Ried im I./Schärding (OÖ): Helmut, der Hund, ein Handy mit Hitler und die FPÖ

Der Vor­fall, der sich da am 15. August 2015 in einem Gast­garten in Schärd­ing abge­spielt hat, erin­nert an ähn­liche Ereignisse, die merk­würdi­ger­weise fast auss­chließlich im blauen Milieu stat­tfind­en. Kurz zusam­menge­fasst: Blaue ver­lieren – oft nur Sekun­den­bruchteile – die Kon­trolle über ihr Handy, den Lap­top, den PC, und in dieser kurzen Zeit ereignen sich dann strafrechtliche rel­e­vante Dinge, zumeist aus dem Bere­ich der NS-Wiederbetätigung.

Wir wür­den ja sofort auf die NSA, die Bilder­berg­er oder die Illu­mi­nat­en tip­pen, die bei den diversen Blauen die Regie über ihre Geräte übernehmen. Weil aber die Gefahr beste­ht, dass ein frei­heitlich­er Funk­tionär diesen müden Scherz beim näch­sten Vor­fall tat­säch­lich als Erk­lärung ver­wen­det, winken wir ab. Es ist nicht so einfach!

Auch im Bier­garten in Schärd­ing nicht, dort schon gar nicht! Der Angeklagte, der sich am Don­ner­stag vor dem Lan­des­gericht Ried im Innkreis wegen des Ver­dachts der Wieder­betä­ti­gung ver­ant­worten muss, ein Ersatzge­mein­der­at der FPÖ in Schärd­ing, saß dort am 15. August des Vor­jahres, an einem sehr heißen Tag übri­gens, mit Fre­un­den in gemütlich­er Runde, zu der sich der „Hel­mut“ gesellte. Den „Hel­mut“ kan­nte zwar nie­mand in der Runde, aber weil frei­heitliche Funk­tionäre ja immer fre­undlich zu Frem­den sind, durfte sich der unbekan­nte „Hel­mut“, ein Fan von Ein­tra­cht Frank­furt aus Deutsch­land, zu ihnen set­zen und mit­trinken. „Das eine oder andere Achterl sei geflossen“, bericht­en die OÖN.

Ehrlich gesagt, die Geschichte ist jet­zt schon ein biss­chen unrund. Ein Ein­tra­cht Frank­furt-Fan set­zt sich zu eini­gen Blauen, die ihn fre­undlich aufnehmen in die Runde, und trinkt mit ihnen um die Mit­tagszeit an einem sehr heißen Tag das eine oder andere Achterl Wein im Bier­garten. Okay, wir schluck­en das alles, schließlich kommt die eigentliche Pointe ja noch, die wir durch unsere miesel­süchtige Hal­tung nicht ver­sauen dürfen.

Also irgend­wann muss der Angeklagte aufs Klo. Als er von der Toi­lette zurück­kommt, will er einen Anruf von sein­er Schwest­er erhal­ten haben. Die habe ihn dann gefragt, „warum ich so ein Foto von Hitler auf mein­er Face­book-Seite poste“, so der Angeklagte laut OÖN.

In der kurzen Zeitspanne hat sich näm­lich ange­blich Fol­gen­des ereignet: Auf der Face­book-Seite des angeklagten FPÖ-Ersatz-Gemein­der­ates tauchte ein Bild von Hitler auf mit der Über­schrift „Ver­misst seit 1945“ und dem Text „Adolf bitte melde dich, Deutsch­land braucht dich“. Unterze­ich­net ist das Schreiben mit „Das deutsche Volk“.


Sym­bol­bild

Der „Hel­mut“ habe daraufhin gelacht und zu dem Beschuldigten gesagt, er solle doch nicht so sein. „Ich war schon sauer, habe das Post­ing dann aber gle­ich gelöscht und mir gedacht, dass sich die Sache damit erledigt habe“, ver­sucht der dem Gericht zu erklären.

Die Schwest­er des Angeklagten muss mit ihrem Handy und Face­book ver­heiratet sein, möchte man meinen. Da tut sich was Schlimmes auf dem Handy ihres Brud­ers, ein Hitler-Bild poppt auf und schon sieht das die Schwest­er, greift blitzar­tig zu ihrem Handy, um ihren Brud­er, der ger­ade noch seine Not­durft ver­richt­en kon­nte, zu alarmieren.

Und der „Hel­mut“, der Ein­tra­cht Frank­furt-Fan, muss ein richtig falsch­er Hund sein, „Hundling“ heißt das im Innvier­tel. Für den „Hel­mut“ schaut das Ganze näm­lich gar nicht gut aus. Die Fre­unde des Angeklagten, die dem Vernehmen nach der FPÖ auch nicht fern ste­hen, bezeu­gen näm­lich auch vor Gericht, dass sich der „Hel­mut“ das Handy vom Angeklagten geschnappt habe, während der mal musste. Und fre­undlich, wie Frei­heitliche nun mal sind, haben sie ihn natür­lich nicht daran gehin­dert. Erst nach dem Anruf der Schwest­er wur­den sie von bösen Ahnun­gen befall­en: „Das hat uns stutzig gemacht und wir waren uns dann sich­er, dass der Deutsche doch nicht der ide­ale Gesprächspart­ner für uns ist.“ (OÖN)


Peter Fis­ch­er, Präsi­dent von Ein­tra­cht Frank­furt: Klare Worte gegen Recht­sex­trem­is­mus, Quelle: 11freunde.de

Die Staat­san­waltschaft wurde wiederum von bösen Ahnun­gen befall­en, als die Fre­unde bei den Ermit­tlun­gen ihre Aus­sagen abliefer­ten und zeigte sie wegen falsch­er Zeu­ge­naus­sage an. Der Polizist, der die Ermit­tlun­gen und auch die Anzeige ins Laufen gebracht hat­te, hat näm­lich ganz andere Erin­nerun­gen an die zeitlichen Abläufe. Dem­nach sei das Hitler-Post­ing schon viel früher auf dem Handy gewe­sen. Das würde „Hel­mut“ deut­lich ent­las­ten, wäre aber nicht so gün­stig für den Angeklagten und die Freunde.

Ach ja, wo ist eigentlich „Hel­mut“? Der ist seit seinem Auftritt im Bier­garten, wo das eine oder andere Achterl Wein geplätschert wurde, zur Mit­tagszeit spur­los ver­schwun­den. „Hel­mut bitte melde dich“, sollte der Angeklagte vielle­icht jet­zt posten.

Wenn die Fre­unde nicht wären! Ein­er von ihnen gibt an, dass er später an diesem heißen Tag noch ein Fußball­spiel zu bestre­it­en hat­te. Ob er nach den etlichen Achterln betrunk­en gewe­sen sei, fragt ihn die Rich­terin. „Ja schon“, sagt er. „Ich hab damals in der zweit­en Mannschaft gespielt. Ich dachte, wir wer­den das auch so rüber­brin­gen. Das ist aber nur an diesem einen Tag passiert.“

Nicht nur unser sportlich­er Ehrgeiz ist jet­zt alarmiert. Ein Zeuge, der dann noch angetschechert bei einem Fußball­match ein­läuft – ja, bei welchem Spiel eigentlich? In der zweit­en Mannschaft hat er gespielt damals, sagt der Zeuge dem Gericht, beim SK Schärd­ing. Die zweite Mannschaft des SK Schärd­ing war am 15.8. in Fried­burg im Ein­satz, um 15 Uhr. Fried­burg ist eine gute Autostunde von Schärd­ing ent­fer­nt. Geht sich nicht wirk­lich aus! Der gute Mann müsste im Bier­garten seine Achterl nicht geplätschert, son­dern hin­un­tergestürzt haben. Anschließend müsste er blitzar­tig ein Auto (hof­fentlich nicht seines!) bestiegen, mit diesem nach Fried­burg gerast und dort besof­fen vom Auto auf das Spielfeld getorkelt sein. Vom Rüber­brin­gen war da natür­lich nicht viel zu merken, aber bei min­destens einem besof­fe­nen Spiel­er ist selb­st ein 2:3 noch ganz beachtlich!

Jet­zt gilt natür­lich bei allen die Unschuldsver­mu­tung, obwohl die Staat­san­waltschaft mit ihren Ermit­tlun­gen wegen falsch­er Zeu­ge­naus­sage da schon gewisse Ein­wände hat. Jeden­falls wurde die Ver­hand­lung vertagt.

Ein­er geht noch, oder? Die Rich­terin fragt den Angeklagten, ob er sich der recht­en Szene zuord­nen würde. Der sagt laut OÖN: „Damit habe er über­haupt noch nie etwas zu tun gehabt, noch nie habe er eine Ver­anstal­tung der recht­en Szene besucht.“ Daraufhin fragt die Rich­terin nach, ob er sich poli­tisch engagiere. Der Angeklagte: „Ja, für die FPÖ, ich bin Ersatzge­mein­der­at in der Stadt Schärd­ing.“ (OÖN). – Der war gut, oder?

Quelle: OÖN.