Hohenems (IV): Isolierter Einzeltäter

Die Ermit­tlun­gen sind noch nicht abgeschlossen, der beschlagnahmte PC noch nicht aus­gew­ertet, aber die Polizei will schon wis­sen, dass der junge Hohen­emser, der die neon­azis­tis­chen Schmier­ereien mit­tler­weile ges­tanden hat, ein isoliert­er Einzeltäter sei, der „nur“ über das Inter­net Kon­takt mit recht­sex­tremen Grup­pen gehabt habe. Ver­mut­lich hat er die Tat­en – ins­ge­samt 15 – allein began­gen. Aber das ist nicht der Punkt.

So wie bei dem Erstangeklagten im Fall des Bran­dan­schlags von Batschuns, Thomas H., ver­sucht auch dies­mal die Polizei die Ein­bindung des Verdächti­gen in recht­sex­treme Struk­turen kleinzure­den. „Nur“ über das Inter­net habe er Kon­tak­te zu anderen Recht­sex­tremen bzw. recht­sex­tremen Grup­pen gehabt, so die Polizei. Abge­se­hen davon, dass die Polizei erst am Beginn der Ermit­tlun­gen ste­ht, den beschlagnahmten PC natür­lich noch nicht auswerten kon­nte, ist die Aus­sage in mehrfach­er Hin­sicht falsch bzw. sehr problematisch.

Prob­lema­tisch ist sie, weil die Polizei in Vorarl­berg den Umstand ignori­ert, dass sich in den let­zten Jahren auch und ger­ade in der recht­sex­tremen Szene einiges getan hat. Zu den Grup­pen und Organ­i­sa­tionsker­nen, die auf per­sön­liche Kon­tak­te und Anwe­sen­heit bei Sitzun­gen und Aktio­nen begrün­det sind, sind Aktions­for­men und Grup­pen hinzugekom­men, die über die sozialen Net­zw­erke laufen. Hal­lo, liebe Polizei, es gibt seit einiger Zeit Inter­net 2.0! Und dort grün­den sich recht­sex­treme Grup­pen, Aktions­for­men in beachtlichem Tem­po und heftiger Anzahl.

Auf seinem Face­book-Pro­fil ist der junge Neon­azi für die Öffentlichkeit nur mit einem Foto sicht­bar, das ihn mit einem T‑Shirt des „Der III. Weg”, der deutschen Neon­azi-Gruppe, zeigt . Zu diesem Foto gibt es vier Likes: Eines davon ist von einem der bekan­ntesten bay­erischen Neon­azis. Karl Heinz Statzberg­er ist nicht „nur“ Neon­azi, son­dern auch verurteil­ter Recht­ster­ror­ist. Vier Jahre und drei Monate Haft hat er erhal­ten, weil er an der Pla­nung des Anschlags auf die Münch­n­er Syn­a­goge beteiligt war. Und aus­gerech­net Statzberg­er vom „Der III. Weg” gefällt das Foto des jun­gen Neonazi?



Bei­de sind Neon­azis von „Der III. Weg”, aber wer ist der Einzeltäter?
Die Auflö­sung: Schwarzes T‑Shirt mit Emblem „Der III. Weg“ Hohen­emser Neon­azi, Weißes T‑Shirt mit Enblem „Der III. Weg“: Karl-Heinz Statzberger

Falsch ist die Aus­sage der Polizei, weil bei dem 17-Jähri­gen der eng­ste famil­iäre Kon­takt im ein­deutig recht­sex­tremen Milieu stat­tfind­et. Falsch ist die Aus­sage der Polizei auch, weil sie ihm nach ihren eige­nen Angaben die Verteilung von Fly­ern mit teil­weise straf­barem Inhalt vorhält und bei ihm auch Pick­erl, eben­falls mit straf­barem Inhalt, gefun­den wur­den. (VN) Wir gehen davon aus, dass sich der junge Neon­azi seine Fly­er und Stick­er nicht selb­st gebastelt hat.

➡️ Hohen­ems (I): Inter­view mit Bern­hard Amann
➡️ Hohen­ems (II): Neon­azi-Schmier­er mit Kontakten
➡️ Hohen­ems (III): Walser zu Nazi-Schmier­ereien in Vorarl­berg: „Täter in Neon­azi-Szene aktiv”