Waffenarsenale – vom Keller bis ins Büro

Es ist auffallend: In den letzten Monaten wurden einige zum Teil riesige Waffenlager vor allem in Niederösterreich ausgehoben. Und da sind die kleineren Funde nicht dabei, die im Zuge diverser Ermittlungen zu anderen Straftaten sichergestellt wurden – etwa bei den Razzien im Neonazi-Milieu.

Zudem: Vor zwei Wochen gab’s Hausdurchsuchungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Österreich. Der Verdacht: illegaler Waffenhandel, daran beteiligt: Rechtsextreme (Neonazis) und Reichsbürger.

Juli 2019/Juni 2020/Niederösterreich: Schusswaffen und Sprengkapseln

Ende Juni stand ein 78-jähriger Waldviertler vor Gericht. Er habe 80 illegale Waffen bei sich zu Hause gelagert – zusätzlich 24 legale Waffen.

Darunter stellten die Ermittler Pistolen, Revolver sowie Langwaffen und auch Teile von Schusswaffen, Krieg[s]material, Sprengkapseln und an die tausend Schuss sicher. Unter anderem zählten 25 Stück (halb- und vollautomatische Waffen sowie eine Panzerbüchse) der illegal besessenen Waffen zu der Kategorie A des Waffengesetzes und sind in Österreich verboten. (noen.at, 29.6.20)

Die Erklärung vor Gericht:

Er habe vor Jahren zwei Waffentester kennen gelernt, und die hätten ihm beim Aufbau eines Schießstandes unterstützt. Er habe sich revanchiert: „Damit sie die Waffen und die Munition für die Tests nicht immer transportieren müssen, habe ich sie halt bei mir gelagert. Als sie dann überraschend verstorben sind und keiner [sic!] Interesse an den Waffen angemeldet hat, blieben sie halt bei mir“, erklärte er. (noen.at)

Das (noch nicht rechtskräftige) Urteil von sechs Monaten Haft auf Bewährung und ein Waffenverbot fiel sehr milde aus. Ob der Mann gefragt wurde, mit welchem Ziel die bei ihm aufgefundenen Sprengkapseln getestet werden sollten, geht aus dem Medienbericht nicht hervor.

September/Dezember 2019/Niederösterreich: Waffen und Chemikalien

Nach einem simplen Ladendiebstahl und einer darauf folgenden Hausdurchsuchung flog das Waffenlager eines 50-Jährigen aus dem Bezirk Baden auf.

Insgesamt fand man fünf verbotene Waffen, wie Maschinenpistolen, 58 genehmigungspflichtige Faustfeuerwaffen und 16 Waffen, die registriert hätten werden sollen. Zudem hatte der Mann auch ein großes Arsenal an Chemikalien. Darunter Aceton, Wasserstoffperoix, Salzsäure, Schwefelsäure, Kaliumnitrat, gelber Phosphor. „Die Chemikalien sind an sich nicht verboten. Man kann damit aber Sprengstoff herstellen“, erklärt ein Beamter gegenüber der NÖN. (noen.at, 23.12.19)

Die Erklärung des Mannes: Er sei ein Waffennarr und habe Interesse an Chemie.

Jänner 2020/Niederösterreich: Schusswaffen und Suchtgift

Im Jänner wurde ein Waffenlager bei einem 60-Jährigen aus dem Bezirk Baden ausgehoben.

Im Zuge der Ermittlungen und der daraufhin durchgeführten Hausdurchsuchung konnten an der Wohnadresse neben legal besessenen Schusswaffen auch eine große Anzahl an illegalen Schusswaffen und Waffen sowie Munition im [sic!] größerem Ausmaß als auch Suchtmittel in geringer Menge vorgefunden und sichergestellt werden. (noen.at, 22.1.20)

Die Polizei sei auf der Suche nach diversen Hintermännern, hieß es im Jänner. Seither war in dieser Causa nichts mehr zu vernehmen.

April 2020/Oberösterreich: riesiges Waffenarsenal und Nötigung

Diese Meldung hat es sogar in die internationalen Medien geschafft: Nachdem ein 65-jähriger Pensionist aus Rainbach im Mühlkreis seiner Ex-Freundin mit einem Killer und einer Schusswaffe, die er immer bei sich trüge, drohte, weil die ihre langjährige Affäre der Ehefrau des Mannes gesteckt hatte, ging die Ex-Freundin zur Polizei und zeigte den Mann an. Die Cobra rückte aus und fand im Keller ein Waffenarsenal, das dazu geeignet sei, die gesamte oberösterreichische Polizei etwa vier Jahre auszustatten. Es war nach Angaben der oberösterreichischen Polizei einer der größten Waffenfunde der letzten Jahrzehnte.

Nach bisherigem Ermittlungsstand wurde Folgendes sichergestellt und in drei Klein-Lkw abtransportiert:
• mehr als 1 Million Stück Munition aller Kaliber
• mindestens 20 vollautomatische Waffen
• mindestens 100 Faustfeuerwaffen
• mindestens 30 Langwaffen (u.a. auch Scharfschützengewehre)
• mindestens 100 Schalldämpfer (laut Angaben des Beschuldigten selber hergestellt) (Landespolizeidirektion Oberösterreich, 6.4.20
)

Wie das Volksblatt berichtet, wurde der Mann am 20. Mai aus der Untersuchungshaft entlassen. Den Prozess hat er noch vor sich.

Juli 2020/Niederösterreich: Waffen und NS-Devotionalien

In seinem Büro in Gmünd hatte ein 35-jähriger Ex-FPÖ-Funktionär NS-Merchandise ausgestellt. Nach einer Anzeige fand die Polizei im Zuge einer Durchsuchung diverse Waffen, darunter „auch illegale Waffen in Form von Kriegsmaterial (zwei Maschinenpistolen mit Schalldämpfer), einer verbotenen Waffe (schießender Kugelschreiber) sowie Munition in größerem Ausmaß (…), Sprengkapseln und NS-Devotionalien“ (noen.at, 3.7.20).

Juli 2020/Deutschland und Österreich: Waffenhandel im Neonazi-Milieu

Viel wissen wir, zumindest was den Österreich-Bezug betrifft, noch nicht über die Razzien, die am 8. Juli in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Österreich in der Neonazi- und Reichsbürgerszene stattgefunden haben. Hierzulande gab’s bloß eine APA-Meldung, die aus deutschen Berichten zusammengestöpselt wurde.

Anlass der Ermittlungen waren mutmaßliche Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz sowie das Waffengesetz – konkret geht es um Waffenlieferungen aus Kroatien nach Deutschland mit Bezügen nach Österreich und in die Schweiz. (…) Schwerpunkt der Durchsuchungen war Bayern, wo die Ermittler im Großraum München sowie in den Landkreisen Rosenheim, Erding und Deggendorf im Einsatz waren. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Österreich wurde jeweils ein Objekt durchsucht; in welchen Regionen genau, wollte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft unter Verweis auf ermittlungstaktische Gründe nicht sagen. (APA, 8.7.20)

Sollte dieses eine einheimische Objekt in Niederösterreich liegen, wäre unsere Verwunderung klein.