Gerd Honsik und seine Freunde

Gerd Honsik, Neonazi und Holocaustleugner wurde im September 2011 vorzeitig aus der Haft entlassen – auf Bewährung. Das Oberlandesgericht begründete seine Freilassung mit seiner guten sozialen Integration in Spanien und seinem hohen Alter. Über sonstige Auflagen für die Bewährung (drei Jahre) ist wenig bekannt. Jedenfalls ließ sich Honsik nicht daran hindern, weiter seinen Nazi-Müll zu verbreiten.

Wie das Nachrichtenmagazin „Profil“ in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, steuerte Honsik für die dubiose rechtsextreme Zeitschrift „Der Heimatbote“ aus Kärnten ein antisemitisches Gedicht bei. Seit August 2013 darf Honsik über Internet bzw. „Radio Deutsch-Österreich“ wöchentlich seine Kommentare absondern: „Achtung, Achtung – Hier ist die Stimme von Radio Deutsch-Österreich!“ Seit Februar 2013 ist er auf Facebook vertreten, hauptsächlich mit seinem Reimwerk, in dem er sich gelegentlich auch selbst bejammert:

„Von einem weiß ich, den einst anzuklagen
die Pharisäer baten zu der Zeit,
da seine Worte voll Gefährlichkeit
und seine Meinung kaum noch zu ertragen.“

Für den Unterhalt von Honsik, der seine soziale Integration in Marbella/Malaga vermutlich in den Netzwerken alter Nazis erlebt, sorgen offensichtlich schon seit Jahren andere. Immerhin muss nicht nur der Lebensaufwand von Honsik, sondern auch sein propagandistisches Werk und seine Anwaltskosten in den diversen Prozessen finanziert werden. Als Honsik, der sich 1992 nach einer Verurteilung wegen NS-Wiederbetätigung nach Spanien abgesetzt hatte, im August 2007 aufgrund eines europäischen Haftbefehls in Malaga festgenommen und dann nach Österreich ausgeliefert wurde, setzte sofort eine Spendenkampagne ein.

Mit dem Gruß „Volk und Reich!“ und der Überschrift „Alle für einen!“ warb damals ein Dr. Gunther Kümel um Geldspenden für Honsik. Es handelt sich dabei um jenen Mann, der im Jahr 1965 den alten Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger niedergeschlagen und tödlich verletzt hat. Günther Kümel, der schon zuvor gemeinsam mit Honsik an Neonazi-Aktionen beteiligt war, wurde wegen Notwehrüberschreitung zu skandalösen zehn Monaten Haft verurteilt und verschwand danach aus Österreich. Als Gunther Kümel tauchte er seit 2000 wieder in einschlägigen Foren auf und hielt auch Kontakt zu österreichischen Neonazis, wie z.B. dem Bund freier Jugend.

Honsiks eifrigster Fan ist aber Franz Radl, der zuletzt im Dezember 2012 zu 24 Monaten Haft (davon 16 Monate bedingt) wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt wurde (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig). Einer der Vorwürfe in der Anklageschrift war, dass Radl eine Homepage für Gerd Honsik betrieben hatte, wo dessen Nazi-Schrott veröffentlicht wurde. Radl, der eigentlich auch schon längst wegen der möglichen Beteiligung an der Neonazi-Homepage alpen-donau.info vor Gericht stehen sollte, war von Beginn an (Februar 2013) auf der Facebook-Seite von Gerd Honsik unterwegs und verteilte dort seine „Likes“. Richard Pfingstl, der ehemalige steirische RFJ- und RFS-Mann, der im Grazer Neonazi-Prozess 2012 zu 12 Monaten bedingter Haft verurteilt wurde (auch nicht rechtskräftig), hinterlässt auf Honsiks FB-Seite ebenfalls seine Spuren.

Honsik nur als alten, mittlerweile ziemlich verschrobenen Neonazi abzutun, wäre problematisch – auch wenn seine Wirkung auf das einschlägige Publikum stark nachlässt. Immerhin hatte Honsik ausgerechnet nach seiner vorzeitigen Haftentlassung im September 2011 noch einen Auftritt am Grab des Neonazi „Onkel Uwe“ von der braunen Hooligan- Fangruppe „Unsterblich Wien“ – eine Provokation für die Justiz, die ihm jedenfalls einige Fans bei den „Unsterblich“-Leuten einbrachte.

Was Honsiks Bewährungsauflagen betrifft, ist ohnehin einiges im Unklaren. Im Grazer NS-Prozess 2012, wo er als Zeuge der Verteidigung via Videokonferenz aus Malaga befragt wurde, bat er seinen Freund Radl, keine Fragen zum Holocaust an ihn zu richten, „ich würde sonst gegen meine Bewährungsauflagen verstoßen“. Möglicherweise gab es doch mehr Bewährungsauflagen als die, Österreich zu verlassen.

Spannender ist dennoch die Frage, warum die Freunde Honsiks, Franz Radl und Richard Pfingstl, die im Wiener Prozess zu Alpen-Donau als Administratoren genannt wurden, noch immer nicht vor Gericht stehen.