Die braunen Facebook-Freundschaften von Blauen: Hans Jörg Jenewein (II)

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Dem FPÖ-Poli­ti­ker Hans Jörg Jene­wein gefällt der Vor­schlag, alle Mus­li­me bzw. Tür­ken mit Kol­lek­tiv­schuld zu bele­gen und zu boy­kot­tie­ren. Dazu vom ORF befragt, strei­tet er ab, das Boy­kott-Pos­ting mit einem „Like“ belegt zu haben. Auf sei­nem per­sön­li­chen Face­book-Account war er schon mit eini­gen Neo­na­zis befreun­det. Aktu­ell mit Lud­wig Rein­th­a­ler, einem Fak­to­tum der hei­mi­schen Neo­na­zi-Sze­ne. Aber auch ande­re merk­wür­di­ge Freun­de sind auf sei­ner Kontatkliste.

Für Jene­wein ist es „komisch“, was sich da auf sei­nem pri­va­ten Face­book-Kon­to tut. Er bestrei­tet, mit dem Like für den Boy­kott etwas zu tun zu haben. Das stößt nicht nur uns sau­er auf, son­dern auch „Hei­mat ohne Hass“. Im Bei­trag „Das war nicht Ich! Doch! Nein!“ wird noch ein­mal peni­bel dar­ge­stellt, dass Jene­wein mit dem „Like“ für den Boy­kott auch der Hans Jörg Jene­wein ist, der als FPÖ-Poli­ti­ker bekannt ist.

Ein Face­book-Freund von Hans Jörg Jene­wein hat uns Ein­sicht in sein Pro­fil neh­men las­sen. Dem­nach gewährt Jene­wein auch sei­nen Freund­schafts­kon­tak­ten kei­ne umfas­sen­de Ein­sicht in sei­ne Freun­des­lis­te. Das ist sein gutes Recht – hat aber wohl auch gute Grün­de. Die Lis­te der „gemein­sa­men Freun­de“ umfasst in die­sem Fall über 150 Per­so­nen, die Lis­te aller FB-Freund­schaf­ten von Jene­wein ist aber größer.

Ob der Face­book-Freund von Hans Jörg Jene­wein wirk­lich Gerd Klein heißt und in Ber­lin wohnt, wis­sen wir nicht. Inter­es­sant ist näm­lich sein Pro­fil­fo­to. Es ist offen­sicht­lich, dass es sich um eine alte Foto­gra­fie oder eine Zeich­nung han­delt. Auch die erkenn­ba­ren Uni­form­tei­le sind älte­ren Datums. Die Per­son auf dem Foto ist mit ziem­li­cher Sicher­heit nicht die Per­son, mit der sich Jene­wein befreun­det hat.

Um es kurz zu machen: bei der abge­bil­de­ten Per­son han­delt es sich um Albert Leo Schla­ge­ter, in der NS-Pro­pa­gan­da der „ers­te Sol­dat des Drit­ten Rei­ches“, eine Nazi-Iko­ne, die nach 1945 nur mehr bei eini­gen rechts­extre­men Bur­schen­schaf­ten und Neo­na­zis Erwäh­nung fand.


Albert Leo ‑Schla­ge­ter

Was Hans Jörg Jene­wein, der auch Bur­schen­schaf­ter der extrem rech­ten Sile­sia ist, zu dem Bild von Schla­ge­ter und sei­ner damit ver­bun­de­nen Face­book-Freund­schaft sagt, kön­nen wir uns leib­haft vor­stel­len. Zur Aus­wahl ste­hen etwa „Das war sicher­lich nicht ich“ oder „das kann ich mir nicht erklä­ren“ oder „das ist komisch“. Viel­leicht auch: „Der ist mir ein­fach durch­ge­rutscht“.

Jene­weins nächs­ter Face­book-Freund Andre­as Burk­hardt stand nicht in der Lis­te der gemein­sa­men Freun­de, die wir ein­se­hen konn­ten. Es ist der wegen Volks­ver­het­zung rechts­kräf­tig ver­ur­teil­te Rats­herr im Pir­ma­sen­ser Stadt­par­la­ment, Andre­as Burk­hardt. Der war bis vor kur­zem noch Funk­tio­när der rechts­extre­men Par­tei „Die Repu­bli­ka­ner”, wur­de aber von der dahin­sie­chen­den Trup­pe mit einem Aus­schluss­ver­fah­ren belegt, das Burk­hardt durch sei­nen Aus­tritt abge­kürzt hat. Seit­her ist Burk­hardt frei flot­tie­ren­der Rechts­extre­mer. 2008 wur­de er erst­in­stanz­lich wegen Volks­ver­het­zung ver­ur­teilt, weil er eine Flücht­lings­fa­mi­lie als „Sipp­schaft und „Zigeu­ner­fa­mi­lie“ mit „para­si­tä­rem Ver­hal­ten“ bezeich­net hat­te. 2013 wur­de das Urteil vom Lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken aufgehoben.

Was sich wohl der Bun­des­rat Hans Jörg Jene­wein dabei gedacht hat, als er sich mit Burk­hardt befreun­det hat, der auf sei­nem Face­book-Titel­fo­to den deut­lich ein­schlä­gi­gen Spruch plat­ziert hat: „Manch­mal muss man das Schiff ver­sen­ken um die Rat­ten loszuwerden !“

➡️ Die brau­nen Face­book-Freund­schaf­ten von Blau­en: Hans Jörg Jene­wein (I)