Graz: Freispruch für „schwarzen“ Humor

Am Fre­itag wurde in Graz rechtlich über Humor und Het­ze ver­han­delt. Vor dem Lan­des­gericht mussten sich sechs Jugendliche wegen des Ver­dachts der Ver­het­zung ver­ant­worten. Sie hat­ten auf Face­book eine der zahlre­ichen unerträglichen Seit­en betrieben, die in der Regel mit „Mein Humor ist schwarz“ begin­nen und feucht­fröh­liche dünne Witzchen für zehn-bis dreizehn­jährige männliche Jugendliche erzählen.

Die steirischen Jugendlichen, deren Alter im Bericht der „Kleinen Zeitung“ vom 17.1.2015 nicht erwäh­nt wird, haben auf Face­book die Seite „Mein Humor ist schwarz, ich kön­nte Baum­wolle pflück­en“ betrieben. Was ihnen die Anklage genau vorge­wor­fen hat, geht aus dem Bericht nicht her­vor. Weil sie das Bild eines Jesus auf Hak­enkreuz veröf­fentlicht haben, wurde auch über den Ver­dacht der Her­ab­würdi­gung religiös­er Lehren (3 188 StGB) verhandelt.

Face­book-Seit­en, die sich ange­blich der Ver­bre­itung von schwarzem Humor wid­men, gibt es viele. Bei etlichen von ihnen über­wiegen die braunen Anteile oder jene, in denen dünnste ras­sis­tis­che oder sex­is­tis­che Witzchen erzählt werden.

Es hört sich jeglich­er Spaß auf, wenn etwa ein Foto einen Vater zeigt, der sein ver­mut­lich im Krieg ver­let­ztes Kind auf die Stirn küsst und darunter zu lesen ist “I always kiss after sex“. Die Seite „Juden­heizung. Heiße Seite auf Face­book“ („Mein Humor ist so jüdisch, ich kön­nte damit ganz Deutsch­land heizen“) ist mit­tler­weile vom Netz. Dafür gibt es jet­zt etwa eine Seite „Mein Humor ist so schwarz wie ein ver­bran­nter Jude“ , auf der aktuell zu lesen ist: “I don’t rape. I do unex­pectet (sic!) sex“.

Obwohl Face­book natür­lich die Möglichkeit hätte, Seit­en, die Hass ver­bre­it­en, zu sper­ren, wird von dieser Möglichkeit nur extrem sel­ten Gebrauch gemacht. Auch wenn FB-UserIn­nen Miss­brauch durch Het­zer melden, wird in vie­len Fällen nicht bzw. erst nach Massen­protesten mit Löschung reagiert. Meis­tens wer­den die ein­schlägi­gen Seit­en von Face­book mit dem Zusatz „Umstrit­ten­er Humor“ gekennzeichnet.

Wo die FB-Seite der steirischen Jugendlichen im Farb­spek­trum zwis­chen schwarz und braun einzuord­nen war, erschließt sich nicht aus dem Bericht der „Kleinen Zeitung“. Offen­sichtlich auch nicht aus der Anklage, denn die Staat­san­wältin plädierte dafür, die Jugendlichen im Zweifels­fall freizus­prechen. Der Vertei­di­ger plädierte für Rede- und Presse­frei­heit. Ob es das Plä­doy­er des Vertei­di­gers bzw. der Staat­san­wältin war oder die Unsicher­heit des Gerichts, was unter Satire zu fassen ist und diese von Het­ze unter­schei­det, jeden­falls hat das Gericht auf Freis­pruch erkan­nt – der ist allerd­ings noch nicht rechtskräftig.