cor­rec­tiv“.

Die Cola-Coro­na-Lüge

Natür­lich! Die neueste Leuchte der FPÖ, ihr Gen­er­alsekretär Schnedlitz (das ist der, der die „liebe iden­titäre Bewe­gung“ in sein­er Heimat­stadt so freudig begrüßt hat und nun für seine Partei ein Ende der Dis­tanzierei von den Iden­titären ein­geläutet hat), insze­niert im Nation­al­rat das, was er für die große Coro­na-Testlüge hält: Er schüt­tet Cola auf den Test­streifen für den Coro­na-Anti­gen-Test. Der Test­streifen reagiert pos­i­tiv – für Schnedlitz der ulti­ma­tive Beweis, dass die Tests so untauglich sind wie die Bun­desregierung. Die FPÖ feiert ihren Chefvi­rolo­gen und dessen waghal­si­gen „Test“ sog­ar mit ein­er eige­nen Presseaussendung. Der blaue „Wochen­blick“ assistierte eifrig und lobte die „feurige Par­la­mentsrede“ von Schnedlitz.

Wochenblick: feiert Schnedlitz Cola-Test ab

Wochen­blick: feiert Schnedlitz Cola-Test ab

Anscheinend aber hat der blaue Chefvi­rologe noch nie einen Anti­gen-Test gemacht. Son­st wüsste er näm­lich, dass man die Test­sub­stanz nicht direkt auf den Test­streifen aufträgt, son­dern zunächst in eine Puffer­lö­sung ein­brin­gen muss. Details dazu liefert auch hier der Fak­tencheck von „cor­rec­tiv“. Eine vere­in­fachte, aber sehr brauch­bare Vari­ante des Fak­tenchecks bietet Bar­bara Neßler, Abge­ord­nete der Grü­nen, in einem kurzen Video an: Cola färbt auch einen Schwanger­schaft­stest pos­i­tiv ein. Sie ern­tete damit eine, zum Teil aus Deutsch­land orchestri­erte, Flut an wüsten Beschimpfungen.

In diversen Coro­na-Kanälen und von der Chefvi­rolo­gin der recht­sex­tremen AfD, Alice Wei­del, wird Schnedlitz hym­nisch gefeiert und durchgere­icht. Mit seinem Cola-Test hat es Schnedlitz auch in die inter­na­tionalen Medi­en geschafft. Die beurteilen dessen Intel­li­genz allerd­ings ohne Cola eher negativ.

Stern: FPÖ-Politiker blamiert sich

Stern: FPÖ-Poli­tik­er blamiert sich

Focus: Schnedlitz blamiert sich

Focus: Schnedlitz blamiert sich

Mississippi Link zu Schnedlitz: "falsely claims"

Mis­sis­sip­pi Link zu Schnedlitz: „false­ly claims”

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