Die rechten Stifter (I): Ein Multimillionär und seine Stiftung

Die Vor­fälle rund um die Stiftung Meschar machen deut­lich: Es ist nicht schwierig, alte Men­schen zu überre­den, ihr Hab und Gut in eine Stiftung einzubrin­gen oder auch per Tes­ta­ment für die „rechte“ Sache zu opfern. Gerüchte gibt es viele über Burschen­schaften oder auch Einzelper­so­n­en, die so für einen kräfti­gen Finanzpol­ster für rechte Pro­jek­te sor­gen. Hier einige Fak­ten, zunächst zur Niermann-Stiftung.

Her­mann Nier­mann, Mul­ti­mil­lionär aus Düs­sel­dorf, war alt und kinder­los, als er 1977 den Entschluss fasste, sein Ver­mö­gen in eine Stiftung einzubrin­gen, die sich ganz der deutsch(national)en Sache ver­schrieb. Sein Ver­mö­gen war nicht ger­ing: Grund­stücke in der Innen­stadt von Düs­sel­dorf, ein rheinis­ch­er Gut­shof, ein Klink­er­w­erk, eine Ziegelei, Sparguthaben und Aktien­pakete. Mit rund 100 Mil­lio­nen DM stat­tete er 1977 die gemein­nützige Her­mann Nier­mann-Stiftung aus, die als Zweck die Verbesserung der „Lage der eth­nis­chen Min­der­heit­en“, „Völk­erver­ständi­gung und Men­schlichkeit“ hatte.

Im Burschen­schafter-Organ Die Aula war die deutschna­tionale Über­set­zung zu lesen. Der Stiftung gehe es darum, „bedro­ht­es Volk­s­tum zu schützen und den eth­nis­chen Min­der­heit­en dabei zu helfen, ihre biol­o­gis­che und kul­turelle Exis­tenz zu bewahren“, schließlich sei „das deutsche Volk­s­tum im West­en, Süden und Osten gefährlichen Bedro­hun­gen aus­ge­set­zt” (zitiert nach Die Zeit).

Der Text in der „Aula“ war geze­ich­net vom dama­li­gen Vor­sitzen­den des Stiftungsku­ra­to­ri­ums, dem emer­i­tierten Würzburg­er Recht­spro­fes­sor August Frei­herr von der Hey­dte, der ein stram­mer Rechter war. Laut „Spiegel“ (Nr. 45/1994) pro­te­gierte er rechte Split­ter­grup­pen wie die „Patri­oten für Deutsch­land“. Sein „Insti­tut für Staat­slehre und Poli­tik e.V.“ hat­te aber noch andere Auf­gaben: Es war „eine der größten Geldwachan­la­gen, die bei der Parteis­penden-Affäre ent­tarnt wur­den“ (Spiegel Nr. 45/1994): Zwis­chen 1969 und 1980 wur­den 80,5 Mil­lio­nen DM an CDU und CSU über das Insti­tut transferiert.

Wichtig­ster Mann für die Stiftung war allerd­ings ein­er, der gar kein formelles Amt bek­lei­dete: Nor­bert Burg­er, Vor­sitzen­der der NDP in Öster­re­ich, „Olympia“-Burschenschafter und in Ital­ien verurteil­ter Südtirol-Ter­ror­ist. Nor­bert Burg­er war der Fre­und und Ohren­bläs­er von Her­mann Nier­mann. Er sorgte dafür, dass das Stiftungsku­ra­to­ri­um nach und nach mit den richti­gen Gesin­nungs­fre­un­den aufge­füllt wurde. Neben Ger­not Mörig, einem Ex-Vor­sitzen­den des recht­sex­tremen Bun­des Heimat­treuer Jugend (BHJ) waren es vor allem Burschen­schafter aus Öster­re­ich, die für die „recht­en“ Pro­jek­te sorgten: Erhard Har­tung, Peter Kienes­berg­er und Rudolf Watschinger waren nicht nur so wie ein weit­eres Kura­to­ri­umsmit­glied, Her­wig Nacht­mann, Burschen­schafter bzw. Alte Her­ren der recht­sex­tremen Burschen­schaft Brix­ia in Inns­bruck, son­dern in Südtirol in ter­ror­is­tis­che Aktiv­itäten verwickelt.

Kienes­berg­er, Har­tung und Burg­er wur­den deshalb in Ital­ien (in Abwe­sen­heit) zu lebenslänglichen Frei­heitsstrafen verurteilt. Nacht­mann, der langjährige Chefredak­teur und Ver­leger der „Aula“, brachte es in den 1990er-Jahren „nur“ zu ein­er Verurteilung wegen NS-Wieder­betä­ti­gung. In der Nier­mann-Stiftung förderten sie rechte Pro­jek­te quer durch Europa.

➡️ Die recht­en Stifter (II): „Südtirol ist überall“
➡️ Die recht­en Stifter (III): Die Ermit­tlun­gen ver­lieren sich
➡️ Die recht­en Stifter (IV): Dor­nenkro­ne und Fensterkitt
➡️ Die recht­en Stifter (V): Stille Hil­fe für Veruntreuung
➡️ Die recht­en Stifter (VI): Noch eine rechte Stiftung