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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 2 Minuten

Dr. Tod, der Nazi-Arzt und seine seltsamen Facebook-Freunde

Er nennt sich „Ari Bert­heim“ auf sei­nem Face­book-Pro­fil. Das ist die Ver­ball­hor­nung eines Namens, den ver­mut­lich nur weni­ge ken­nen: Ari­bert Heim. Ari­bert Heim war schla­gen­der Bur­schen­schaf­ter, SS-Arzt bzw. Haupt­sturm­füh­rer und nach 1945 flüch­tig. „Dr. Tod” wur­de er wegen sei­ner grau­sa­men Todes­sprit­zen im KZ Maut­hau­sen genannt. Wer befreun­det sich mit einer der­ar­ti­gen Person?

11. Dez. 2014

Ari­bert Heim war nach 1945 einer der meist­ge­such­ten NS-Ver­bre­cher. Wer auch immer sei­nen Namen für ein Face­book-Pro­fil über­nimmt – wenn auch in leicht ver­än­der­ter Form –, iden­ti­fi­ziert sich wohl weit­ge­hend mit der his­to­ri­schen Figur. Alles, was wir über das FB-Pro­fil „Ari Bert­heim“ wis­sen, spricht dafür.

„Ari Bert­heim“ hat sich ein Titel­bild mit dem Schrift­zug „I am Anti­an­ti­fa“ ver­passt. Das ist eine Paro­le, die in Neo­na­zi-Krei­sen üblich ist. Wer beim Namen „Ari Bert­heim“ noch nicht kapiert hat, mit wem er oder sie sich da befreun­det, soll­te das spä­tes­tens nach Ansicht die­ses Titel­bil­des wissen.

„Ari Bert­heim“ ist Bur­schen­schaf­ter und Nazi. Sein poli­ti­sches Mot­to, mit dem er auf FB ver­tre­ten ist, lau­tet: „Wer sein Land liebt, muss die­sen Staat ver­ach­ten!“ Auch das ist klar und ein­deu­tig. Sei­ne Bemer­kung über Küs­sel, den er als „Kas­perl einer alten Zeit, der einer an sich guten Sache sicher nicht wei­ter­hel­fen kann“, ist kei­ne Absa­ge an den Natio­nal­so­zia­lis­mus, son­dern an den sich selbst insze­nie­ren­den Neo­na­zi Küssel.

Ob sei­ne wei­te­ren bio­gra­phi­schen Anga­ben den Tat­sa­chen ent­spre­chen, ist offen. „Ari Bert­heim“ gibt an, die Uni Wien 1999 abge­schlos­sen zu haben. Als der­zei­ti­gen Wohn­ort nennt er Wien Flo­rids­dorf. Auch ob „Ari Bert­heim“ in einer nähe­ren Bezie­hung zu Ari­bert Heim gestan­den hat, ist unklar.

Viel­leicht soll­te man das eini­ge sei­ner Face­book-Freun­de und Freun­din­nen fra­gen? Es ist ja wohl schwer vor­stell­bar, dass der Arzt und Wie­ner FPÖ-Gemein­de­rat Peter Fri­go über­haupt kei­ne Ahnung hat, mit wem er sich da auf FB befreun­det hat. Weiß die wegen Ver­het­zung ver­ur­teil­te Yadi S. mehr über „Ari Bert­heim“? Es scheint so, denn immer­hin warnt sie ihn im Juni, dass er mit einem Troll befreun­det sei.

Die Face­book-Freund­schaf­ten von „Ari Bert­heim“ sind ein Kapi­tel für sich. Da gibt es etwa die Freund­schaft zu einem der in Salz­burg wegen der Neo­na­zi-Schmie­re­rei­en Ange­klag­ten. Der ver­wen­det seit eini­ger Zeit einen Ali­as-Namen für sein Face­book-Pro­fil und war mit „Ari Bert­heim“ befreun­det. Bis heu­te. Denn weil die „Salz­bur­ger Nach­rich­ten“ in ihrem Bericht „Neo­na­zis sind wei­ter aktiv“ „Ari Bert­heim“ und des­sen FB-Freund­schaft zu dem Salz­bur­ger Ange­klag­ten erwähnt haben, hat „Ari Bert­heim“ zur Mit­tags­zeit sein FB-Kon­to ver­senkt. Der Salz­bur­ger Neo­na­zi ist noch prä­sent auf Face­book, aller­dings mit einem bezeich­nen­den Titel­fo­to: einem U‑Boot!

Was uns bei ihm stört, ist nicht nur die selt­sa­me FB-Freund­schaft mit „Ari Bert­heim“ (die stört uns auch bei Peter Fri­go), son­dern dass sich der jun­ge Neo­na­zi als Aus­stei­ger aus der Neo­na­zi- Sze­ne insze­niert und an einem Pro­jekt mit­ar­bei­ten will, das sich an Jugend­li­che wen­det, die aus der Sze­ne aus­stei­gen wol­len. Da haben wir auf sei­nem FB-Kon­to noch Sachen gefun­den, die nicht unbe­dingt dafür spre­chen. Mög­li­cher­wei­se wird da ein Bock zum Gärt­ner gemacht!

Update: Zwei Ver­wechs­lun­gen

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