Wenn der Feuerwehr-Landesrat eine Reise tut …

Es war ein großer Auftritt, den der für das Feuer­wehrwe­sen in Oberöster­re­ich zuständi­ge FPÖ-Lan­desrat da bei der AfD-Land­tags­frak­tion in Thürin­gen hat­te. Beim Höcke! Der schon zweimal ein Auss­chlussver­fahren am Hals hat­te wegen ras­sis­tis­ch­er und am Nation­al­sozial­is­mus anstreifend­er Äußerun­gen. Das ist schon um einiges aufre­gen­der als etwa die FPÖ Suben neu aufzubauen, deren Gemein­deräte ger­ade wegen Hitler­bildern ihre Ämter zurück­le­gen mussten.

Es war ein langer Vor­trag, den Pod­gorschek da vor den ges­pan­nt lauschen­den AfDlern aus dem Thüringer Land­tag hal­ten durfte. Und ein­er, der die gewichtige Rolle des Öster­re­ich­ers noch beson­ders her­vorstrich: „Was die AfD von der FPÖ ler­nen kann.“ Da braucht es natür­lich einen wie Pod­gorschek, der mit allem ihm eige­nen Fin­ger­spitzenge­fühl und sein­er natür­lichen Beschei­den­heit die Dinge und die nach links gerück­ten Ver­hält­nisse so zurecht rückt, dass die AfD­lerIn­nen das annehmen kön­nen. Das wäre ihm auch fast gelun­gen, hätte er nicht am Ende eine War­nung aus­ge­sprochen, die für große Ver­wirrung sorgte.

Seine etwas ermü­dende Rede hat der Lan­desrat, der seine poli­tis­che Kar­riere als Lan­desjungvolk­beauf­tragter des RFJ und als Fuchs bei der pen­nalen Burschen­schaft Ger­ma­nia in Ried begonnen hat, schon im April beim „Unternehmeremp­fang“ der AfD-Land­tags­frak­tion Thürin­gens gehal­ten. Sie wurde von der AfD als Video ins Netz gestellt und offen­bart nicht nur ganz all­ge­mein die Geistes- und Gedanken­welt des frei­heitlichen Feuer­wehrlan­desrates, son­dern auch die poli­tis­chen Vorstel­lun­gen, die ganz offen­sichtlich im Bun­desparteivor­stand der FPÖ geteilt wer­den. Mit Pod­gorscheks Aus­führun­gen vor der AfD wird vieles, was die FPÖ da treibt und umtreibt, ver­ständlich­er. Manch­es macht ein­fach nur fassungslos.

Nur die Ein­führung in die ver­schrobene und ver­schobene Gedanken­welt des FPÖ-Lan­desrates wird hier indi­rekt erk­lärt, alles andere ist so gut wie uns möglich aus dem Video tran­skri­biert und zitiert – ohne weit­eren Kom­men­tar – bis zur Schlusssequenz.

Pod­gorschek begin­nt damit, das poli­tis­che Sys­tem von der gesellschaftlichen Entwick­lung zu tren­nen. Während die Gesellschaft die Mitte nicht ver­lassen habe, seien das poli­tis­che Sys­tem und die Eliten – mit Aus­nahme der FPÖ, die in der Mitte der Gesellschaft geblieben sei – in den let­zten 20 bis 30 Jahren nach links abge­wan­dert. Denen gehe es um die Zer­störung der Nation­al­staat­en „und deren eth­nis­ch­er Zusammensetzung“.

Was die AfD von der FPÖ ler­nen kann. Pod­gorschek bei Höcke.

Über das poli­tis­che Sys­tem in Österreich

Wir haben heute eine völ­lig links gepolte Jus­tiz, wir haben eine Medi­en­land­schaft, die mit­ter­weile jen­seits von links ist (…) die Kirche hat einen der­ar­ti­gen Links­drall, dass ich manch­mal schon Bauch­weh bekomme“ und sog­ar in der Wis­senschaft haben wir „eine Unter­wan­derung oder einen Par­a­dig­men­wech­sel“.

Gegen diesen Macht­block heißt es jet­zt anzukämpfen (…) 1989 ist der Kom­mu­nis­mus als Wirtschaftssys­tem ja unterge­gan­gen, aber in den Köpfen der meis­ten Men­schen ist er noch immer latent.“ (Applaus)

Die einzi­gen Insti­tute, die noch nicht so umge­dreht sind, sind Exeku­tive und öster­re­ichis­ches Bun­desheer.

Der Ver­fas­sungss­chutz hat eine eigene Zelle gebildet, die derzeit – so hoffe ich – aus­getrock­net wird.

So sind wir ange­treten, dieses Sys­tem – äh – aufzubrechen.

Über den ORF

Wir müssen unbe­d­ingt eine Neu­tral­isierung des öffentlich rechtlichen Rund­funks durch­führen (…) auch auf die Gefahr hin, dass uns eine soge­nan­nte Orban­isierung vorge­wor­fen wird. Das müssen wir durchziehen.

Die Nachricht­ensendun­gen des ORF erin­nern mich an die ‚Aktuelle Kam­era’ ”. (Nachricht­ensendung des DDR-Fernsehens).

Mit­tler­weile heißt er ja nicht mehr Öster­re­ichis­ch­er Rund­funk, son­dern ORF (…) Oppo­si­tion­srund­funk.

Über die Koali­tion mit der ÖVP

Es ist eine Ver­nun­fte­he, aber traue keinem Schwarzen.“ (Applaus)

Jed­er hört vom poli­tis­chen Mit­be­wer­ber auch gerne mal Lob, aber immer daran denken: Wir sind für die eige­nen Leute da, nicht für die!

Über die Grünen

Die Grü­nen sind für mich die würdi­gen Nach­fol­ger der Jakobin­er. Wenn sie kön­nten, wür­den sie uns alle an die Guil­lo­tine schick­en.

Die Grü­nen haben sich gewan­delt von einem marx­is­tis­chen Trend zu einem Herz-Jesu-Marxismus.“

Über die V‑Männer in recht­en Parteien 

Der Schluss von Pod­gorscheks Rede ist dann selb­st für die ZuhörerIn­nen ver­störend. Nach­dem der Feuer­wehr-Lan­desrat darauf hingewiesen hat, dass Öster­re­ich das Sys­tem von V‑Männern, also bezahlten Infor­man­tInnen, die für Polizei oder Ver­fas­sungss­chutz tätig sind, nicht kenne, holt er zu ein­er Mah­nung aus:

Schauen Sie darauf, dass Sie nicht von V‑Männern unter­wan­dert wer­den! (…) ich beobachte das immer wieder, wenn eine Partei rechts von der Mitte irgend­wo im Entste­hen ist, dann übernehmen irgend­wann Ver­rück­te – oder wie auch immer – die Partei und dann stellt sich her­aus, es waren V‑Männer. (…) Das müssen Sie über­winden.

Die Kam­era zeigt die ZuhörerIn­nen in den ersten Rei­hen, die sich eher ver­stört anblick­en: Wer ist der Ver­rück­te oder V‑Mann?

Pod­gorschek schließt seine Mah­nung und die Rede mit dem Satz:

In diesem Sinne: Vor­sicht ist die Mut­ter der Porzel­lankiste!

Den AfDlern ist das Lachen und der Applaus ziem­lich vergangen.