Ungarn: Regierung und extreme Rechte hetzen gegen Paul Lendvai

Paul Lend­vai , der langjährige ORF-Kom­men­ta­tor, hat ein Buch („Mein ver­spieltes Land“) ver­fasst, das sich kri­tisch mit der poli­tis­chen Entwick­lung Ungar­ns, auch der fak­tisch total­en Machtüber­nahme durch die Regierungspartei Fidesz, beschäftigt. Sei­ther ist die Hölle los. 

Lend­vai ist die Zielscheibe regierungsna­her ungarisch­er Medi­en und der extremen Recht­en, wird als Spitzel des Kadar-Regimes denun­ziert und bedro­ht. Sein Auftritt in Frankfurt/Main musste nach ein­er mas­siv­en anti­semi­tisch einge­färbten Het­zkam­pagne abge­sagt wer­den. Bei der Buch­präsen­ta­tion in Zürich war es zu Demon­stra­tio­nen gekom­men und die öster­re­ichis­che Botschaft in Berlin hat­te schon im Okto­ber eine Ver­anstal­tung mit Lend­vai aus Angst vor ein­er Ver­schlechterung der Beziehun­gen wieder abgesagt.

„pro­fil“ berichtet in der neuen Aus­gabe über die Ruf­mord-Kam­pagne gegen Lend­vai, Pusz­taranger liefert – wie immer — umfan­gre­ich­es Hin­ter­grund­ma­te­r­i­al, aus dem her­vorge­ht, wie regierungsna­he Medi­en Vor­würfe und Het­ze gegen Lend­vai begleit­en. Auch die Recht­sex­tremen um Job­bik haben sich auf Lend­vai eingeschossen, ver­mut­lich, weil sie in ihm genau­so wie bei den ungarischen Schrift­stellern Imre Kertesz, Peter Nadas und Peter Ester­hazy ihre anti­semi­tis­chen Reflexe ausleben können.

Fas­sungs­los macht die Hal­tung der öster­re­ichis­chen Poli­tik. Damit ist nicht nur die Absage der Buch­präsen­ta­tion in Berlin durch den öster­re­ichis­chen Botschafter gemeint, was schon jäm­mer­lich genug ist. Bish­er war noch kein lautes Wort aus dem öster­re­ichis­chen Aussen­min­is­teri­um zu vernehmen, wom­it man etwa Sorge wegen der anti­semi­tis­chen Het­ze regierungsna­her ungarisch­er Medi­en zum Aus­druck bringt. Die ungarische Regierungspartei Fidesz mit Vik­tor Orbán ist allerd­ings ein treuer Part­ner der ÖVP und Vollmit­glied im Ver­band europäis­ch­er christ­demokratis­ch­er Parteien.

Die kon­ser­v­a­tive ÖVP schweigt vornehm, die extreme Rechte in Öster­re­ich arbeit­et ganz gut mit der extremen Recht­en in Ungarn zusam­men. Damit sind nicht nur die qua­si offiziellen, wenn auch ver­schämten guten Beziehun­gen zwis­chen FPÖ und Job­bik gemeint, man trifft sich auch auf ander­er Ebene. Der Ver­band Volks­deutsch­er Lands­man­nschaften, der im „Haus der Heimat” in Wien mit Mit­teln der schwarzblauen Regierung seinen Unter­schlupf gefun­den hat, pflegt eine gute Koop­er­a­tion mit dem „Welt­bund der Ungarn“, der Lend­vais Ver­anstal­tung in Zürich gestört hat.

Seit 2004 gibt es ein gegen­seit­iges Unter­stützungsabkom­men zwis­chen Sude­tendeutschen Lands­man­nschaften und dem Welt­bund der Ungarn. Jen­em Welt­bund der Ungarn übri­gens, der 2004 den in Öster­re­ich leben­den Recht­sex­trem­is­ten und Anti­semiten David Duke zu ein­er Vor­tragsrei­he nach Ungarn ein­ge­laden hat


Fak­sim­i­le der Festschrift 2004 der VLÖ, von der Home­page vloe.at. Text zum Bild: „Der Präsi­dent vom Welt­bund der Ungarn Mik­los Patrubany (2. v. l.) präsen­tiert mit SLÖ-Bun­des­ob­mann Ger­hard Zeih­sel (4. v. l.) und VLÖ-Press­esprech­er Markus Ger­hard Freilinger (5. v.l.) die am 2. Feb­ru­ar 2004 unterze­ich­nete gegen­seit­ige Unterstützungserklärung.”

Siehe auch: contextxxi.at — Ver­söh­nung auf Sudetendeutsch