Braune Melange zu Breivik

Helmut Müller, der langjährige „Schriftleiter“ des Eckartboten, der von der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM) herausgegeben wird, Autor von Zur Zeit, bestens vernetzt mit AfP und NPD, hat den 11. September dazu genutzt, um seine ganz spezifischen Verschwörungstheorien in einer braunen Melange aufzutischen.

Auf Sache des Volkes und seinem eigenen Blog präsentiert er auf den Jahrestag genau die Ergebnisse seiner trüben Weltsicht unter dem gewichtigen Titel „In Zeiten der Lügen“. Mit dem 11. September ist er schnell fertig: „Der offizielle 9/11-Schmarrn ist so etwas von lächerlich und als solcher publizistisch offengelegt, daß es sich erübrigt an dieser Stelle noch näher darauf einzugehen„.

So einfach ist das manchmal. Der nächste Geistesblitz gilt dem Bürgerkrieg in Libyen, in dem es, vom Sicherheitsrat der UNO mandatiert, seit Monaten Lufteinsätze von NATO-Mitgliedsstaaten gibt. Für Müller ebenfalls glasklar: weil Gaddhafi Libyens Guthaben von französischen Banken nach China transferieren wollte, hat Frankreich den Aufstand in Libyen initiiert. Warum sich allerdings China (neben Russland) im Sicherheitsrat nicht quergelegt hat gegen den Lufteinsatz, steht bei den seltsamen Analysen des Ex- Schriftleiters nicht in Betracht. Er hat anderes im Sinn!


Buch: „Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September“

Den krönenden Abschluss seiner Verschwörungsbetrachtungen bildet nämlich der Terroranschlag von Anders Behring Breivik, den er gleich einmal vorsorglich als „von Neokonservatismus und Zionismus begeisterten“ Attentäter in einer bei ihm sehr beliebten Ecke abstellt. Die wirre Ideologie von Breivik, seine erwiesenen Kontakte zu Neonazis und Rechtsextremen in aller Welt – das alles tut nichts zur Sache für Müller. Für ihn und die zahlreichen anderen rechtsextremen Verschwörungsheinis zählt nur, dass und wie oft die Wörter „Jude“ und „Zionismus“ in Breiviks Text vorkommen.

Jetzt wird gekonnt die Einzeltäterschaft in Zweifel gezogen: „als hätte er allein alles ausgedacht und gehandelt“. Natürlich waren da Geheimdienste im Spiel, raunt er: „Seit 9/11 wird einem ja eingeredet: Geheimdienste seien nur zum Krenreiben da. Jeder dieser Attentäter sei selber sein eigener Geheimdienst“.

Wir kommen der Sache schon näher. Die Norweger, weiß Müller, wollten sich nicht nur gerade aus dem Libyen-Einsatz zurückziehen, sondern haben den Deutschen den Test von für Israel gebauten U-Booten in norwegischen Gewässern untersagt und sich für einen eigen palästinensischen Staat ausgesprochen! Noch immer nicht alles klar?

Müller: “Nicht nur für Israel, auch für dessen Bewunderer Breivik ein Affront“.

Jetzt aber dürfte der Groschen gefallen sein, oder? Natürlich spricht Müller nicht klar aus, was er sich da an antisemitischer bzw. antizionistischer Verschwörung vom 11. September bis Breivik zusammengereimt hat. Er hat sein Handwerk eben gelernt!


„Weltkarte der Verschwörungstheorien“, Bildquelle: Beitrag auf esowatch.com

Ein Blick auf die „Verweise“ in seinem Blog genügt: da findet sich die schon erwähnte „nationalrevolutionäre“ Neonazi-Plattform Sache des Volkes und das rechtsextreme Thule-Seminar. Müller macht wieder dort weiter, wo er vor den eher konventionellen Jahren beim Eckartboten und der ÖLM begonnen hatte: bei der Nationalrevolutionären Aufbauorganisation.

Jetzt heißt das Ding eben für Müller Sache des Volkes oder SOS Heimat, aufgeschäumt durch „heidnische“ oder „identitäre“ Zugaben. Siegfriedskopf und Der Funke liefern ähnliche Brühe. Namen tun da wenig zur Sache „in Zeiten der Lügen“, denn im Prinzip stecken immer die gleichen Personen dahinter. Nur die braunen Fassaden oder Verpackungen werden manchmal neu gestrichen oder verziert!