Die rechten Stifter (I): Ein Multimillionär und seine Stiftung

Die Vorfälle rund um die Stiftung Meschar machen deutlich: es ist nicht schwierig, alte Menschen zu überreden, ihr Hab und Gut in eine Stiftung einzubringen oder auch per Testament für die „rechte“ Sache zu opfern. Gerüchte gibt es viele über Burschenschaften oder auch Einzelpersonen, die so für einen kräftigen Finanzpolster für rechte Projekte sorgen. Hier einige Fakten, zunächst zur Niermann-Stiftung.

Hermann Niermann, Multimillionär aus Düsseldorf, war alt und kinderlos, als er 1977 den Entschluss fasste, sein Vermögen in eine Stiftung einzubringen, die sich ganz der deutsch(national)en Sache verschrieb.

Sein Vermögen war nicht gering: Grundstücke in der Innenstadt von Düsseldorf, ein rheinischer Gutshof, ein Klinkerwerk, eine Ziegelei, Sparguthaben und Aktienpakete. Mit rund 100 Millionen DM stattete er 1977 die gemeinnützige Hermann Niermann –Stiftung aus, die als Zweck die Verbesserung der „Lage der ethnischen Minderheiten“, „Völkerverständigung und Menschlichkeit“ hatte.

Im Burschenschafter-Organ Die Aula konnte man die deutschnationale Übersetzung lesen. Der Stiftung gehe es darum, „bedrohtes Volkstum zu schützen und den ethnischen Minderheiten dabei zu helfen, ihre biologische und kulturelle Existenz zu bewahren“, schließlich sei „das deutsche Volkstum im Westen, Süden und Osten gefährlichen Bedrohungen ausgesetzt“ (zitiert nach Die Zeit).


Anfrage aus dem Jahr 2011 der (ehemaligen) FPÖ-Abgeordneten Werner Neubauer, Werner Königshofer und Carmen Gartelgruber zu den Sudtirolo-Terroristen Peter Kienesberger und Erhard Hartung, in der Anfrage als „Freiheitskämpfer“ bezeichnet. Dazu siehe ↳ Lotta – Braunzone | Die „Südtiroler Freiheitskämpfer“ gestern und heute

Der Text in der „Aula“ war gezeichnet vom damaligen Vorsitzenden des Stiftungskuratoriums, dem emeritierten Würzburger Rechtsprofessor August Freiherr von der Heydte, der ein strammer Rechter war. Laut „Spiegel“ (Nr. 45/1994) protegierte er rechte Splittergruppen wie die „Patrioten für Deutschland“. Sein „Institut für Staatslehre und Politik e.V.“ hatte aber noch andere Aufgaben: es war „eine der größten Geldwachanlagen, die bei der Parteispenden-Affäre enttarnt wurden“ (Spiegel Nr. 45/1994): zwischen 1969 und 1980 wurden 80,5 Millionen DM an CDU und CSU über das Institut transferiert.

Wichtigster Mann für die Stiftung war allerdings einer, der gar kein formelles Amt bekleidete: Norbert Burger, Vorsitzender der NDP in Österreich, „Olympia“-Burschenschafter und in Italien verurteilter Südtirol-Terrorist. Norbert Burger war der Freund und Ohrenbläser von Hermann Niermann. Er sorgte dafür, dass das Stiftungskuratorium nach und nach mit den richtigen Gesinnungsfreunden aufgefüllt wurde. Neben Gernot Mörig, einem Ex-Vorsitzenden des rechtsextremen Bundes Heimattreuer Jugend (BHJ) waren es vor allem Burschenschafter aus Österreich, die für die „rechten“ Projekte sorgten: Erhard Hartung, Peter Kienesberger und Rudolf Watschinger waren nicht nur so wie ein weiteres Kuratoriumsmitglied, Herwig Nachtmann, Burschenschafter bzw. Alte Herren der rechtsextremen Burschenschaft Brixia in Innsbruck, sondern in Südtirol in terroristische Aktivitäten verwickelt.


Fahndungplakat aus den 60er, gesucht wurde Peter Kienesberger

Kienesberger, Hartung und Burger wurden deshalb in Italien (in Abwesenheit) zu lebenslänglichen Freiheitsstrafen verurteilt. Nachtmann, der langjährige Chefredakteur und Verleger der „Aula“ brachte es in den 90er Jahren „nur“ zu einer Verurteilung wegen NS-Wiederbetätigung.

In der Niermann-Stiftung förderten sie rechte Projekte quer durch Europa.

  • Teil II:“Südtirol ist überall“