Die FPÖ Bruck/Mur und der Antisemitismus

Die FPÖ Bruck an der Mur hat ein Prob­lem – und zwar kein unbe­deu­ten­des. Sie kann Anti­semitismus nicht erken­nen. Vielle­icht ist es gar nicht die FPÖ Bruck/Mur, son­dern nur der Admin­is­tra­tor ihrer Face­book-Seite. Auf dieser erschien ein Post­ing, das nur so von anti­semi­tis­ch­er Het­ze triefte. Trotz Auf­forderung wurde das Post­ing (zunächst) nicht gelöscht, son­dern der anonyme Admin­is­tra­tor wurde sog­ar noch patzig. Ein Bericht von Karl Öllinger.

Von einem Face­book-User wurde ich darauf aufmerk­sam gemacht, dass auf der FB-Seite der FPÖ Bruck an der Mur das anti­semi­tis­che und het­zerische Post­ing eines Her­bert S. seit ein­er Woche online ist. Das Post­ing (hier auszugsweise) ist eindeutig:

„DIE TALMUD — ZIONISTISCHE INTERNATIONALE FINANZ — UND BANKEN — MAFIA VERSUCHT MIT HILFE IHRER FREIMAURERISCHEN HANDLANGER IHRE WELTHERRSCHAFTSPLÄNE DURCHZUSETZEN“.

Da ist er wieder, der Topos vom Tal­mud-Juden, hier in der Verklei­dung des Tal­mud-Zion­is­ten, mit ein­deuti­gen Attribut­en angere­ichert. So blöd kann man gar nicht sein, dass man nicht kapiert, dass das Anti­semitismus ist.

Das Posting des Herbert S., sicherheitshalber ALL CAPS, bedient eindeutig antisemitische Topoi.

Das Post­ing des Her­bert S., sicher­heit­shal­ber ALL CAPS, bedi­ent ein­deutig anti­semi­tis­che Topoi.

Ich schick­te daher der FPÖ Bruck am 28. März eine Nachricht: „Unter Ihrem Kom­men­tar vom 21.3. find­et sich ein anti­semi­tis­ches und het­zerisches Post­ing von Her­bert S. Warum ist dieses Post­ing noch immer online? Ich fordere Sie auf, dieses Post­ing unverzüglich zui löschen! Karl Öllinger, Abg.z.NR“.

Die Antwort des anony­men Admin­is­tra­tors der FB-Seite der FPÖ Bruck kam prompt und patzig: „Woran erken­nen Sie dass es sich um ein anti­semi­tis­ches Post­ing han­delt?! Ist das Ihre sub­jek­tive Wahrnehmung oder grün­det sich Ihre Anschuldigung auf ein Tat­sachen­sub­strat?! Wir lesen hier nichts her­aus das konkret anti­semtisch ist aber die Mes­sage entste­ht ja bekan­ntlich immer beim Empfänger. Wieso kon­tak­tieren Sie nicht den Autor des Post­ings? Wieso nutzen Sie ein FAKE-PROFIL ? Fra­gen über Fra­gen“.

Ich entsch­ied mich, trotz­dem noch ein­mal zu antworten – und zwar sach­lich: „Der Umstand, dass und wie sie ver­suchen, dem Prob­lem auszuwe­ichen, ist mehr als irri­tierend. Die Kom­bi­na­tion von Tal­mud, Zion­is­mus, Finanz- und Banken­mafia und Freimau­r­er ist ein eideutiger anti­semi­tis­ch­er Topos. Karl Öllinger“.

Auch dazu erfol­gte unmit­tel­bar die Reak­tion des anony­men Admin­is­tra­tors: „Der Schelm denkt so wie er ist bekan­ntlich. Was ein­deutig ist und was nicht, bes­tim­men nicht Sie son­dern unab­hängige Gerichte. Wieso ver­wen­den Sie ein Fake-Pro­fil? Für uns ist diese von Ihnen ange­führte Pas­sage zwar ver­schwörerisch und ver­rückt aber ein Rückschluss auf Anti­semitismus ist doch sehr sehr weit herge­holt. Mit Ver­laub, man kön­nte doch meinen Sie hören das Gras wach­sen…..“.

Der Rest der Kon­ver­sa­tion bet­rifft den absur­den Vor­wurf, dass ich mich hin­ter einem Fake-Pro­fil ver­steck­en (wohl fälschlich im Orig­i­nal: „ver­schenken“) würde. Das wirft mir ein anonymer FPÖ-Admin­is­tra­tor vor!

Die Konversation zwischen Karl Öllinger und dem Admin der FPÖ Bruck an der Mur...

Die Kon­ver­sa­tion zwis­chen Karl Öllinger und dem Admin der FPÖ Bruck an der Mur…

Nach mehr als ein­er Stunde ist die Kon­ver­sa­tion been­det. Das anti­semi­tis­che Post­ing wurde am 28.3. nicht gelöscht, stattdessen die Kon­ver­sa­tion (beze­ich­nen­der­weise gekürzt um die let­zten zwei Post­ings) mit einem höh­nis­chen Kom­men­tar online gestellt. Irgend­wann am 29.3. wurde dann diese Kon­ver­sa­tion und das anti­semi­tis­che Post­ing des Her­bert S. gelöscht. Ohne Kom­men­tar, ohne Entschuldigung. Wie schrieb doch der anonyme Admin­is­tra­tor: „Was ein­deutig ist und was nicht, bes­tim­men nicht Sie son­dern unab­hängige Gerichte“.

Das stimmt zwar so nicht ganz, denn nicht jede ein­deutig anti­semi­tis­che Äußerung – ob Kom­men­tar, Bild oder Karikatur — fällt unter die Bes­tim­mungen des Strafrechts, aber, ob eine anti­semi­tis­che Äußerung Ver­het­zung im Sinne des § 283 StGB ist, das bes­timme nicht ich, son­dern die Justiz.

Deshalb wer­den das anti­semi­tis­che Post­ing des Her­bert S., meine Kon­ver­sa­tion mit der FPÖ Bruck/Mur bzw. ihrem anony­men Admin­is­tra­tor und einige weit­ere Post­ings des Her­bert S., in denen er – auf anderen FB-Seit­en — über die „Syn­a­goge Satans“, die „Holo­caust-Mafia“ und die „Lüge“ über den soge­nan­nten Holo­caust herzieht, in eine Sachver­halts­darstel­lung eingebracht.

Noch etwas: wer auch immer der ver­ant­wortliche Admin­is­tra­tor der FB-Seite der FPÖ Bruck an der Mur ist, der sollte zurück­treten – und zwar rasch!

Der Stan­dard berichtete am 31.3.2017 über die Sache, siehe: Anti­semitismus-Anzeige wegen Facebook-Postings.