Die rechten Stifter (II): „Südtirol ist überall“

Die Vor­fälle rund um die Stiftung Meschar machen deut­lich: es ist nicht schwierig, alte Men­schen zu überre­den, ihr Hab und Gut in eine Stiftung einzubrin­gen oder auch per Tes­ta­ment für die „rechte“ Sache zu opfern. Gerüchte gibt es viele über Burschen­schaften oder auch Einzelper­so­n­en, die so für einen kräfti­gen Finanzpol­ster für rechte Pro­jek­te sor­gen. Hier einige Fak­ten zur Niermann-Stiftung.

Her­mann Nier­mann, der Stiftungs­grün­der, ist 1985 gestor­ben. Damit hätte eigentlich auch sein Ein­fluss auf die Stiftung und die Verteilung der üppi­gen Auss­chüt­tun­gen von rund 5 Mil­lio­nen DM jährlich sein Ende haben sollen. Aber dank der recht­sex­tremen Kam­er­aden, die Burg­er im Kura­to­ri­um in Stel­lung gebracht hat­te, „kon­nte sich die recht­sradikale Clique noch unge­niert­er aus der Hin­ter­lassen­schaft des ver­sponnenen Mil­lionärs bedi­enen. Sie ver­schob Stiftungs­gelder aus Zins­gewin­nen an Kam­er­aden in Ital­ien und Bel­gien, in Frankre­ich und Spanien, finanzierte ille­gal befre­un­dete Parteien“ (Der Spiegel Nr. 45/ 1994).


Spiegel-Artikel zur Nier­mann-Stiftung (pdf)
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Sehr spät wurde die Stiftungsauf­sicht, das Innen­min­is­teri­um von Nor­drhein-West­falen, auf das Treiben der recht­sex­tremen Kam­er­aden aufmerk­sam. Die recht­en Kam­er­aden hat­ten Bilanzen gefälscht, um die Ali­men­tierung von recht­sex­tremen Pro­jek­ten zu tarnen.

So wurde beispiel­sweise in Bel­gien verdeckt die „Partei der deutschsprachi­gen Bel­gi­er“, eine stramm-rechte Truppe, gefördert und ein „Radio Her­mann“ (benan­nt nach dem Stiftungs­grün­der) aufge­baut, ja sog­ar ein TV-Pro­jekt für „Deutsch-Bel­gien“ mit­tels ein­er „Media Finanz AG“ mit 120.000 DM aus der Stiftungskasse finanziert – und in den Sand geset­zt. In Bel­gien genießt die kleine deutschsprachige Min­der­heit seit Jahrzehn­ten eine ger­adezu vor­bildliche Autonomie. Mit den Geldern aus der Stiftung, die zwis­chen 1978 und 1986 jährlich zwis­chen 130.000 und 300.000 DM pen­del­ten, wurde eine nach bel­gis­chem Recht ille­gale Parteien­fi­nanzierung zugun­sten ein­er recht­en Partei betrieben, was im Jahr 1994 sog­ar zur Ein­set­zung eines Unter­suchungsauschuss­es zur Unter­suchung der Aktiv­itäten der Nier­mann-Stiftung im Region­al­par­la­ment geführt hatte.

Auch in Elsass- Lothrin­gen wur­den recht­sex­treme Grup­pen wie die deutsch-völkische Partei Elsäs­sisch-Lothringis­ch­er Volks­bund gefördert. Der „Spiegel“ ver­mutete damals auch, dass Mit­tel der Stiftung in die Vertei­di­gung der neon­azis­tis­chen Ter­ror­gruppe Schwarze Wölfe geflossen sind: „Die ter­ror­is­tis­chen elsäs­sis­chen Sep­a­ratis­ten hat­ten in den siebziger und Anfang der achtziger Jahre Anschläge auf das ehe­ma­lige Nazi-Konzen­tra­tionslager Struthof verübt“ (Der Spiegel Nr. 45/1994).

Im Zen­trum der Aktiv­itäten der recht­sex­tremen „Burger“-Clique in der Nier­mann-Stiftung war allerd­ings ein­deutig Südtirol. Einem „Peter Inner­hofer” etwa über­wies die Stiftung 6.000 DM für seine „wis­senschaftliche Arbeit“ , obwohl keine Per­son mit diesem Namen existierte. Nor­bert Burg­er, dazu befragt, erk­lärte, hin­ter dem „Pseu­do­nym“ ver­berge sich ein Südtirol­er Min­is­te­ri­al­beamter, der „wichtiges Geheim­ma­te­r­i­al“ besorgt habe.

Die Bozen­er Staat­san­waltschaft, die die Finanzflüsse der Nier­mann-Stiftung damals unter­suchte, stellte fest, dass von rund ein­er Mil­lion DM, die an „bedürftige Berg­bauern“ aus­geschüt­tet wurde, nur rund die Hälfte bei den Berg­bauern angekom­men war und ver­mutete, dass der Rest in ter­ror­is­tis­che Aktiv­itäten, 44 Bombe­nan­schläge auf Eisen­bahn­lin­ien, Wasser­leitun­gen und Gebäude, die zwis­chen 1986 und 1988 verübt wur­den, geflossen sein kön­nten. Der dama­lige Bozen­er Staat­san­walt Cuno Tar­fuss­er: “Die Spur führt nach Deutsch­land“ (Der Spiegel Nr. 45/1994).

Das stimmte nur teil­weise, denn Nor­bert Burg­er und seine Kam­er­aden im Kura­to­ri­um der Stiftung waren Österreicher!

➡️ Die recht­en Stifter (I): Ein Mul­ti­mil­lionär und seine Stiftung
➡️ Die recht­en Stifter (III): Die Ermit­tlun­gen ver­lieren sich
➡️ Die recht­en Stifter (IV): Dor­nenkro­ne und Fensterkitt
➡️ Die recht­en Stifter (V): Stille Hil­fe für Veruntreuung
➡️ Die recht­en Stifter (VI): Noch eine rechte Stiftung