Höbarts Mitarbeiter (II): “Ausräuchern“

Vordergründig geht die FPÖ auf Distanz zu Höbarts Mitarbeiter. Der Landesparteisekretär der FPÖ NÖ, Christian Hafenecker, der schon einige ähnliche Situationen zu bewältigen hatte, spricht ganz distanziert von Alex Schleyer als dem „Herrn“, bei dem man zunächst einmal prüfen müsse, ob diese „untragbaren Zeilen“ wirklich von ihm stammten. Wenn ja, dann „gibt es Konsequenzen“, so Hafenecker. Auch Höbart will prüfen und hat seinen Mitarbeiter zunächst „beurlaubt“.

Die Beurlaubung war auch dringend notwendig. Die beiden Alex Schleyer direkt zuschreibbaren Facebook-Konten glänzen mittlerweile – sauber! Andererseits soll Schleyer derzeit als Reservist der Bundeswehr bei einer Marine-Übung im Einsatz sein – die Beurlaubung hätte demnach einen ganz anderen profanen Grund. Schleyer selbst soll seine FPÖ-Mitgliedschaft ruhend gestellt haben – der bei den Freiheitlichen übliche Modus, um aufziehende Gewitter von der Partei fernzuhalten.

Auch die Identitären geben sich einmal mehr Mühe, einen Persilschein auszustellen: Schleyers letztes Engagement für die rechtsextreme Truppe liege zwei Jahre zurück, behaupten sie. Der einzige Erkenntnisgewinn aus dieser Antwort: die Idis führen offensichtlich ganz strenge Listen, wer wann bei welcher Aktion zuletzt anwesend war. Aber – Facebook sei Dank! – die Postings und Likes, die zwischen Identitären und dem parlamentarischen Mitarbeiter Höbarts hin- und herfliegen, sprechen eine andere Sprache – ganz abgesehen von der Sprache, die Schleyer selbst spricht!

Als im Februar der ‚General-Anzeiger‘, eine deutsche Tageszeitung mit Sitz Bonn, über ein Tanzfest gegen Rassismus und Gewalt berichtet, postet Alex auf Facebook:

Sollen sich diese dummen Sautrottel bis aufs Mark blamieren und bei ihren debilen Tänzen dermaßen bereichert werden daß ihnen der Sinn danach ein für alle Male vergangen sein wird. Noch rollen sie die Trojanischen Pferde in die eigenen Städte…


Debile Tänze und Trojanische Pferde…

Das klingt so identitär wie sein Kommentar über die „Eselfickerkulturen“ oder wie der zur CDU-Bürgermeisterin von Bad Godesberg: „Dieses verlogene, strunzdumme Weibsstück von Stein-Lücke gehört weg weg weg“. Diesen Dreck stellte Schleyer übrigens am 21.Mai dieses Jahres online.


„weg weg weg“… Wie ist das zu verstehen?

Was sich Schleyer unter „weg weg weg“ durchaus auch vorstellen kann, präzisierte er in einem Post zu einem Bericht des „General-Anzeiger“ über einen Bonner Stadtteil, der einen schlechten Ruf wegen extremistischer Muslime haben soll. Schleyer dazu: “Ausräuchern“.

Ausräuchern“ also will Schleyer einen Stadtteil. Ob das für die FPÖ auch unter die „untragbaren Zeilen“ fällt? Oder wird sie das „Ausräuchern“ als persönliche Meinung einstufen, die noch dazu nicht einen Stadtteil irgendwo in Österreich, sondern „nur“ in Bonn betrifft? Als der „General-Anzeiger“ im Februar dieses Jahres über ein homosexuelles Paar berichtet, das zwei schwule irakische Flüchtlinge aufnimmt, schäumt Schleyer:

Die Regierung hat zwei neue Ausländer und die warmen Brüder zwei neue Spielgefährten. So ist jedem zeitgenössischem Zersetzer gedient; oh brave new world“.


Regierung+WarmeBrüder+Zersetzer – Klingt stark nach dem „Austausch“-Gekrächze der Identitären…

Für den Bundestagsabgeordneten Volker Beck von den Grünen hat er die hetzerische Anmerkung „arme Berufsschwuchtel“ übrig. In Österreich wird so etwas als Beleidigung gewertet und kann 4.000 Euro kosten.

Schleyers besonderen Bezug zu Bonn haben wir schon in Teil I angerissen. Er wurde dort nicht bloß 1987 geboren, sondern verkehrte schon in seinen Jugendjahren „mit Freude“ und „regelmäßig“ bei der Burschenschaft der Raczeks. Das erklärt vieles, aber noch nicht alles. Warum war er bei einer Neonazi-Demo dabei? Warum ist er auf Facebook so eng mit dem Parteichef der NPD? Warum ist er mit der Doro befreundet, die gerade wegen NS-Wiederbetätigung vor Gericht steht? Ja, und warum wollen seine FPÖ-Kameraden von all dem keine Ahnung haben?