Grossungarn, Jobbik und die FPÖ

Es war im Jän­ner 2010. HC Stra­che empf­ing eine Del­e­ga­tion der recht­sex­tremen „Jobbik“-Partei aus Ungarn, der außen­poli­tis­che Sprech­er der FPÖ, Johannes Hüb­n­er und der Wiener Gemein­der­at Johann Gude­nus, reis­ten nach Budapest zur Job­bik-Wahlkamp­fauf­tak­tver­anstal­tung. Hüb­n­er durfte dort eine Grußadresse vor­tra­gen, die ihm der par­la­men­tarische Mitar­beit­er Karl Eggl über­set­zt hatte.


Job­biks Pri­vatarmee Quelle: smh.com.au

Worum ging es bei den Kon­tak­ten zwis­chen der FPÖ und Job­bik, ein­er offen ras­sis­tis­chen, anti­semi­tis­chen und mit paramil­itärischen Gar­den aus­ges­tat­teten Partei? Um die „Ver­tiefung der Beziehun­gen“ (FPÖ) , „um eine Allianz“(wie sie Job­bik will) oder schlicht um die Zusam­me­nar­beit auf EU-Ebene, im Europäis­chen Par­la­ment, wo bei­de Parteien in der recht­sex­tremen Schmud­d­elecke stehen?

Job­bik und die Ungarische Garde haben offen anti­semi­tis­che und ras­sis­tis­che Grund­po­si­tio­nen, die nicht nur auf T‑Shirts zum Aus­druck kom­men. Aktivis­ten der Ungarischen Garde marschieren nicht nur immer wieder pro­vokant durch Roma-Sied­lun­gen, son­dern wer­den auch für Mor­dak­tio­nen ver­ant­wortlich gemacht.

Was in Öster­re­ich weniger bekan­nt ist: Job­bik und die Ungarische Garde treten ganz offen für Grossun­garn ein und wollen die Revi­sion der Verträge von Trianon:

„Das Friedens­dik­tat von Tri­anon ist für uns unakzept­abel, wir wollen seine Rev­i­dierung und die Vere­ini­gung der ungarischen Nation in einem Vater­land aktiv vorantreiben.“ (zitiert nach: pusztaranger.wordpress.com).


Grossun­garn nackt

Im Ver­trag von Tri­anon 1920, der tat­säch­lich ein Dik­tat der Alli­ierten war, wur­den grosse Teile des alten Ungar­ns auf die Nach­bar­län­der aufgeteilt. Deutsch-Wes­t­un­garn, das heutige Bur­gen­land, war schon vorher in den Friedensverträ­gen von St. Ger­main Öster­re­ich zuge­sprochen wor­den. Durch eine Volksab­stim­mung im Jahr 1921 wurde schliesslich entsch­ieden, dass Sopron (Öden­burg) bei Ungarn bleibt. Geschichtlich inter­es­sant ist dabei, dass die öster­re­ichis­chen Recht­en und Recht­sex­tremen in gutem Kon­takt zum Hor­thy-Regime in Ungarn standen, ja sog­ar von diesem finanziert wur­den, um die Ren­ner-Regierung zu stürzen.


Grossun­garn (in Far­ben die abge­trete­nen Gebi­ete, gelb: Burgenland)

Die Grenzziehung zwis­chen Öster­re­ich und Ungarn, die spätestens 1924 abgeschlossen wurde, war in den let­zten Jahrzehn­ten abso­lut kein The­ma von bei­den Seit­en. Job­bik brachte das The­ma Grossun­garn ganz mas­siv in die ungarische Innen­poli­tik zurück. Auch Vertreter der ungarischen Regierungspartei Fidesz, seit den Wahlen 2010 mit ein­er absoluten Mehrheit aus­ges­tat­tet, fordern mit­tler­weile eben­falls die Revi­sion der Tri­anon-Verträge und wollen den 4. Juni (Tag der Unterze­ich­nung des Ver­trags) zum „Tag der nationalen Ein­heit“ erklären.

Siehe auch: pesterlloyd.net

In der extrem nation­al­is­tisch und ras­sis­tisch aufge­lade­nen Debat­te in Ungarn spie­len Gebi­et­sansprüche gegenüber Öster­re­ich auch heute keine Rolle. Die neue Fidesz-Regierung hat ein Gesetz zur Dop­pel­staats­bürg­er­schaft beschlossen, das allen im Aus­land leben­den Ungarn, die zumin­d­est einen ungarischen Vor­fahren haben bzw. die ungarische Sprache beherrschen, das Recht auf die ungarische Staats­bürg­er­schaft zus­pricht. Die Slowakische Repub­lik hat darauf sehr heftig reagiert und angekündigt, allen slowakischen Bürg­erIn­nen, die eine Dop­pel­staats­bürg­er­schaft annehmen, die slowakische Staats­bürg­er­schaft zu entziehen (Öster­re­ich hat übri­gens eine ähn­lich rigide rechtliche Posi­tion zur Dop­pel­staats­bürg­er­schaft wie die Slowakei ).

Was hat das alles mit der FPÖ zu tun? Das Parteipro­gramm der FPÖ, in dem ja sehr viel von Volk, Heimat und Öster­re­ich-Patri­o­tismus die Rede ist, sollte ja eigentlich ein Boll­w­erk gegen absurde Gebi­et­sansprüche und Ver­tragsre­vi­sio­nen sein.

Spätestens seit Jän­ner 2010 wis­sen wir zwar von der zarten Verbindung zwis­chen FPÖ und Job­bik, wir wis­sen auch darum dass für einige FPÖler Gabor Vona, der Führer von Job­bik und Ungarisch­er Garde , einen fes­ten Platz in ihrem Herzen bzw. im Face­book-Pro­fil hat, wir kön­nen uns auch weit­ere Übere­in­stim­mungen gut vorstellen, aber warum soll­ten FPÖler Sym­pa­thien für Grossun­garn und ungarische Gebi­et­sansprüche auf das Bur­gen­land haben?

Und doch gibt es diese Sym­pa­thien offen­sichtlich: auf einem Chrysler Voy­ager , der regelmäs­sig hin­ter dem Par­la­ment parkt, ist ein Grossun­garn-Pick­erl ange­bracht. Am Mon­tag entstieg diesem PKW der FPÖ-Mitar­beit­er Karl Eggl, Obmann von SOS Abend­land Wien und Burschen­schafter . Ob der PKW jet­zt ihm gehört, ist eine offene Frage. Jeden­falls prangt nicht nur das Grossun­garn-Pick­erl, son­dern auch eines mit „Pri­ma Nocte“ auf dem Chrysler Voy­ager – und das ist jen­er Mit­te­lal­ter-Vere­in, bei dem Karl Eggl in Kostümierung auch tätig ist.


Grossun­garn mit Stephanskrone


Pri­ma Nocte, ein Mittelalter-Verein