Innsbruck: Kein Platz für Burschis!

Bis gestern vormittags war es noch unsicher – mittlerweile ist es fix: die Geschäftsführung der Innsbrucker Messe wird von ihren Gesellschaftern beauftragt, den Vertrag mit der Deutschen Burschenschaft (DB) aufzulösen. Die Verbandstagung der DB wird daher nicht an einem öffentlichen Ort abgehalten werden können. Die Burschis schäumen.

Dem Beschluss der Gesellschafter der Innsbrucker Messe, den Deutschen Burschenschaftern die Tür zu weisen, ist eine grundlegende Haltungsänderung der Stadtverantwortlichen vorausgegangen: die Stadtregierung wird seit 2012 von der Liste „Für Innsbruck“, einer ÖVP-Abspaltung, den Grünen und der SPÖ gestellt. Spannend war deshalb, wie sich die ÖVP, die mit den Grünen die Landesregierung und einen Mitgesellschafter der Messe stellt, zur Vertragsauflösung positionieren wird. Der Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer, Jürgen Bodenseer (und ÖVP-Spitzenkandidat für Innsbruck 2012), der dem rechten Flügel der ÖVP angehört (er hatte sich 2012 positiv zur Wiedereinführung der Todesstrafe geäußert), hatte noch vor wenigen Tagen erklärt: „Eine nicht verbotene Organisation in einer Demokratie einfach auszuschließen, nur weil man gerade lustig ist -das geht nicht!“ (Österreich, 24.11.2013). Mittlerweile ist auch Bodenseer mit der Vertragsauflösung einverstanden und begründet sie mit der Haltung der lokalen Burschenschaft Suevia zu ihrem alten Herren und SS-Mann Gerhard Lausegger, einem der Mörder der Reichspogromnacht in Innsbruck.

Die Deutschen Burschenschafter und mit ihnen die FPÖ schäumen. Während ein Tiroler FPÖ-Funktionär über die „Mörder der Versammlungsfreiheit“ klagt, wird man auf der Facebook-Seite der extrem rechten Teutonia Wien (die derzeit den Vorsitz in der DB stellt) schon etwas deutlicher:

„Schüttel(t) die bürgerliche Permissivität ab und kämpft für eure Anliegen, raus auf die Straßen, Front der Patrioten aufbauen!“.

Der Sprecher der DB, Walter Tributsch (Teutonia Wien) kündigte unterdessen zum wiederholten Male an, dass sich die DB nicht aus Innsbruck vertreiben lasse und eine andere Halle als Ersatz anmieten wolle. Der Innsbrucker Messe kündigte er an, sich die allfälligen Mehrkosten für den neuen Veranstaltungsort zurückholen zu wollen.Die Kosten für die Saalmiete bei der Messe Innsbruck wurden mit 3.500 Euro beziffert.

Die Innsbrucker Bürgermeisterin Oppitz-Plörer spricht sich auch für die Teilnahme an der Demonstration gegen die Burschenschafter aus: “Es braucht ein klares Zeichen auch der Gesellschaft. Und dadurch ist auch jeder Euro auch für eine Demonstration gerechtfertigt“ (ZIB 2, 26.11).

Die Demonstration wird am Samstag, 30. November um 13 h in Innsbruck stattfinden. Am 29. November findet ein Kulturprogramm „Vielfalt gemeinsam statt Ausgrenzung einsam“ statt.