Objekt 21: War da was?

Eigentlich sollte der Prozess gegen fünf Personen, die bei der Neonazi-Truppe „Objekt 21“ tätig waren, schon heute, am 17.2., mit der Urteilsverkündung abgeschlossen werden, aber die Angeklagten im Alter von 28 bis 32 Jahren beriefen sich ebenso auf Erinnerungslücken wie die Zeugen, die gestern am Landesgericht Wels einvernommen wurden. Und so wurde zunächst einmal der Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt.

Die Vorwürfe der Anklage illustrieren nur zum Teil das Tagesgeschäft der Neonazi-Truppe vom Objekt 21. Körperverletzung, Nötigung, Freiheitsentzug, Diebstahl, Brandlegung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und natürlich die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung finden sich da. Wenn nicht gesoffen oder Nazi-Lieder gegrölt wurden, dann musste zwischendurch eben auch Geld verdient werden im Objekt 21.


Vereinszentrum Objekt 21

Das Problem jetzt – so die Angeklagten – sei das Saufen damals. Alkohol und Drogen hätten große Löcher in ihre Festplatte gebrannt – die schon erwähnten Erinnerungslücken eben. Die gleichen Erinnerungslücken fanden sich auch bei bereits verurteilten Mitgliedern von Objekt 21, die in ihren früheren Aussagen die jetzigen Angeklagten noch belastet hatten, aber jetzt auch die gleichen Symptome aufwiesen.

Dann waren da noch die Zeugen, die damals Opfer der Angeklagten waren, dem Schöffengericht aber erklärten „Nein, ich bin nicht zu Schaden gekommen“ oder „Ich will davon nichts mehr wissen“ oder „Ich habe diesen Tag aus meinem Leben gestrichen“ (APA, 16.2.16).

Spätestens ab diesem Zeitpunkt kriegt die Sache einen merkwürdigen Geruch und man erinnert sich, dass es schon viel, viel früher, nach den Festnahmen im Jänner 2013, als ein Schwung von „Objekt 21“-Kameraden dann in Untersuchungshaft dunstete, sehr konkrete Verdachtsmomente bezüglich Absprachen, Schweigegeld bzw. Drohungen gegen „Verräter“ gegeben hat.


Zum Vergleich: Links die Reichskriegsflagge der Nazis Bildquelle; Rechts ein Screenhot der damaligen „Objekt 21“ Homepage und das Symbol des Nachfolgeprojekt „Nordic Squad“

27 Urteile, schreibt die in Sachen „Objekt 21“ immer gut informierte Tageszeitung „Österreich“ (15.2.16), hat es in Sachen Objekt 21 bisher gegeben. Klingt nicht schlecht, ist aber nicht viel, wenn man bedenkt, dass da auch die Doppelurteile mitgezählt sind – die Führungsriege von Objekt 21 wurde wegen NS-Wiederbetätigung extra noch einmal angeklagt und verurteilt. Zieht man diese 7 Urteile ab, dann standen bislang 20 Personen vor Gericht.

Mehr als 200 Mitglieder hatte der Verein „Objekt 21“, mehr als 80 Personen wurden als Verdächtige von der Kriminalpolizei Oberösterreich nach der großen Festnahmewelle im Jänner 2013 einvernommen, Polizei und Staatsanwaltschaft sprachen im Mai 2013 dann von 35 Anzeigen wegen krimineller Aktivitäten und von mindestens zehn wegen NS-Wiederbetätigung.

Im März 2015 fand der letzte „Objekt 21“-Prozess statt – gegen die zwei Freundinnen der beiden Chefs von „Objekt21“, die damals zu einem Jahr bedingter Haftstrafe verurteilt wurden.