Blaue Peinlichkeiten und Nebelgranaten zu den Identitären

Der Klubob­mann der FPÖ im Nation­al­rat, Wal­ter Rosenkranz, wurde am 2. April in der ZIB 2 von Armin Wolf zu den Iden­titären inter­viewt und ist dabei erbärm­lich unterge­gan­gen. Mitleid ist aber mit Sicher­heit nicht ange­bracht, denn was er dort zum Besten gegeben hat, war kein Beitrag zur Wahrheits­find­ung. Die Ratschläge recht extremer „Experten“ von ganz rechts, sich nicht von Sell­ner zu dis­tanzieren und endlich wieder zu arbeit­en, häufen sich, sind aber auch keine große Hil­fe.Üblicher­weise ist Wal­ter Rosenkranz gar nicht mund­faul. Ver­mut­lich war das auch ein Grund, warum er und nicht Stra­che selb­st zum Inter­view mit Armin Wolf in die ZIB 2 aus­rück­en musste, um dort die Beziehun­gen zwis­chen der FPÖ und den recht­sex­tremen Iden­titären aufzuk­lären. Davon war aber keine Spur zu bemerken. Stattdessen lange Nach­denkpausen und Nebelgranaten.

ZiB 2, 2.4.19: Armin Wolf und Walter Rosenkranz

ZiB 2, 2.4.19: Armin Wolf und Wal­ter Rosenkranz

Nebel­granate 1 war schon die ein­lei­t­ende Fest­stel­lung von Rosenkranz, wonach er die Iden­titären nur „medi­al“ ken­nen­gel­ernt habe. Da müssen wir den Klubob­mann schon daran erin­nern, dass er sie zumin­d­est 2016 in Wiener Neustadt leib­haftig gese­hen hat, als sie fah­nen­schwenk­end vor ihm standen und von ihm als „liebe Patri­oten“ begrüßt wurden.

Kundgebung Wiener Neusstadt 25.2.16 Walter Rosenkranz am Rednerpult (Screenshot Video Youtube Esterreicherr)

Kundge­bung Wiener Neustadt 25.2.16 Wal­ter Rosenkranz am Red­ner­pult (Screen­shot Video Youtube Ester­re­icherr)

Kundgebung Wiener Neusstadt 25.2.16 mit Identitären (Screenshot Video Youtube Esterreicherr)

Kundge­bung Wiener Neustadt 25.2.16 mit Iden­titären (Screen­shot Video Youtube
Ester­re­icherr)

Kundgebung Wiener Neusstadt 25.2.16 Alexander Markovics (Screenshot Video Youtube Esterreicherr)

Kundge­bung Wiener Neustadt 25.2.16 Alexan­der Markovics (Screen­shot Video Youtube Ester­re­icherr)

Nebel­granate 2 war dann seine Anmerkung zum Ver­fas­sungss­chutzbericht 2014, aus dem Armin Wolf die Pas­sage zitierte, wonach sich amts­bekan­nte Neon­azis in den Rei­hen der Iden­titären befind­en. Rosenkranz: „Das schreibt der Ver­fas­sungss­chutz, mir hat er es nicht geschrieben.“ Dazu sollte man allerd­ings wis­sen, dass der Ver­fas­sungss­chutz das sehr wohl für Rosenkranz geschrieben hat. Schließlich war Rosenkranz damals Sicher­heitsssprech­er der FPÖ und natür­lich Mit­glied im Innenauss­chuss des Nation­al­rats, ab Juli 2016 sog­ar Mit­glied des für die Geheim­di­en­ste und den Ver­fas­sungss­chutz der Repub­lik zuständi­gen ständi­gen Unter­auss­chuss­es. Wer son­st, wenn nicht der Sicher­heitssprech­er der FPÖ, ist der Adres­sat von Verfassungsschutzberichten?

Ausschussmitgliedschaften Walter Rosenkranz GP XXV

Auss­chuss­mit­glied­schaften Wal­ter Rosenkranz GP XXV

Nebel­granate 3 war dann die doch ziem­lich verblüf­fende Fest­stel­lung, wonach die Iden­titären nicht Mieter („Kheven­hüller-Zen­trum“) in der Linz­er Vil­la „Hagen“ des FPÖ-nahen Stu­den­ten­vere­ins sind, dort einen Sitz haben. Rosenkranz: „Weil es ein­fach nicht richtig ist, dass dort die Iden­titären Mieter waren ‚einen Sitz haben et cetera.“
Als Armin Wolf dann mehrmals nach­hakt und schließlich fragt: „Gut, also da waren nie Iden­titäre im Haus, ist nie jeman­dem aufge­fall­en?“, kriegt Rosenkranz allerd­ings weiche Knie und stammelt:
„Das kann ich, das kann ich nicht sagen. Ich war selb­st nie dort …“

Konzert im Khevenhüller-Zentrum mit rechtsextremer Gruppe "Komplott"

Konz­ert im Kheven­hüller-Zen­trum mit recht­sex­tremer Gruppe „Kom­plott”

Podiumsdiskussion 12.11.18 im Khevenhüller-Zentrum in der "Villa Hagen" Linz mit Hofbauer (Alles Roger), Scharfmüller (Info-Direkt), Juritz (Tagesstimme)

Podi­ums­diskus­sion 12.11.18 im Kheven­hüller-Zen­trum in der „Vil­la Hagen” Linz mit Hof­bauer (Alles Roger), Scharfmüller (Info-Direkt), Juritz (Tagesstimme)

Genug der Pein­lichkeit­en von Rosenkranz! Es gibt ja noch andere, etwa die der ehe­ma­li­gen Kad­er des früheren neon­azis­tis­chen Bun­des freier Jugend (BfJ), die jet­zt der FPÖ gute Ratschläge geben. An die kön­nte sich Wal­ter Rosenkranz ver­mut­lich bess­er erin­nern als an die Iden­titären, denn schließlich hat seine Burschen­schaft, die Lib­er­tas, dem BfJ einen Preis spendiert, näm­lich für dessen wun­der­bare Jugendarbeit.

Michael Scharfmüller, ein­er der Eigen­tümer von „info-direkt“, richtet über seine Pos­tille einen ger­adezu fle­hentlichen Appell an FPÖ und auch ÖVP: „Wir Patri­oten sitzen in einem Boot mit Mar­tin Sell­ner“, ver­bun­den mit der War­nung: „Achtung: „Wer sich dis­tanziert, verliert!“

Info-Direkt: "Wir Patrioten sitzen in einem Boot mit Martin Sellner"

Info-Direkt: „Wir Patri­oten sitzen in einem Boot mit Mar­tin Sellner”

So wie Scharfmüller war auch Ste­fan Mag­net ein­er der Kad­er des BfJ. Mag­net geht es nicht ganz so plump an wie Scharfmüller, son­dern spricht davon, dass das The­ma Iden­titäre und Recht­sex­trem­is­mus eigentlich ein Neben­schau­platz sei und Kurz bess­er daran tue, mit dem Stre­it­en aufzuhören und für das Land zu arbeit­en. Lustig, wer ihm für diese unge­mein intel­li­gente Wort­mel­dung durch ein Like zus­timmt: Da wären ein­mal einige andere Ehe­ma­lige des neon­azis­tis­chen BfJ, mehrere bekan­ntere Iden­titäre und Elmar Pod­gorschek, der Lan­desrat der FPÖ OÖ, der mit seinem Vor­trag bei der Höcke-AfD in Thürin­gen im Vor­jahr seine Gesin­nung aufmerk­sam gemacht hat. Der hat’s allerd­ings wirk­lich nötig!

Stefan Magnet zu FPÖ und Identitäre (Screenshot FB 3.4.19)

Ste­fan Mag­net zu FPÖ und Iden­titäre (Screen­shot FB 3.4.19)

Weit­er­führend:

Linz­er FPÖ und Iden­titäre: Ein Nahev­er­hält­nis mit vie­len Facetten