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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Strache, Obama, die Wahrsagerin und der Dritte Weltkrieg

Das Maga­zin „News“ berich­te­te in sei­ner jüngs­ten Aus­ga­be, dass FPÖ-Par­tei­chef Stra­che eine Wahr­sa­ge­rin beschäf­tigt und der FPÖ-Klub ihr Hono­rar bezahlt habe. FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär Kickl demen­tier­te umge­hend und sprach von „Hokus­po­kus-Geschich­ten“. Stra­che bestä­tig­te Kon­tak­te zu der Frau, nicht aber, dass das Hono­rar vom Klub begli­chen wur­de. Jen­seits der Hono­rar­fra­ge sind jedoch noch eini­ge ande­re Punk­te offen.

29. Mai 2015

Kickl ist empört, weil nie­mand von „News“ ange­ru­fen habe, bevor die Geschich­te geschrie­ben wur­de. Stimmt nicht, ant­wor­tet „News“ und ver­öf­fent­licht die Fra­gen an den Lei­ter der FPÖ-Pres­se­stel­le. Kickl und spä­ter auch Stra­che demen­tie­ren Zah­lun­gen durch den FPÖ-Par­la­ments­klub. „Wir haben uns ein paar Mal getrof­fen. Dar­aus ist so etwas wie eine Freund­schaft ent­stan­den. Das war’s aber auch schon”, erzählt er „Öster­reich“ (24.5.2015). Das Hono­rar für die Wahr­sa­ge­rin könn­te aber auch durch eine ande­re FPÖ-Ein­rich­tung bezahlt wor­den sein. „News“ erklärt, jeder­zeit den Wahr­heits­be­weis antre­ten zu können.


Hono­rarab­rech­nung Wahr­sa­ge­rin, Fak­si­mi­le News 21 (2015)

Die Wahr­sa­ge­rin aus Nie­der­ös­ter­reich schweigt auf ihrem Face­book-Pro­fil zur Debat­te zwi­schen „News“ und Kickl. Sie könn­te zumin­dest die Fra­ge nach dem Hono­rar beant­wor­ten. Eine ande­re ver­mut­lich nicht. Näm­lich: Wer hat „News“ die Infos gesteckt? Der Bei­trag in der Print-Aus­ga­be von „News“ (Nr. 21 /2015) endet so: „Nur engs­te Ver­trau­te durf­ten Stra­che auf sei­nen ener­ge­ti­schen Rei­sen beglei­ten. Nicht alle sol­len die Vor­lie­ben des Chefs bedin­gungs­los teilen.“

War es einer die­ser Ver­trau­ten oder war es ein Mit­ar­bei­ter, der – wie vor weni­gen Jah­ren beim dama­li­gen Klub­vi­ze Fich­ten­bau­er, dem Volks­an­walt der FPÖ, ein­fach ein Doku­ment kopiert und wei­ter­ge­schickt hat? Gerüch­te näh­ren die Vari­an­te mit dem Ver­trau­ten, aber was brin­gen da schon Gerüch­te? Da kön­nen wir ja gleich zu der Wahr­sa­ge­rin gehen!

Wir sind zumin­dest auf ihr Face­book-Pro­fil gegan­gen, das auch ohne Zah­lung eines Hono­rars ziem­lich aus­sa­ge­kräf­tig ist. Das Spe­zi­al­ge­biet von Tina Puch­in­ger ist die Num­e­ro­lo­gie oder Zah­len­mys­tik. Die inter­es­siert uns nicht so sehr wie das, was sie auf Face­book so pos­tet. Und das ist ziem­lich heftig.


Am 29. März pos­te­te Tina zum Absturz des Ger­man­wings-Flug­zeugs Air­bus A320 über den fran­zö­si­schen Alpen, bei dem 150 Men­schen ums Leben kamen: „hat­te wie­der ein­mal recht“. Womit hat­te die Wahr­sa­ge­rin Recht? Das Pos­ting ver­weist auf einen Link, in dem davon die Rede ist, dass das Flug­zeug schon vor dem Auf­schlag explo­diert sei. Abso­lu­ter Mum­pitz, wie er seit dem Absturz in wirk­lich Dut­zen­den Vari­an­ten durch die sozia­len Net­ze geistert.

Damit aber nicht genug. Einen Tag spä­ter, am 30. März, wie­der ein Pos­ting von Tina, der Num­e­ro­lo­gin, zum Absturz der Ger­man­wings-Maschi­ne: „ich hat­te wie­der recht“. Nähe­res gibt sie nicht preis – viel­leicht gegen Hono­rar? Der Link ver­weist dies­mal an die „Inter­netz-Zei­tung“, die wis­sen will, dass der mut­maß­li­che Todes­pi­lot And­res Lubitz tot in einem PKW in Bar­ce­lo­na auf­ge­fun­den wur­de, also nicht die Maschi­ne in den Crash pilo­tiert haben kann. Natür­lich ist auch die­se Mel­dung erstun­ken und erlo­gen, aber Tina, die Wahr­sa­ge­rin und Freun­din Stra­ches, hat­te „wie­der recht“. So wie sie auch schon bei Jörg Hai­der die Kata­stro­phe vor­aus­ge­sagt haben will. „Ich hät­te Jörg ret­ten kön­nen“, erklärt sie in „News“. Zum Kon­kre­ti­sie­ren hät­te sie aber „per­sön­li­che Schwin­gun­gen gebraucht” – die gab’s aber damals nicht. Im Unter­schied zu Stra­che oder auch zum Airbus.

Beim Foto eines Mäd­chens mit Ver­let­zun­gen im Gesicht, das Tina auf Face­book teil­te, fehl­te offen­sicht­lich jede Schwin­gung: „Tei­le dies, wenn du gegen Gewalt an Kin­dern bist….“ Emp­fiehlt die Bild­un­ter­schrift. Aber das Foto zeigt nicht ein Kind, dem Gewalt ange­tan wur­de, son­dern eines, das gestürzt ist. Ande­re Pos­te­rin­nen wei­sen Tina, die Wahr­sa­ge­rin, dar­auf hin, aber Tina schweigt dazu.

Ein ande­rer Link, den Tina teilt, ist noch um eini­ges hef­ti­ger bzw. sehr deut­lich in sei­ner poli­ti­schen Ansa­ge: „Oba­ma bit­tet Euro­pa, sich als Aus­tra­gungs­ort für den Drit­ten Welt­krieg bereit­zu­hal­ten.“ Und dann heißt es in dem Link von „Neopresse.com“ wei­ter: „Zur Auf­recht­erhal­tung einer bewähr­ten Tra­di­ti­on hat Oba­ma wie­der Euro­pa den Zuschlag erteilt.” Eine unglaub­li­che Ansa­ge, die glau­ben machen will, dass die Auf­trä­ge für den Ers­ten und Zwei­ten Welt­krieg aus den USA gekom­men seien!

Stra­ches Wahr­sa­ge­rin teilt nicht nur übels­te rechts­extre­me Ver­schwö­rungs­theo­rien und ande­re Schwach­sin­nig­kei­ten, son­dern auch stink­nor­ma­le Hetz­pos­tings, die sich gegen Flücht­lin­ge rich­ten. Kein Wun­der, dass sich unter den­je­ni­gen, denen ihre Pos­tings gefal­len, auch etli­che mit stark rechts­extre­mer Ein­stel­lung befin­den. Und was sagt Stra­che zu sei­ner Wahr­sa­ge­rin: „Ich bin nicht ver­hext.“ Wir erin­nern uns an ein Inter­view, das er zu Beginn des Jah­res mit „News“ geführt wur­de. Damals schwur­bel­te Stra­che zu Chem­trails, Korn­krei­sen, Licht­nah­rung und dem Kli­ma­wan­del her­um. Der Mann hat wirk­lich ein Pro­blem, und das ist nicht nur die Wahrsagerin!

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