Desselbrunn (OÖ): Kameraden im Argumentationsnotstand

Die Kameraden von Objekt 21 machen es sich selbst nicht leicht. Am 13.8. 2010 fand bei dem Objekt 21, einem Bauernhof in Desselbrunn (OÖ), wo sich üblicherweise rechtsextreme und Neonazis die Klinke geben, eine Hausdurchsuchung statt, bei der die Einsatzkräfte buchstäblich mit der Tür ins Haus fielen, wie der Obmann des Vereins Objekt 21 etwas weinerlich in einem Einspruch gegen die Hausdurchsuchung und einer Klage auf Schadenersatz festhält.

Manuel Spindler, so heißt der Obmann, argumentiert sich dabei um Kopf und Kragen. Jürgen Windhofer, der bereits mehrfach nach dem Verbotsgesetz verurteilte Neonazi, der im Objekt 21 den Hausmeister gibt, hat nach Darstellung Spindlers rein gar nichts mit dem Verein und dem Objekt 21 zu tun: „Dazu ist zu sagen, dass Jürgen Windhofer weder eine tragende Rolle spielt, noch Mitglied in diesem Verein ist und auch in diesem Objekt kein nationalsozialistisches Gedankengut auslebt“.


Zum Vergleich: Links die Reichskriegsflagge der Nazis Bildquelle; Rechts ein Screenhot der „Objekt 21“ Homepage.

Die Verwendung der Reichskriegsflagge in der Nazi-Variante? Kein Problem, meint Spindler. Schließlich handle es sich bei einer schwarzweissroten Fahne oder diversen T-Shirts nicht um NS-Devotionalien. Gegen den armen Windhofer und den Verein würde von allen möglichen Seiten intrigiert, falsche Facebook- Accounts angelegt und in falschem Zusammenhang der Polizei zugespielt. Ja, und dann gibt es noch die Sache mit den Waffen, die gefunden wurden. Auch so ein Irrtum, den Spindler aufklären muss. Die Waffen, die bei einer Verkehrskontrolle im Kofferraum des PKW von Windhofer gefunden wurden, die gehörten nämlich wem anderen, nämlich einer Frau, die in Deutschland lebe und dort sei der Besitz dieser Waffen zu Sammlerzwecken erlaubt. Deshalb – da wird der Spindler dann ziemlich frech – gehörten die Waffen, die da in Windhofers PKW in Oberösterreich herumgeführt wurden – der eifrigen Sammlerin in der BRD. Und weil die Waffentante auch noch eine eidesstattliche Erklärung beigebracht habe, dass die Waffen ihr gehörten, würde sie die Gegenstände auch wieder gerne ausgehändigt bekommen. Ursüß! Vermutlich hatten die Kameraden vom Objekt 21 ja nur vor, mit den Gegenständen eine ihrer kulturellen Veranstaltungen zu bereichern und dann fiele das ja quasi unter die Freiheit der Volkskunst oder so.


Sind das auch nur Sammlerwaffen? Bildquelle

Noch komischer wird Spindler dort, wo er den Polizeieinsatz der „Cobra“ schildert. Also die „Cobra“ klopft an bei der Haustür, es rührt sich zwei Minuten lang nichts und niemand, dann bricht die „Cobra“ die Tür auf, „obwohl die Hintertüre offen war und dem zur Zeit im Haus anwesenden Jürgen Windhofer nicht die Zeit gegeben wurde, die Türe zu öffnen.“

Lassen wir hier die Debatte um die Verhältnismäßigkeit der Mittel nur insofern anklingen, als die Polizei ja nach dem bisher Geschilderten davon ausgehen durfte, dass die Kameraden im Objekt vielleicht noch einige andere Sammlergegenstände von Waffentanten oder –onkeln aus fernen Ländern zu ihrer kulturellen Bereicherung aufbewahrten. Was macht der Neonazi Windhofer im Objekt 21? Er ist ja – wie Spindler ausführlich betont – weder ein Vereinsmitglied noch hat er irgendeine tragende Rolle.

Nach den „Allgemeinen Informationen“, die der Verein auf seiner Homepage veröffentlicht, dürfte sich Windhofer gar nicht im Objekt 21 aufhalten, denn der strenge § 3 sagt unter „Eintrittsbedingungen“:

„Das Vereinslokal kann nur durch Vorzeigen der gültigen Mitgliedskarte betreten werden.“

Der Windhofer hielt sich also ohne Berechtigung im Objekt auf! Noch dazu zur falschen Zeit, denn das Vereinslokal ist nur jeden Freitag zwischen 20h und mindestens 2h früh geöffnet (gezückte Mitgliedskarte nicht vergessen bitte!).

Ein schwacher Trost: auch die „Cobra“ hielt sich –so wie Windhofer –nicht an die Hausregeln. Sie kam zwar am Freitag, aber schon um 9h früh!