Wolfsberg/Klagenfurt: Prozess gegen einen Hitler-Schüler

Welche Assozi­a­tio­nen hat man zu einem, der auf Face­book als Stätte sein­er Aus­bil­dung die „Adolf-Hitler-High­school“, als Beruf „Gastech­niker“ in Mau­thausen und als Lieblings­buch „Mein Kampf“ angibt? Neon­azi, klar, aber auch ziem­lich unreif. In Wirk­lichkeit ist der Mann 33 Jahre alt und stand gestern wegen NS-Wieder­betä­ti­gung in Kla­gen­furt vor einem Geschworenengericht.

Er war nicht der einzige, der sich im Novem­ber 2013 an ein­er hefti­gen und het­zerischen Debat­te auf Face­book über eine Ein­rich­tung für Asyl­wer­berIn­nen beteiligt hat­te, die in Frantschach (Kärn­ten) eröffnet wurde. Die Debat­te war so heftig und het­zerisch, dass eine Pos­terin mah­nte, doch nachzu­denken, bevor man Sprüche von wegen Hitler und Sieg Heil loslasse.

Rene G. hat nie viel nachgedacht und sich auch in dieser Debat­te mit so glänzen­den Ein­wür­fen wie „Hetz wird’s zeit fia die gaskom­mer amoi reichst“ (Jet­zt wird’s Zeit für die Gaskam­mer, es reicht!) beteiligt.

Dem Blog RFJ-Watch war die Het­ze aufge­fall­en, die Michael P. mit dem Kom­men­tar „Jet­zt hots Dreizehn gschlogn!!! A ASYLHEIM in Frantschasch!!!!Boom!!!“ los­ge­treten hat­te. Sofort ent­gleis­ten die Kom­men­ta­toren („A bombe in das kanack­en­heim rein und weg is da dreck“) und het­zten auch zu anderen The­men („Slowenisch??? Fick­ts Eich!!!!“). Durch den Bericht auf „Stoppt die Recht­en” wur­den dann auch die „Kleine Zeitung“, Staat­san­waltschaft und Ver­fas­sungss­chutz auf die Het­ze aufmerk­sam: von der gefährlichen Dro­hung über die Ver­het­zung bis zur NS-Wieder­betä­ti­gung span­nte sich der Bogen der möglichen Delik­te für einige an der Debat­te Beteiligte.


Het­zerische Debatte

Ob Rene G. jet­zt der einzige ist, der vor Gericht muss, obwohl damals etliche gehet­zt haben, ist unklar. Am Mon­tag stand er jeden­falls alleine vor dem Geschwore­nense­n­at in Kla­gen­furt und ver­suchte es mit dem Stan­dard­schmäh: „Ich habe mir nichts dabei gedacht, als ich das geschrieben hab. Das war alles eine Dummheit.“ (Kleine Zeitung) . Die Staat­san­wältin hielt dem Angeklagten ent­ge­gen, dass er noch bei sein­er ersten Ein­ver­nahme davon gesprochen habe, dass ihn Hitler „inspiri­ert” habe und wenn der noch am Leben wäre, würde es mehr Arbeit und weniger Aus­län­der geben.

Die Geschwore­nen woll­ten G. seine Ver­ant­wor­tung nicht abnehmen und sprachen ihn schuldig. Das Strafaus­maß wurde mit 15 Monat­en bed­ingt und 2.700 Euro Geld­strafe fest­gelegt. Der Angeklagte akzep­tierte das Urteil, aber die Staat­san­wältin erbat sich Bedenkzeit – daher noch nicht rechtskräftig.

Sein Pro­fil auf Face­book hat Rene mit­tler­weile stark gesäu­bert. An die alten Zeit­en erin­nert nur mehr das Tat­too „Rest in Peace“ und das Like für „Öster­re­ich hat schon genug Aus­län­der“. Auch Stra­che gefällt ihm noch immer. Es wird wohl nicht so ein­fach mit der Besserung