Ein Neonazi und der schwarzbraune SeptemberLesezeit: 2 Minuten

Um Harald E. ist es mitt­ler­wei­le ruhig gewor­den – betreut er wirk­lich nur mehr Pfer­de? In den 70er-Jah­­ren war er jeden­falls Sicher­heits­be­auf­trag­ter von Nor­bert Bur­gers NDP, Lei­ter eines para­mi­li­tä­ri­schen Ein­satz­kom­man­dos und angeb­lich unwis­sen­der Unter­stüt­zer der Ter­ror­grup­pe „Schwar­zer Sep­tem­ber“, die in Wien Anschlä­ge auf jüdi­sche Migran­tIn­nen plan­te, wie das Nach­rich­ten­ma­ga­zin „pro­fil“ in sei­ner neu­en Aus­ga­be unter […]

9. Jan 2012

Harald E., der schon in die Süd­ti­rol-Aktio­nen der Neo­na­zis um Bur­ger ver­wi­ckelt war und dafür ver­ur­teilt wur­de, hat­te in den spä­ten 60er-Jah­ren ein neo­na­zis­ti­sches „Volks­pfad­fin­der­korps“ auf­ge­baut, das auch als „Ein­satz­grup­pe“ oder „Ein­satz­kom­man­do“ bezeich­net wur­de: „In einer eige­nen ‚Uni­form‘ – bestehend aus schwar­zer Hose, kha­ki­far­be­nem Hemd, Kra­wat­te und Barett – traf man sich jeden Frei­tag im ÖVP-Lokal auf der Land­stra­ßer Haupt­stra­ße zu Exer­zier- und Waf­fen­übun­gen“ (pro­fil 2/2012). Weil bei einem Pfingst­la­ger der Grup­pe 1968 die Haken­kreuz­fah­ne gehisst wur­de, gab’s die nächs­te Verurteilung.

Dann folg­te die von „pro­fil“ genau­er beschrie­be­ne Hil­fe­leis­tung für die Ter­ro­ris­ten­grup­pe vom „Schwar­zen Sep­tem­ber“ im Jahr 1973. Harald E. stell­te sei­ne Unter­kunft zur Ver­fü­gung, ver­pfleg­te das Ter­ror-Trio und chauf­fier­te sie auf der Flucht nach Arnold­stein an die ita­lie­ni­sche Gren­ze. Vom Vor­wurf, die Ter­ror­grup­pe „Schwar­zer Sep­tem­ber” unter­stützt zu haben, wur­de E. 1974 den­noch im Zwei­fel frei­ge­spro­chen: „[E]r habe nicht gewusst, dass die Ara­ber Ter­ro­ris­ten waren.“ (pro­fil 2/2012) E. zum Gericht: Hät­te ich es gewusst, so hät­te ich ihnen mei­ne Woh­nung eben­falls zur Ver­fü­gung gestellt.“ (pro­fil)

Ein­schlä­gig aktiv blieb E. auch danach: zunächst als Chef der Kame­rad­schaft Baben­berg, deren Füh­rung er 1979 „aus gesund­heit­li­chen Grün­den“ zurück­leg­te. 1980 wur­de die Kame­rad­schaft Baben­berg, bei der auch Gott­fried Küs­sel aktiv war, ver­bo­ten – da war E. bereits in die nächs­te Affä­re ver­wi­ckelt. Er wur­de ver­däch­tigt, den Kauf von Unter­stüt­zungs­er­klä­run­gen für NDP-Chef Bur­ger orga­ni­siert zu haben, dafür ange­klagt, aber wie­der­um freigesprochen.

In den fol­gen­den Jah­ren war Harald E. bei so gut wie allen rechts­extre­men bzw. neo­na­zis­ti­schen Neu­grün­dun­gen dabei: bei der „Volks­be­we­gung“, der Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­ti­on der „Baben­ber­ger“, aus der spä­ter die „Ausländer-Halt“-Bewegung her­vor­ging. Dann ver­schwand Harald E. weit­ge­hend von der Bild­flä­che. Dem Namen „Baben­berg“ ist er aller­dings treu geblieben.

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