Braune Burschenschaft mit NSU-Kontakt

Die Jenaer Burschenschaft Normannia hatte jahrelang beste Kontakte zum engsten Umfeld der Neonazi-Terror-Gruppe „NSU“ (Nationalsozialistischer Untergrund). Das geht aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch das Thüringer Innenministerium hervor. Damit ist dokumentiert, wie tief Burschenschafter im braunen Sumpf stecken.

Die schlagende Burschenschaft Normannia in Jena bildete sich Ende 1999 als Abspaltung aus der Burschenschaft Jenensia. Elf Burschen waren im Dezember 1999 aus der Jenensia auf Druck von Alten Herren ausgeschlossen worden, nachdem die Jenensia zuvor eine Veranstaltung mit dem Rechtsextremisten Peter Dehoust unter dem Titel „Wiedergutmachung und kein Ende?“ organisiert hatte. Den „Schutz“ der Veranstaltung hatte der „Thüringer Heimatschutz“, also jene neonazistische Organisation, in der das NSU-Terror-Trio aktiv war, übernommen.

Die Normannia war eine Mitgliedsverbindung der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG), eines Zusammenschlusses von rechtsextremen und deutschnationalen Burschenschaften, in dem die österreichischen Burschis den Ton angeben. Die BG hat in den letzten Jahren etliche wichtige Positionen innerhalb der Deutschen Burschenschaft (DB) erobert und spielt auch in den aktuellen Konflikten innerhalb der DB eine entscheidende Rolle. Mittlerweile scheint die Normannia nicht mehr als Mitgliedsbund der BG auf.


„Vertreter der Burschenschaft in Couleur beim „Heldengedenken“ am 13. November 2004 in Halbe“, Bildquelle: de.wikipedia.org, Urheber: y., Lizenz: CC-by-sa 2.0/de

Nachdem die Normannia im Jahr 2006 ihr eigenes, von Alten Herren finanziertes Verbindungshaus aufgeben musste, nutzte sie das „Braune Haus“ in Jena, in dem die wichtigsten Neonazi-Kader Thüringens ein- und ausgingen, als Veranstaltungsort.

Aus der Antwort des Thüringer Innenministeriums (pdf) auf die parlamentarische Anfrage von Katharina König (Die Linke) zur Burschenschaft Normannia geht hervor, dass nicht nur der Verfassungsschutz-Spitzel und Neonazi Tino Brandt engen Kontakt zur Normannia hatte, sondern „aktive Rechtsextremisten in der Burschenschaft“ personell mit der Neonazi-Szene „verzahnt“ waren.

Das Innenministerium hält die Burschenschaft zwar nach wie vor für aktiv, behauptet auch, sie zu beobachten, schreibt aber: „Konkrete Erkenntnisse über öffentlichkeitswirksame Aktivitäten und zur derzeitigen Personenstärke liegen nicht vor“. Die Burschis düften sich demnach schon fest im braunen Sumpf eingebuddelt haben. Am 27. Dezember 2011 schmissen sie jedenfalls nach Angaben der Freien Kameradschaften noch ein „Normannia-Fest“, doch dem Thüringer Innenministerium liegen auch dazu keine Erkenntnisse vor.

Weitere Infos auf publikative.org – Burschenschafter hatten Kontakt zu NSU-Umfeld