Salzburg: „Wolke“ wegen Wiederbetätigung vor Gericht

Das ist aber eine nette Über­raschung! Damit hät­ten wir wirk­lich nicht gerech­net. Unter den vie­len Usern des Neon­azi-Por­tals thiazi.net, die in Öster­re­ich noch ihre Prozesse erwarten dür­fen, befind­et sich auch „Wolke“, ein­er der fleißig­sten Thi­azi ‑Schreiber! Über­rascht sind wir deshalb, weil „Wolke“ in seinen öffentlich ein­se­hbaren Dat­en keinen Hin­weis auf seine Salzburg­er Herkun­ft gegeben hat. „Deutsch­land“ war da nur zu lesen. Wie sich das für einen stram­men Nazi ziemt.


Thi­azi-Forum
-

Die „Salzburg­er Nachricht­en“ (28.5. 2016) schreiben von ein­er „mas­siv­en Anklage“ gegen den Salzburg­er Unternehmer, der hin­ter dem Nick­name „Wolke“ steckt. „Wolke“ war wirk­lich ein­er der fleißig­sten Schreiber im Thi­azi-Forum, der bei den inter­nen Rank­ings jeden­falls zeitweise unter den besten fünf Schreibern und bei den ger­man­is­chen „Danksa­gun­gen“ (Likes) auch ganz vorne lag. Rund 1,4 Mil­lio­nen Beiträge wur­den im Thi­azi-Forum bis zu sein­er Auss­chal­tung im Juni 2012 gepostet. Im April 2009 lag „Wolke“ bei 6.739 (!) Beiträ­gen – bis 2012 sind wohl noch einige Tausend dazugekommen.

Seine unternehmerische Tätigkeit dürfte „Wolke“, der im Forum die dort ehrende Beze­ich­nung „Fre­und der Reich­streuen“, „Fre­und der Ger­ma­nen“ und den Hin­weis „fördern­des Thi­azi-Mit­glied“ erhal­ten hat, wohl nicht beson­ders aus­ge­lastet haben. „Wolke“ fungierte jeden­falls nicht nur als ein­er der fleißig­sten Schreiber, son­dern auch als Mod­er­a­tor. Die Sprecherin der Staat­san­waltschaft Salzburg zu den „SN“: „Laut Anklage war der Salzburg­er ein­er der Foren­be­treuer. Er war für die Überwachung der Regeln zuständig, kon­nte Beiträge ändern, löschen und selb­st ver­fassen“.


Mot­to von Wolke
-

Zur Anklage schreibt die „SN“ weit­er, dass „Wolke“ „in Kom­mentaren zu anderen Beiträ­gen oder in vie­len eige­nen Beiträ­gen den Holo­caust geleugnet, die Ziele und Führungskad­er der NSDAP ver­her­rlicht oder gegen Juden und andere, für die Nazis ras­sisch min­der­w­er­tige Grup­pen gehet­zt“ habe

Das kön­nen wir nur bestäti­gen. So kom­men­tiert „Wolke“ etwa die Berichter­stat­tung des „Stan­dard“ zu dem Prozess gegen den Holo­caust-Leugn­er und Neon­azi Gerd Hon­sik so:

„Dieser Stan­dard-Bericht ist eine dreck­ige lügner­isch-ten­den­z­iöse Berichterstattung.
Ver­gle­icht dieses ver­brecherische Jew­r­nal­is­tengeschmiere (sic!) mal mit unten­ste­hen­dem Bericht“
.


Wolke zu Hon­sik Prozess
-

Die Beze­ich­nung „ver­brecherische Jew­r­nal­is­tengeschmiere“ enthält keinen Tippfehler, son­dern einen Hin­weis auf die anti­semi­tis­che Ein­stel­lung von „Wolke“. Was er von der Jus­tiz hält, bringt er im gle­ichen Beitrag zum Aus­druck. In schlechtem Deutsch schreibt er, dass am darauf­fol­gen­den Mon­tag „die Show der öster­re­ichis­chen Ver­brech­er im Talar ver­mut­lich sein (sic!) Ende“ find­en werde. Da hat er noch nicht geah­nt, dass er in eini­gen Jahren selb­st vor Gericht lan­den würde!

„Wolke“ war im Vorver­fahren nicht geständig – er kann auch gegen die Anklage, die ihm jet­zt zugestellt wurde, noch Rechtsmit­tel ein­le­gen. Im Beitrag der „SN“ heißt es, dass er nach § 3 d Ver­bots­ge­setz angeklagt ist. Der lautet:

„Wer öffentlich oder vor mehreren Leuten, in Druck­w­erken, ver­bre­it­eten Schriften oder bildlichen Darstel­lun­gen zu ein­er der nach § 1 oder § 3 ver­bote­nen Hand­lun­gen auf­fordert, aneifert oder zu ver­leit­en sucht, ins­beson­dere zu diesem Zweck die Ziele der NSDAP, ihre Ein­rich­tun­gen oder Maß­nah­men ver­her­rlicht oder anpreist, wird, sofern sich darin nicht ein schw­er­er ver­pöntes Ver­brechen darstellt, mit Frei­heitsstrafe von fünf bis zu zehn Jahren, bei beson­der­er Gefährlichkeit des Täters oder der Betä­ti­gung bis zu zwanzig Jahren, bestraft“.

Die Strafan­dro­hung bei § 3 d unter­schei­det sich von der nach § §g oder h durch die Min­dest­strafe von fünf Jahren (son­st ein Jahr). Da kommt eine dun­kle Wolke auf den Unternehmer zu! Auch für die anderen öster­re­ichis­chen Thi­azi-User, deren Dat­en von den deutschen Ermit­tlungs­be­hör­den an den öster­re­ichis­chen Ver­fas­sungss­chutz über­mit­telt wur­den, gibt es noch keine Entwarnung!

Rund 50 Prozesse gegen öster­re­ichis­che UserIn­nen waren im Novem­ber 2015 laut „Tirol­er Tageszeitung“ noch ausständig. Da ist noch einiges abzuar­beit­en und wir erwarten unter anderem schon ges­pan­nt die Anklage von „Prinz Eugen“ und „Eispick­el“.

Der ist auch noch fällig!