Strache, Obama, die Wahrsagerin und der Dritte Weltkrieg

Das Mag­a­zin „News“ berichtete in sein­er jüng­sten Aus­gabe, dass FPÖ-Parte­ichef Stra­che eine Wahrsagerin beschäftigt und der FPÖ-Klub ihr Hon­o­rar bezahlt habe. FPÖ-Gen­er­alsekretär Kickl demen­tierte umge­hend und sprach von „Hokus­pokus-Geschicht­en“. Stra­che bestätigte Kon­tak­te zu der Frau, nicht aber, dass das Hon­o­rar vom Klub beglichen wurde. Jen­seits der Hon­o­rar­frage sind jedoch noch einige andere Punk­te offen.

Kickl ist empört, weil nie­mand von „News“ angerufen habe, bevor die Geschichte geschrieben wurde. Stimmt nicht, antwortet „News“ und veröf­fentlicht die Fra­gen an den Leit­er der FPÖ-Press­es­telle. Kickl und später auch Stra­che demen­tieren Zahlun­gen durch den FPÖ-Par­la­mentsklub. „Wir haben uns ein paar Mal getrof­fen. Daraus ist so etwas wie eine Fre­und­schaft ent­standen. Das war’s aber auch schon”, erzählt er „Öster­re­ich“ (24.5.2015). Das Hon­o­rar für die Wahrsagerin kön­nte aber auch durch eine andere FPÖ-Ein­rich­tung bezahlt wor­den sein. „News“ erk­lärt, jed­erzeit den Wahrheits­be­weis antreten zu können.


Hon­o­rarabrech­nung Wahrsagerin, Fak­sim­i­le News 21 (2015)

Die Wahrsagerin aus Niederöster­re­ich schweigt auf ihrem Face­book-Pro­fil zur Debat­te zwis­chen „News“ und Kickl. Sie kön­nte zumin­d­est die Frage nach dem Hon­o­rar beant­worten. Eine andere ver­mut­lich nicht. Näm­lich: Wer hat „News“ die Infos gesteckt? Der Beitrag in der Print-Aus­gabe von „News“ (Nr. 21 /2015) endet so: „Nur eng­ste Ver­traute durften Stra­che auf seinen ener­getis­chen Reisen begleit­en. Nicht alle sollen die Vor­lieben des Chefs bedin­gungs­los teilen.“

War es ein­er dieser Ver­traut­en oder war es ein Mitar­beit­er, der – wie vor weni­gen Jahren beim dama­li­gen Klub­vize Ficht­en­bauer, dem Volk­san­walt der FPÖ, ein­fach ein Doku­ment kopiert und weit­ergeschickt hat? Gerüchte nähren die Vari­ante mit dem Ver­traut­en, aber was brin­gen da schon Gerüchte? Da kön­nen wir ja gle­ich zu der Wahrsagerin gehen!

Wir sind zumin­d­est auf ihr Face­book-Pro­fil gegan­gen, das auch ohne Zahlung eines Hon­o­rars ziem­lich aus­sagekräftig ist. Das Spezial­ge­bi­et von Tina Puchinger ist die Numerolo­gie oder Zahlen­mys­tik. Die inter­essiert uns nicht so sehr wie das, was sie auf Face­book so postet. Und das ist ziem­lich heftig.


Am 29. März postete Tina zum Absturz des Ger­man­wings-Flugzeugs Air­bus A320 über den franzö­sis­chen Alpen, bei dem 150 Men­schen ums Leben kamen: „hat­te wieder ein­mal recht“. Wom­it hat­te die Wahrsagerin Recht? Das Post­ing ver­weist auf einen Link, in dem davon die Rede ist, dass das Flugzeug schon vor dem Auf­schlag explodiert sei. Absoluter Mumpitz, wie er seit dem Absturz in wirk­lich Dutzen­den Vari­anten durch die sozialen Net­ze geistert.

Damit aber nicht genug. Einen Tag später, am 30. März, wieder ein Post­ing von Tina, der Numerolo­gin, zum Absturz der Ger­man­wings-Mas­chine: „ich hat­te wieder recht“. Näheres gibt sie nicht preis – vielle­icht gegen Hon­o­rar? Der Link ver­weist dies­mal an die „Inter­netz-Zeitung“, die wis­sen will, dass der mut­maßliche Tode­spi­lot Andres Lub­itz tot in einem PKW in Barcelona aufge­fun­den wurde, also nicht die Mas­chine in den Crash pilotiert haben kann. Natür­lich ist auch diese Mel­dung erstunken und erlogen, aber Tina, die Wahrsagerin und Fre­undin Stra­ches, hat­te „wieder recht“. So wie sie auch schon bei Jörg Haider die Katas­tro­phe voraus­ge­sagt haben will. „Ich hätte Jörg ret­ten kön­nen“, erk­lärt sie in „News“. Zum Konkretisieren hätte sie aber „per­sön­liche Schwingun­gen gebraucht” – die gab’s aber damals nicht. Im Unter­schied zu Stra­che oder auch zum Airbus.

Beim Foto eines Mäd­chens mit Ver­let­zun­gen im Gesicht, das Tina auf Face­book teilte, fehlte offen­sichtlich jede Schwingung: „Teile dies, wenn du gegen Gewalt an Kindern bist….“ Emp­fiehlt die Bil­dun­ter­schrift. Aber das Foto zeigt nicht ein Kind, dem Gewalt ange­tan wurde, son­dern eines, das gestürzt ist. Andere Pos­terin­nen weisen Tina, die Wahrsagerin, darauf hin, aber Tina schweigt dazu.

Ein ander­er Link, den Tina teilt, ist noch um einiges heftiger bzw. sehr deut­lich in sein­er poli­tis­chen Ansage: „Oba­ma bit­tet Europa, sich als Aus­tra­gung­sort für den Drit­ten Weltkrieg bere­itzuhal­ten.“ Und dann heißt es in dem Link von „Neopresse.com“ weit­er: „Zur Aufrechter­hal­tung ein­er bewährten Tra­di­tion hat Oba­ma wieder Europa den Zuschlag erteilt.” Eine unglaubliche Ansage, die glauben machen will, dass die Aufträge für den Ersten und Zweit­en Weltkrieg aus den USA gekom­men seien!

Stra­ches Wahrsagerin teilt nicht nur übel­ste recht­sex­treme Ver­schwörungs­the­o­rien und andere Schwachsin­nigkeit­en, son­dern auch stin­knor­male Het­z­post­ings, die sich gegen Flüchtlinge richt­en. Kein Wun­der, dass sich unter den­jeni­gen, denen ihre Post­ings gefall­en, auch etliche mit stark recht­sex­tremer Ein­stel­lung befind­en. Und was sagt Stra­che zu sein­er Wahrsagerin: „Ich bin nicht ver­hext.“ Wir erin­nern uns an ein Inter­view, das er zu Beginn des Jahres mit „News“ geführt wurde. Damals schwurbelte Stra­che zu Chem­trails, Kornkreisen, Licht­nahrung und dem Kli­mawan­del herum. Der Mann hat wirk­lich ein Prob­lem, und das ist nicht nur die Wahrsagerin!