Uwe Sailer: Keine Zeit für den Ohrensessel!

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Uwe Sai­ler Kri­mi­nal­be­am­ter, Daten­fo­ren­si­ker und enga­gier­ter Anti­fa­schist, erhielt von SOS – Mit­mensch den Ute-Bock-Preis für Zivil­cou­ra­ge zuge­spro­chen. Am Sonn­tag, 20.1. fand im Rah­men einer Mati­nee im Volks­thea­ter zum 20-jäh­ri­gen Bestehen von SOS-Mit­mensch die Preis­ver­lei­hung statt. Bemer­kens­wert ist nicht nur die Begrün­dung von SOS Mit­mensch für den Preis, son­dern auch die Dan­kes­re­de von Uwe Sai­ler, die wir hier veröffentlichen.


 
Sehr geehr­te Damen und Herren!
 
Dan­ke! Dan­ke für die­sen Preis. Ich freue mich wirk­lich. Ich habe nie erwar­tet, für eine Tätig­keit, die als selbst­ver­ständ­lich anzu­se­hen ist, gewür­digt zu wer­den. Die­se Wür­di­gung gebe ich auch an all die­je­ni­gen wei­ter, die mich im Kampf gegen Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus und Neo­na­zis­mus unterstützen.
 
Ich, der Ohren­ses­sel­lieb­ha­ber, urplötz­lich von den Kel­ler­na­zis aus mei­ner beschau­li­chen Bahn gewor­fen, ent­wi­ckel­te sich für poli­ti­sche Het­zer und Kri­mi­na­li­sie­rer zu einem unbe­re­chen­ba­ren Spar­ring-Part­ner. Ich stieg in den Ring und gab den Het­zern Kon­tra. Vie­le Aben­de ver­sorg­te Susan­na — mei­ne Frau — mei­ne see­li­schen Wun­den und gab mir Rat­schlä­ge. Sie gab mir Kraft und men­ta­le Stär­ke. Dan­ke Susan­na, danke.
 
Wie sie gehört haben, bin ich aus­ge­bil­de­ter Kri­mi­nal­be­am­ter und Daten­fo­ren­si­ker, des­sen Auf­ga­be es ist, Spu­ren zu sichern und Ver­bre­chen zu bekämp­fen. Neo­na­zis­mus ist ein Ver­bre­chen. Und die­ser Rechts­extre­mis­mus hat in Öster­reich — vor allem durch eine soge­nann­te „Law & Order — Par­tei” — in den letz­ten Jah­ren eine Aus­brei­tung und Unter­mi­nie­rung im Bereich rechts­staat­li­cher Säu­len erreicht, was sehr bedenk­lich ist.
 
Hieß es vor dem Jahr 2009 dort und da noch aus poli­ti­schem Mun­de „kei­ne Hand­breit dem Rechts­extre­mis­mus”, so wird er nach dem Jahr 2009 von rechts­kon­ser­va­ti­ven Poli­ti­kern und dem öster­rei­chi­schen Ver­fas­sungs­schutz negiert und klein geredet.
 

Alpen-Donau hetz­te gegen Uwe Sailer
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Der extrem ver­het­zen­de Inter­net­auf­tritt von „Alpen-Donau.info” lie­fer­te den Beweis dafür. Mit ent­spre­chen­der Kom­pe­tenz, Wol­len und Fähig­keit Ver­ant­wort­li­cher wäre die­ser Blog bereits weni­ge Mona­te nach Erschei­nen wie­der von der Bild­flä­che ver­schwun­den gewe­sen. Die Betrei­ber der Sei­te waren von Anfang an dem Ver­fas­sungs­schutz bekannt .
 
Statt­des­sen muss­ten wir uns über einen Zeit­raum von zwei Jah­ren bedro­hen, beschimp­fen und mit brau­ner Kloa­ke anschüt­ten las­sen. In mei­nem Fall hielt es der Ver­fas­sungs­schutz sogar für sehr wahr­schein­lich, ich hät­te die Mord­dro­hun­gen gegen mei­ne Per­son sel­ber ver­fasst und mir sel­ber den Hen­kers­strick geschickt.
 
Mei­ne Hin­wei­se zur Täter­schaft wur­den von Anfang an kon­se­quent ignoriert.
 
Nur über den Umweg einer enga­gier­ten Rechts­an­walts­kanz­lei, des OÖ-Netz­wer­kes gegen Ras­sis­mus und der Hil­fe eines Poli­ti­kers, der mir den gan­zen Zores eigent­lich ein­ge­brockt hat­te, dem ich des­we­gen aber nie bös war, und des enor­men Drucks, den wir mit Unter­stüt­zung gewis­ser Medi­en gegen Sie­ben­schlä­fer auf­bau­ten, die für die Bekämp­fung des Neo­na­zis­mus eigent­lich zustän­dig sein soll­ten, war es mög­lich, die­se unmensch­li­che Ver­het­zung, wenn auch reich­lich spät, end­lich abzu­dre­hen las­sen zu können.
 
Abge­ord­ne­te, die das Par­la­ment als Quatsch­bu­de dif­fa­mie­ren, und jene, die es sei­ner Kon­troll­funk­ti­on berau­ben wol­len, Kor­rup­ti­on für Kava­liers­de­lik­te hal­ten, unter­gra­ben sys­te­ma­tisch den Rechts­staat unse­rer Republik.
 
Ein Gene­ral­se­kre­tär einer demo­kra­tisch gewähl­ten Par­tei, der ein Ent­ge­gen­stel­len gegen der­ar­ti­ge Umtrie­be als „dubi­os und suspekt“ bezeich­net und Men­schen­rechts­bil­dung als „Umer­zie­hung“ defi­niert, befin­det sich nie im Ein­klang mit unse­ren Wer­ten, unse­rer Ver­fas­sung und den rechts­staat­li­chen Prinzipien.
 
Ich wer­de wei­ter­hin die Auf­ga­be wahr­neh­men, die Visi­on einer ver­ant­wort­li­chen Zukunft nicht durch ewig gest­ri­ges Gedan­ken­gut zer­stö­ren zu lassen.
 
Ich danke.