Martin Graf, „unzensuriert” und seine Freunde: Burgenland zurück zu Ungarn?

Lesezeit: 3 Minuten

Es sind ja bekannt­lich die wirk­lich wesent­li­chen Din­ge, über die die rechts­extre­mis­ti­sche Inter­net­zei­tung des drit­ten Natio­nal­rats­prä­si­den­ten Mar­tin Graf, unzensuriert.at, berich­tet. Etwa über die Absicht des unga­ri­schen Fidesz-Abge­ord­ne­ten Zol­tán Kős­ze­gi, den Ver­trag von Tria­non (1920) bis zum Jahr 2020 zu „revi­die­ren“, also die damals vor­ge­nom­me­ne Grenz­zie­hung rück­gän­gig zu machen.

Das kommt gut an, bei den Mar­tin Grafs und sei­nes­glei­chen: Die so genann­ten Pari­ser Vor­ort­ver­trä­ge, dar­un­ter die Ver­trä­ge von Tria­non (mit Ungarn), St. Ger­main (Öster­reich) und Ver­sailles (Deutsch­land), mit denen der ers­te Welt­krieg völ­ker­recht­lich been­det wur­de, wer­den im geis­ti­gen Par­al­lel­uni­ver­sum Ewig­gest­ri­ger gern als „Schand­ver­trä­ge“ bezeich­net. Und so ver­wun­dert es nicht, dass der Wunsch eines unga­ri­schen Regie­rungs­ab­ge­ord­ne­ten nach Revi­si­on des Ver­trags von Tria­non bei den Use­rIn­nen von unzensuriert.at wah­re Begeis­te­rungs­ru­fe aus­löst: „Die Ner­vo­si­tät der Begüns­tig­ten des Hei­mat­rau­bes an Ungarn wie Deut­schen spricht Bän­de. So ein­fluß­reich und mäch­tig wie die Juden müß­ten sie sein…“, schreibt User Hel­mut H., nicht ohne den die­ser Denk­welt inhä­ren­ten Anti­se­mi­tis­mus aus­zu­le­ben (offen­sicht­lich kein Pro­blem für die unzensuriert.at-Redak­ti­on, die das Pos­ting auch nach 30 Stun­den noch nicht ent­fernt hat­te). Und auch okmokm1 fin­det die Sache mit der Ver­trags­rev­si­on gut: „In Anbe­tracht der Tat­sa­che, dass Mil­lio­nen von Ungarn unnö­ti­ger­wei­se an die Nach­bar­län­der „ver­teilt” wur­den, und seit­dem ste­tig unter­drückt wer­den, ist die­ser Schritt durch­aus vorstellbar.“


Screen­shots der Pos­tings von Hel­mut H. und okmokm1, Quel­le: unzensuriert.at
-

User „St. Ger­main“ sieht den Zeit­punkt zu han­deln gekom­men: „auch der ver­trag von st.germain war unfair, war­um for­dern wir nicht — zurecht — süd­ti­rol zurück, wei­ters — viel pro­ble­ma­ti­scher, da öster­rei­cher bereits ver­trie­ben: tar­vis, mar­burg, öden­burg, brünn etc.? wenn die eu aus­ein­an­der­bricht, soll­te süd­ti­rol ein the­ma werden.“


Screen­shot des Pos­tings von St. Ger­main, Quel­le: unzensuriert.at
-

Und streift damit unge­wollt des Pudels Kern: Öden­burg, das heu­ti­ge Sopron, gehör­te bis auf weni­ge Jah­re (1459 bis 1462) ver­wal­tungs­tech­nisch nie zu Öster­reich, son­dern immer zur unga­ri­schen Reichs­hälf­te der (spä­te­ren) Dop­pel­mon­ar­chie. Eben­so wie etwa auch die Ort­schaf­ten Kis­mar­ton, Néme­túj­vár oder Felsőőr, heu­te etwas bes­ser bekannt unter den Namen Eisen­stadt, Güs­sing und Oberwart.

Das gesam­te heu­ti­ge Bun­des­land Bur­gen­land war näm­lich bis 1921 ein Teil Ungarns und kam erst als Fol­ge des Ver­trags von Tria­non zur Repu­blik Öster­reich. User „St. Ger­main“ outet sich mit sei­nem Dumpf­ba­cken­pos­ting nicht nur als chau­vi­nis­ti­scher Voll­idi­ot und his­to­risch völ­lig unge­bil­det, son­dern bringt die Sache mit der Revi­si­ons­be­geis­te­rung rechts­extre­mis­ti­scher Grup­pen unge­wollt auf den Punkt: wenn die Ver­trä­ge von Ver­saille, St. Ger­main und Tria­non tat­säch­lich „revi­diert“ wer­den soll­ten, dann muss das Bur­gen­land wie­der unga­risch werden!

Ein erstaun­li­cher Feh­ler, der im FPÖ-Umfeld nicht das ers­te Mal zu ent­de­cken ist. So schmück­te etwa ein Mit­ar­bei­ter des FPÖ-Klubs sei­nen Wagen mit einem Abzieh­bild von Großun­garn, das auch das Bur­gen­land als „unga­risch“ aus­wies. Und ohne grö­ße­re Pro­ble­me unter­hält die FPÖ auch Kon­tak­te zur rechts­extre­mis­ti­schen unga­ri­schen Job­bik, die die Revi­si­on des Ver­trags von Tria­non (und damit die Anglie­de­rung des Bur­gen­lands an Ungarn) im Par­tei­pro­gramm fest­ge­schrie­ben hat.


FPÖ-MIt­ar­bei­ter mit Abzieh­bild von Gros­sun­garn, das auch das Bur­gen­land als „unga­risch“ aus­weist. ↳ Gros­sun­garn, Job­bik und die FPÖ
-

… Also … wie bereits ein­lei­tend erwähnt…: Es sind ja bekannt­lich die wirk­lich wesent­li­chen Din­ge, über die die rechts­extre­mis­ti­sche Inter­net­zei­tung des drit­ten Natio­nal­rats­prä­si­den­ten Mar­tin Graf, „unzen­su­riert”, berichtet…