Objekt 21: Kriminell und nationalsozialistisch

Was macht ein Rudel Neon­azis, wenn sie nicht ger­ade am Biertre­sen sitzen und ein­schlägige Arm­be­we­gun­gen vol­lziehen? Noch dazu, wenn ihr Ver­samm­lung­sort in ein­er kleinen Ortschaft liegt? Wenn ihnen also gewis­ser­maßen fad ist? Sie grün­den einen „Freizeit- und Kul­turvere­in“! Oder sie bilden ein höch­stkrim­inelles Netzwerk.

Min­destens 200 Mit­glieder hat­te der „Kul­turvere­in“ Objekt 21, ehe er behördlich aufgelöst wurde. Die Mit­glieder waren alle­samt der recht­sex­tremen bzw. neon­azis­tis­chen Szene zuzuord­nen, heißt es in einem Bericht des ORF OÖ unter dem Titel „Recht­sradikales Net­zw­erk aus­ge­hoben“.

Bei den Ergeb­nis­sen der Ermit­tlun­gen, die von ein­er eigens dafür einge­set­zten Son­derkom­mis­sion „SOKO 21“ unter Leitung der Staat­san­waltschaft Wels geführt wur­den, ging es aber in erster Lin­ie um die krim­inellen Aktiv­itäten, der­er die Neon­azis vom „Kul­turvere­in“ verdächtigt werden.

Und diese Liste von krim­inellen Aktiv­itäten ist lang: bei mehreren Haus­durch­suchun­gen wur­den Waf­fen wie z.B. ein Stur­mgewehr, etliche Pis­tolen, Muni­tion, zehn Kilo­gramm Sprengstoff und Schla­gringe gefun­den. Das übliche halt bei Neon­azis, kön­nte man meinen. Es geht aber noch weiter:

„Die führen­den Köpfe des recht­sradikalen Net­zw­erkes wer­den beschuldigt, einen regen Han­del mit teils ver­bote­nen Schuss­waf­fen, Kriegs­ma­te­r­i­al und Muni­tion betrieben zu haben. In Summe hat die Polizei bish­er 80 Verdächtige ein­ver­nom­men, 24 wur­den festgenom­men. Zurzeit sitzen noch zehn Per­so­n­en in Unter­suchung­shaft. Bei den Ein­ver­nah­men zeigten sich die meis­ten Verdächti­gen dur­chaus gesprächig.

Dem­nach sollen die Chefs der krim­inellen Organ­i­sa­tion zum einen mehrere Ein­brüche und Raubüber­fälle selb­st verübt haben, zum anderen sollen sie andere Mit­glieder zu ein­er Rei­he von Sraftat­en anges­tiftet haben. Auf das Kon­to der Gruppe gehen laut Polizei min­destens 23 Ein­brüche, Raubüber­fälle, Inter­net­be­trügereien, Bran­dan­schläge, ille­gale Pros­ti­tu­tion und Kör­per­ver­let­zun­gen. Die Gesamtschadenssumme dürfte min­destens 3,5 Mil­lio­nen Euro betra­gen“ (ORF OÖ).

Wie der ORF weit­er berichtet, sollen die Chefs von Objekt 21 den Geschäfts­führer eines Bor­dells ent­führt und anschließend mit ein­er Flex-Motorsäge mis­shan­delt haben. Auch dürften sie mit einem Unternehmer aus dem Rotlicht-Milieu gemein­same Sache gegen Konkur­renten gemacht haben: Störak­tio­nen und Nöti­gun­gen. Der Unternehmer soll Auf­tragge­ber eines Bran­dan­schlags auf einen Sauna­club in Wien gewe­sen sein. Der Anwalt des Rotlicht-Unternehmers geht von ein­er geziel­ten Intrige gegen seinen Man­dan­ten aus — und natür­lich gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung!

Uns fällt bei der Gele­gen­heit allerd­ings ein, wie zöger­lich die Behör­den noch im Herb­st 2010 gegen den Vere­in und die Nazi-Kam­er­aden vorgin­gen: der Vere­in habe nur die „Brauch­tum­spflege“ in seinem Vere­in­szweck!

Der Obmann des später dann doch aufgelösten Vere­ins, Manuel Spindler, brachte im Som­mer 2010 sog­ar noch Ein­spruch gegen eine Haus­durch­suchung im Objekt 21 und eine Klage auf Schaden­er­satz ein, wobei er sich in der Begrün­dung nicht nur um Kopf und Kra­gen argu­men­tierte, son­dern auch von den Behör­den ver­langte, die bei ein­er Verkehrskon­trolle im Kof­fer­raum gefun­de­nen Waf­fen seien wieder an die Besitzerin in Deutsch­land auszuhändigen.

Wie meinte doch Erwin Spindler, früher mal stel­lvertre­tender Obmann des Vere­ins? „So anständi­ge und fre­und­kiche (!) leute find­et man nur sel­ten wie die vom Objekt 21“.

Die Berichter­stat­tung auf stopptdierechten.at zum Objekt 21 ist sehr umfan­gre­ich. Die einzel­nen Berichte sind über die Suche „Objekt 21“ abrufbar.

ORF OÖ- Bericht: Recht­sradikales Net­zw­erk ausgehoben