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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Ungarische Neofaschisten bei Olympen und Blauen?

Der Frühling ist da, und bei den Burschenschaftern schlagen die ungarischen Triebe aus. Die Burschenschaft Olympia hält am 21. April einen Vortragsabend zum Thema „Revolution in Ungarn – Vorbild für Österreich?“ im Hotel Hillinger in der Wiener Donaustadt ab. Die Olympen wollen vorbereitet sein für den Tag X und Antworten auf die Frage, „Wie macht man eine patriotische Revolution in Europa?“, finden. Wer wäre da besser geeignet als zwei junge ungarische Neofaschisten?

6. Apr. 2016

Im Einladungstext wird einer der Redner, Szalbocs Szalay, als „Leiter des außenpolitischen Kabinetts der Jobbik-Jugend“ vorgestellt. Das ist etwas dick aufgetragen. Schließlich zeichnet sich die rechtsextreme Jobbik-Jugend weniger durch intensive Kabinettssitzungen als durch stramme Aufmärsche – auch im Ausland – aus. Außerdem ist der Name falsch geschrieben: Szabolcs Szalay heißt der Kamerad aus Ungarn.

Egal ob man Jobbik jetzt „nur“ als eindeutig rechtsextrem, antisemitisch und antiziganistisch bezeichnen will oder als eine Partei mit neofaschistischen Zügen oder als neonazistische Partei, wie ein ungarisches Gericht 2014 feststellte, ist sicher: Mit Jobbik macht man nichts Gemeinsames, wenn man nur irgendwie Abstand zum braunen Abgrund halten möchte.


Burgenland: Bewaffneter Jobbik Aufmarsch

Begleitet wird die Jobbik-Jugend meist von Aktivisten der „Jugendbewegung der 64 Burgkomitate“ HVIM. Ein bezeichnenderweise nicht namentlich genanntes Mitglied von HVIM wird am 21. April ebenfalls zu den österreichischen Burschen sprechen. Die HVIM muss aufgrund ihrer offenen Militanz als faschistische Organisation eingestuft werden. 2011 waren ihre Aktivisten an einem gewalttätigen Angriff auf die „Budapest Pride“-Parade beteiligt, im August des gleichen Jahres randalierten sie beim großen „Sziget“-Musikfestival.

Im Sommer 2015 waren es die Aktivisten der 64 Burgkomitate, die am Budapester Ostbahnhof gezielt Flüchtlinge attackierten und im Dezember 2015 wurde ein Aktivist der rumänischen Abteilung der 64 Burgkomitate festgenommen, weil er einen Sprengstoffanschlag auf offener Straße geplant hatte.

Wer zählt auf österreichischer Seite zu den Interessenten für die „patriotische Revolution“? Die Aktivitas der Burschenschaft Olympia lädt ein, aber das Interesse beschränkt sich nicht auf die Olympen. Mit Alexander Markovics, der nicht nur Olympe, sondern auch Kapo bei den offen rechtsextremen Identitären ist, ist schon die nächste Fangruppe vertreten. Markus Ripfl (Orth), Werner Wassicek (RFJ Obmann Burgenland) und Edwin Hintsteiner (Identitäre Salzburg) finden sich beim Jung-Jobbik-Mann in der Freundschaftsliste. Den Gemeinderäten und RFJ-Funktionären Manuel Kahr (St. Ruprecht/Raab) und Manuel Noe (Perchtoldsdorf) gefällt der Vortragsabend mit Neofaschisten ebenso wie einem, der sich hinter dem Namen eines verstorbenen österreichischen Neonazi versteckt.

Auch Karl Eggl darf nicht unerwähnt bleiben: Der Burschenschafter (Silesia) und ehemalige Mitarbeiter des FPÖ-Abgeordneten Neubauer, der im „Freundeskreis Jobbik“ in Österreich aktiv ist, kann hoffentlich bei dem Anlass auch klären, wie im Rahmen der „patriotischen Revolution“ die Forderung und Gebietsabtretung des Burgenlandes nach Groß-Ungarn, die von den 64 Burgkomitaten und der Jobbik-Jugend vertreten wird, friedlich gelöst werden könnte.


FPÖ-MItarbeiter mit Abziehbild von Großungarn, das auch das Burgenland als „ungarisch“ ausweist. ↳ Großungarn, Jobbik und die FPÖ

Außerdem wäre noch die spannende Frage offen, ob die österreichischen Rechtsextremen von ihren ungarischen Kameraden auch die Liebe zu Erdogan übernehmen müssen, damit alles klappt bei der „patriotischen Revolution“. Der Parteichef von Jobbik, der für Ungarn den König der Hunnen, Attila, als Stammvater anpreist und damit die Ungarn zu einem Turkvolk uminterpretiert, ist nicht nur ein Putin-, sondern auch ein Erdogan-Freund. Wie das geht, werden die Ungarn den staunenden Burschenschaftern, RFJ-Funktionären, sonstigen Blauen, Identitären und vielleicht auch Neonazis sicher am 21. April erklären. Am Tag davor haben sie möglicherweise anderes zu tun.

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Schlagwörter: Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | FPÖ | Identitäre | Neonazismus/Neofaschismus | Veranstaltung | Wien

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