Jobbik- Ableger mit blauen Wurzeln

Nun ist es qua­si offiziell : vor weni­gen Tagen wurde in Wien ein „Fre­un­deskreis‘ von Job­bik gegrün­det. Job­bik, das ist jene ungarische Partei, die als recht­sex­trem oder neo­faschis­tisch, jeden­falls als schw­er anti­semi­tisch und antizigan­is­tisch einzuschätzen ist. Mit Öster­re­ich hat Job­bik auch ein Prob­lem: die Partei ist für die Aufhe­bung der Verträge von Tri­anon, also für die Wieder­her­stel­lung von Groß-Ungarn aus der Zeit vor 1919.


Job­biks Pri­vatarmee bald auch in Öster­re­ich? (smh.com.au)

Noch vor weni­gen Jahren hat­te die FPÖ ganz gute, ja sog­ar aus­geze­ich­nete Beziehun­gen zu Job­bik. 2010 etwa reis­ten der außen­poli­tis­che Sprech­er der FPÖ, Johannes Hüb­n­er, und Johann Gude­nus, der mit­tler­weile zum Wiener Vize­bürg­er­meis­ter aufgestiegene Klubob­mann der FPÖ im Wiener Gemein­der­at, zum Job­bik-Kongress nach Budapest- als Ehrengäste. Hüb­n­er durfte sog­ar eine Grußadresse vor­tra­gen, die ihm Karl Eggl, damals par­la­men­tarisch­er Mitar­beit­er von Wern­er Neubauer (NR-Abge­ord­neter der FPÖ) über­set­zt hatte.

Die gegen­seit­ige Begeis­terung kühlte in der Folge etwas ab. Schließlich waren da die Forderun­gen von Job­bik nach Aufhe­bung der Verträge von Tri­anon und das würde für das Bur­gen­land nichts Gutes bedeuten. Ein­mal abge­se­hen davon, dass die Forderung nach ein­er Aufhe­bung der Verträge von Tri­anon absurd ist und nur der nation­al­is­tis­chen Empörung und Het­ze dient – eine FPÖ hätte wohl ein Prob­lem, das ihren Fans (vor allem denen im Bur­gen­land) zu erk­lären. Das hin­derte einen Mitar­beit­er des FPÖ-Par­la­mentsklubs nicht daran, mit einem Pick­erl von „Großun­garn“ (also inklu­sive Bur­gen­land) auf seinem Wagen herumzufahren.


FPÖ-MItar­beit­er mit Abziehbild von Grossun­garn, das auch das Bur­gen­land als „ungarisch“ ausweist. ↳ Grossun­garn, Job­bik und die FPÖ
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Die FPÖ hat in der Folge – nicht nur deswe­gen – ihre Kon­tak­te zu Job­bik deut­lich herun­terge­fahren, wollte mit den ungarischen Schmud­delkindern auch nicht in ein­er Frak­tion im europäis­chen Par­la­ment sitzen.

Jet­zt aber gibt es den Sym­pa­thisan­tenkreis von Job­bik in Öster­re­ich. Der ist nicht erst vor weni­gen Tagen ent­standen, son­dern schon zu Beginn 2014 auf Face­book aus der­Taufe gehoben wor­den. Mit­tler­weile haben die Sym­pa­thisan­ten der Job­bik-Neo­faschis­ten schon 724 Per­so­n­en, denen das gefällt. Das ist selb­st dann nicht wenig, auch wenn unter ihnen einige Per­so­n­en mit ungarischem Wohn­sitz sind.


Grossun­garn (in Far­ben die abge­trete­nen Gebi­ete, gelb: Burgenland)
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Was aber beson­ders erstaunt: hin­ter dem Grün­der des Fre­un­deskreis­es, Atti­la Eggl aus Wiener Neustadt, lächelt ein ander­er Eggl in die Kam­era, mit der die Grün­dungs­feier doku­men­tiert wurde. Karl Eggl darf sog­ar die Job­bik-Fahne für Becs / Wien hochhalten .

Jet­zt ist Eggl, der Burschen­schafter, zwar kein hochrangiger FPÖ-Funk­tionär, aber immer­hin kan­di­dierte er für die FPÖ in Ottakring und wurde auch als Bezirk­srat gewählt. Vielle­icht sollte er seinen bur­gen­ländis­chen FPÖ-Kam­er­aden, vor allem dem Sicher­heit­sref­er­enten und Lan­deshaupt­mannstel­lvertreter Tschürtz, bei Gele­gen­heit ein­mal erk­lären, wie das mit Groß-Ungarn, Tri­anon und dem Bur­gen­land wirk­lich funk­tion­ieren soll.

Mar­tin Graf, “unzen­suri­ert” und seine Fre­unde: Bur­gen­land zurück zu Ungarn?
Grossun­garn, Job­bik und die FPÖ
Ober­wart (Bgld): Auf­marsch von ungarischen Faschisten