Eau de Strache: Jetzt müssen Anzeigen folgen !

Lesezeit: 4 Minuten

„Eau de Stra­che“, die Web­sei­te, die unkom­men­tiert Zita­te von blau­en Fans bzw. blau­en Sei­ten ins Netz stellt, ist wie­der online. Nach Dro­hun­gen gegen den Betrei­ber ging die Sei­te kurz vom Netz und wur­de neu orga­ni­siert: Michel Rei­mon, EU-Par­la­men­ta­ri­er der Grü­nen, fun­giert jetzt als Domain­in­ha­ber, das Hos­ting über­nimmt Harald Kap­per, ein Inter­net-Unter­neh­mer. Gut so! Was aber pas­siert mit den unfass­ba­ren het­ze­ri­schen Postings?


Eau de Stra­che wie­der online
-
Fast 1.000 Sprü­che sind mitt­ler­wei­le auf der Sei­te doku­men­tiert und ver­linkt mit dem Thread auf Face­book, unter dem das Hass-Pos­ting abge­legt wur­de. Das jüngs­te Pos­ting von Otti R. stammt von HC Stra­ches Sei­te und lau­tet: „Wie üblich halt. Das Gesindl gehört sofort ver­gast !“.

Stra­ches Putz­ko­lon­ne hat das brau­ne Pos­ting mitt­ler­wei­le gelöscht. An ihm lässt sich aller­dings gut dar­stel­len, wie das Erre­gungs­mus­ter funk­tio­niert. Stra­che stellt – wie so oft – die Mel­dung einer ande­ren Sei­te „zur Info“ online. Dies­mal ist es „unzensuriert.at“, die rechts­extre­me Inter­net-Pos­til­le der Mar­tin-Graf-Jün­ger, zu der er ver­linkt: „Asyl­fak­ten­check Mai: 250,36 % Stei­ge­rung zum Vor­jahr“ ist der Titel des Bei­trags, zu dem Stra­che gar nichts mehr kom­men­tie­ren muss, weil er weiß, wie das auf sei­ner Sei­te funk­tio­niert. Bin­nen kur­zem sind die Pos­ter bei der übli­chen Het­ze ange­langt: alles nur Wirt­schafts­flücht­lin­ge; die wür­den von der Regie­rung absicht­lich ins Land geholt, um sich neue Wäh­le­rIn­nen zu schaf­fen usw.

Dann pos­tet ein Nor­bert B. aus Anthe­ring ein Video, auf dem man sieht, wie schwar­ze Män­ner ein Cara­bi­nie­ri-Auto mit Prü­geln demo­lie­ren. Nobert B. tex­tet dazu: “Speng­ler­work­shop in Ita­li­en. Nach dem ers­ten Kul­tur­schock geht es sofort rein in das Pro­jekt!!“. Damit sug­ge­riert er, dass es sich bei den Män­nern um neu ange­kom­me­ne Flücht­lin­ge han­delt. Wer das Video genau­er betrach­tet wie die „akti­ven Arbeits­lo­sen“, die dazu auch pos­ten, wird fest­stel­len, dass es sich um eine gestell­te Sze­ne handelt:

„Ein­deu­tig eine gestell­te Film­sze­ne, wie das im obe­ren lin­ken Rand her­ein­ra­gen­de Film­mi­kro­fon, der Beleuch­ter mit dem wei­ßen Reflek­tor und der Rest der Film­crew die vor­ne beim Auto hockt zeigt. …“.

Die­ser Hin­weis inter­es­siert aber auf Stra­ches Sei­te nie­man­den, auch nicht Stra­ches Putz­ko­lon­ne, die zumin­dest not­dürf­tig den brau­nen Dreck weg­säu­bern soll­te: das Hetz-Pos­ting von Nor­bert B. darf blei­ben, nur das Ver­ga­sungs­pos­ting von Otti R. wird gelöscht.

Stra­ches Sei­te ilie­fert in den letz­ten Wochen die meis­ten Zita­te für „Eau de Stra­che“. Maß­geb­lich ver­ant­wort­lich dafür ist das Stra­che-Pos­ting zum Spruch der FPÖ-Abge­ord­ne­ten Dag­mar Bela­ko­witsch-Jene­wein, die eine Abschie­bung von abge­lehn­ten Asyl­wer­bern in Bun­des­heer-Trans­port­flug­zeu­gen for­der­te: “Denn dann könn­ten sie da drin­nen schrei­en, so laut sie wol­len“.

Der Hetz­spruch der Abge­ord­ne­ten und das Pos­ting von Stra­che dazu: das bedeu­tet unein­ge­schränkt grü­nes Licht für die klei­nen blau­en Het­zer, die gar nicht genug krie­gen kön­nen. Gehetzt wird aber nicht nur auf Stra­ches Face­book-Sei­te, son­dern auf vie­len ande­ren blau­en Sei­ten und Pro­fi­len. Das Ver­dienst von „Eau de Stra­che“ ist es, nicht nur auf die­se Sei­ten auf­merk­sam zu machen, son­dern die Bot­schaft von den ver­öf­fent­lich­ten Hetz­pos­tings auf die­se Sei­ten zurückzubringen.

Auf eini­gen blau­en Sei­ten wer­den dar­auf­hin die Hetz­pos­tings tat­säch­lich gelöscht – manch­mal bleibt die Het­ze aber tage- oder wochen­lang online.

Auf der Face­book-Sei­te „Unse­re blaue Sei­te“ hat Diet­mar S. am 5. Juni „Erschies­sen und ver­ga­sen“ gepos­tet. Obwohl Sebas­ti­an S. am 12. Juni den Ver­fas­ser und den Sei­ten­be­trei­ber auf das Pos­ting auf­merk­sam gemacht hat, ist es noch immer online.

Auch ein wei­te­rer Nazi-Spruch ist auf „Unse­re blaue Sei­te“ noch immer online. Am 26. Juni pos­te­te Robert W. über Asyl­wer­ber, die gegen ihre Unter­brin­gung in Zel­ten pro­tes­tiert haben:

„Daun quar­tiert sas in Maut­hau­sen!!!!!“.

Dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass er damit eine Gren­ze über­schrit­ten hat, ant­wor­tet Robert W. aggressiv:

„Lach! Ich sag­te nur Maut­hau­sen! Ihr Dumpf­ba­cken! Seht ihr sonst etwas ste­hen? Nei­ne! Also! Klap­pe hal­ten!“.

Robe­ert W. ist offen­bar der Mei­nung, dass er straf­recht­lich nicht belangt wer­den kann, weil er das KZ nicht direkt ange­spro­chen, son­dern nur Maut­hau­sen erwähnt habe. Drum wird er noch fre­cher, macht einen Schritt zurück und zwei nach vor:

„Ich habe das sicher­lich nicht auf die scheuß­li­che Zeit des zwei­ten Welt­krie­ges bezo­gen!!! War viel­leicht nicht gera­de geschickt von mir, Maut­hau­sen zu erwäh­nen!!!! Hät­te auch Inns­bruck, Salz­burg sagen kön­nen! Doch in Maut­hau­sen, wäre doch genug Platz!!??“.

Der Betrei­ber von „Unse­re blaue Sei­te“ hat auch die­se Pos­tings nicht gelöscht.

Des­halb wird der Betrei­ber die­ser Sei­te genau­so ange­zeigt wie die Hetz-Pos­ter Diet­mar S. und Robert W..

Auch die FPÖ Hei­den­reich­stein und der Pos­ter Josef L. , der auf die­ser Sei­te am 27.6. gepos­tet hat:

„ich hät­te da eine unterkunft..Mauthausen und wenn die­ses pack da nicht rein wollen,dann ab ins meer..“.

Auch die­ser Pos­ter und die Sei­te FPÖ Hei­den­reich­stein wur­den auf­merk­sam gemacht, dass die­ses Pos­ting auf „Eau de Stra­che“ gelis­tet wur­de und in die Kate­go­rie ver­het­zen­der Pos­tings fällt. Reak­ti­on bis­her: kei­ne! Des­halb ist es höchs­te Zeit, dass da über Anzei­gen eine Klä­rung her­bei­ge­führt wird.

Hin­wei­se über Hetz­pos­ter und Hetz­sei­ten, die dem Outing durch „Eau de Stra­che“ kei­ne Kon­se­quen­zen fol­gen las­sen, bit­te an unse­re Mail­adres­se!

Ein letz­ter Hin­weis noch: auch die Pos­ter, deren brau­ne und het­ze­ri­sche Pos­tings von den Sei­ten­be­trei­bern gelöscht wur­den, soll­ten sich nicht zu früh freu­en: Wie­der­be­tä­ti­gung bleibt auch dann Wie­der­be­tä­ti­gung, wenn sie nur weni­ge Stun­den zu lesen ist. Das gilt auch für Verhetzung!