Braunau/Ried (OÖ): Mentaler Aufbau durch Hitler

Den Weg von Brau­nau zum Lan­des­gericht Ried im Innkreis ken­nt er schon ganz gut, die Proze­dur dort auch: Zum drit­ten Mal stand er am 3. März wegen NS-Wieder­betä­ti­gung vor einem Geschwore­nen­gericht, zum drit­ten Mal ein Schuld­spruch der Geschwore­nen und eine Verurteilung. Dies­mal sind aber drei Monate unbe­d­ingter Haft bei den ins­ge­samt neun Monat­en dabei, wie die OÖN berichten.

Sechs Monate bed­ingt hat er zulet­zt im April 2014 erhal­ten – wegen NS-Wieder­betä­ti­gung natür­lich. Er ist Teil ein­er braunen Szene im Innvier­tel, die es offiziell – für Teile der Poli­tik und Exeku­tive – gar nicht gibt.

Dabei lässt sich an ihm ganz gut nachvol­lziehen, was da läuft. Im Feb­ru­ar 2013 stand er zum ersten Mal vor einem Geschwore­nen­gericht. Zusam­men mit zwei weit­eren braunen Kam­er­aden, weil sie den aus­ländis­chen Bewohner­In­nen eines Mehrparteien­haus­es mit einem Bombe­nan­schlag gedro­ht hat­ten. Vor Gericht bekan­nten sie stolz, dass sie die Aus­län­der nicht mögen – auch Juden nicht, obwohl ihnen keine per­sön­lich bekan­nt seien. Bei dem Trio wurde auch divers­er Nazi-Schrott von Gürteln über T‑Shirts bis CDs gefun­den. Selt­samer­weise nicht angeklagt wur­den sie wegen des Wur­fes ein­er Rauch­granate bei ein­er antifaschis­tis­chen Kundge­bung im April 2012 in Brau­nau. Die Urteile: jew­eils sechs Monate bed­ingt – zwei der Urteile waren sofort rechtskräftig.



Ein Jahr später stand P.S. wieder vor Gericht: wieder wegen NS-Wieder­betä­ti­gung und wieder völ­lig unein­sichtig. Auf seine Ein­schätzung zu Hitler von der Rich­terin ange­sprochen, drückt er seine volle Wertschätzung aus: „Er hat aber sehr viel für den Staat gemacht und viel geschafft, was heute kein Poli­tik­er inner­halb von 20 Jahren hin­brin­gen würde. Hitler wusste, wie er die Leute ansprechen muss.“

Bei Fra­gen, die er nicht beant­worten wollte, berief er sich auf Gedächt­nis­lück­en, eine Auf­forderung der Rich­terin, sich endlich näher mit Geschichte zu beschäfti­gen, beant­wortet er keck mit: „Das lasse ich mir noch offen.“ (OÖN). Dem Staat­san­walt erk­lärt er auf dessen Frage, ob er sich zu den Holo­caust-Leugn­ern zählen würde: „Mehr oder weniger.“

Die Erken­nt­nis, dass es sich bei P.S. eher mehr als weniger um einen fes­ten Nazi han­delt, drückt sich mit den sechs Monat­en bed­ingt, die er neuer­lich aus­fasst, nur unzure­ichend aus. Den alten Fre­un­deskreis aus der Nazi-Szene will er mit­tler­weile ver­lassen haben, gibt er vor Gericht an. Ein Blick in seine Fre­un­desliste auf seinem Face­book-Pro­fil hätte anderes gezeigt. Immer­hin – der Staat­san­walt hat noch während des Prozess­es 2014 eine Info erhal­ten, dass man sich die aktuellen Post­ings von P.S. auf seinem FB-Pro­fil anse­hen solle, was die Staat­san­waltschaft dann auch gemacht hat. Das führte prompt zu ein­er neuen Anklage und der Erken­nt­nis, dass sich P.S. noch im Vor­feld des Prozess­es 2014 wieder­betätigt hat. Unter anderem mit einem Hitler-Zitat, das er irgend­wo im Inter­net gefun­den haben will: „Es hat mich in ein­er schw­eren Phase men­tal aufge­baut.“ Die schwierige Phase – das war der Prozess wegen NS-Wieder­betä­ti­gung, für den sich P.S. mit einem Hitler-Zitat geistig stärkte!

Sein altes FB-Pro­fil hat P.S. mit­tler­weile versenkt, seine Gesin­nung offen­sichtlich nicht. Der Angeklagte, der noch nicht ein­mal 21 Jahre alt und schon Vater von drei Kindern ist, wird dies­mal zu den schon erwäh­n­ten neun Monat­en Haft, davon drei Monate unbe­d­ingt, verurteilt. „Wenn ich diese Woche keine Jobzusage bekomme, dann trete ich die Haft in einem Monat an”, erk­lärt er dem Gericht.