Linz: Messerangriff aus fremdenfeindlichen Motiven?
Am Samstagabend, 14.3., kam es in der Linzer Innenstadt zu einem tödlichen Messerangriff: Ein in Österreich geborener 34-jähriger Kroate attackierte zwei afghanische Männer mit einem Küchenmesser. Ein 26-Jähriger erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen, ein 24-Jähriger wurde schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen und gab bei der ersten Einvernahme eine psychische Erkrankung als Motiv an.
Der Tat war eine Auseinandersetzung vorausgegangen, bei der der Kroate zunächst einen unbekannten Autofahrer anpöbelte. Drei Afghanen griffen ein und wiesen ihn zurecht, woraufhin sie in einen Friseursalon gingen. Als sie diesen etwa eine halbe Stunde später verließen, attackierte der Kroate sie erneut: Er stach einem 24-Jährigen von hinten in den Hals. Die beiden anderen flohen, wobei der 26-Jährige stürzte. Der Täter verfolgte ihn, trat auf seinen Kopf und stach ihm in die Brust. Trotz sofortiger Erste-Hilfe-Maßnahmen verstarb der 26-Jährige im Krankenhaus.
Bereits am Nachmittag hatte der 34-Jährige seiner Frau einen Amoklauf angekündigt, woraufhin die Polizei eine Fahndung einleitete. Die Tatwaffe wurde sichergestellt, der Täter zeigte sich grundsätzlich geständig. Zeugen berichteten von fremdenfeindlichen Äußerungen des Mannes. Laut „Kronen Zeitung“ (15.3.26) ist der Mann mehrfach vorbetraft. Bei der Tat habe er angeblich „Scheiß Moslems“ gerufen.
(Quelle: ooe.orf.at, 15.3.26)
Stoob/B: Hakenkreuz ohne Vorsatz?
Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt hat die Ermittlungen gegen jenen Lehrer eingestellt, der Schüler:innen der Berufsschule Pinkafeld im Unterricht ein Hakenkreuz mauern ließ. Dem Lehrer konnte kein Vorsatz nachgewiesen werden. Der Vorfall ereignete sich auf dem Campus der Keramikfachschule Stoob, wo die Berufsschule eingemietet ist. Der Lehrer hatte eine Skizze vorgegeben, die wie ein verkehrtes Hakenkreuz aussah. Wie es sein kann, dass ein Lehrer ein Hakenkreuz ohne Wiederbetätigungsvorsatz mauern lässt, wurde nicht bekannt.
Der Direktor der Berufsschule brachte den Fall durch eine Anzeige bei der Polizei ins Rollen, woraufhin der Verfassungsschutz ermittelte. Bereits im Jänner wurde das Arbeitsverhältnis mit dem Lehrer einvernehmlich beendet.
(Quelle: burgenland.orf.at, 9.3.26)
Wien-Josefstadt: Nazi-Parolen
Im Zuge einer Personenkontrolle zeigte sich ein 55-jähriger polnischer Staatsangehöriger gestern Abend uneinsichtig und unkooperativ gegenüber Beamten des Stadtpolizeikommandos Josefstadt. Der Mann schrie laut herum, gab wiederholt nationalsozialistische Parolen von sich und stellte sein Verhalten auch nach mehrmaligen Aufforderungen der Beamten nicht ein. Bei der vorläufigen Festnahme setzte sich der Mann heftig zur Wehr.
Der 55-Jährige wurde wegen Erregung ungebührlichen Lärms und nach den Bestimmungen des Verbotsgesetzes über Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien auf freiem Fuß angezeigt. (regionews.at 14.3.26 zit. nach LPD Wien, 13.3.26)
Graz-Langenwang: Pistole ausgestreut, NS-Material in Wohnung
Ein 31-Jähriger hat am 14. März in Graz einen Polizeieinsatz ausgelöst, als ihm beim Aussteigen aus einem Taxi vor dem LKH Graz Süd (ehemals Landesnervenklinik Sigmund Freud) eine Schusswaffe zu Boden fiel. Der Taxilenker reagierte sofort und alarmierte die Polizei; der Mann wurde wenig später am Klinikgelände festgenommen.
Die Festnahme führte direkt zu einer Hausdurchsuchung in Langenwang (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag). Dort stellten Ermittler eine Langwaffe, NS-Literatur sowie mehrere „bedenkliche Flüssigkeiten und Substanzen“ (LPD Steiermark) sicher. Wegen dieser Funde wurde der Bereich um das Wohnhaus vorübergehend evakuiert. Spezialisten des Entschärfungsdienstes, sprengstoffkundige Organe und Spürhunde untersuchten das Gebäude, ehe Entwarnung gegeben werden konnte. Auch Datenträger wurden beschlagnahmt.
Zum Motiv des Mannes und zu seinem psychischen Zustand machten die Behörden bisher keine näheren Angaben; die Ermittlungen laufen. In Langenwang soll der 31-Jährige laut regionalen Berichten bislang kaum aufgefallen sein.
(Quellen: LPD Steiermark, 14.3.26, krone.at, 15.3.26)
Russland: Der Migrantenschreck als Migrant
Breitbeinig steht der Rechtsextremist Mario Rönsch vor der Kamera und erzählt, dass ihn deutsche Geheimdienste quer durch Europa gejagt hätten und es an ein Wunder grenze, dass er noch lebt. Allerdings: Die Kamera zeigt hinter ihm den Roten Platz und den Kreml in Moskau. Deutsche Geheimdienste mögen finster sein, von der mörderischen Bösartigkeit russischer Geheimdienste, die Menschen tatsächlich quer durch Europa jagen, um sie zu ermorden, sind sie allerdings meilenweit entfernt.
Das Werbevideo von Rönsch für das ANTV-Auslandsstudio in Moskau, das er damit vorstellt, ist nur etwas über eine Minute lang und enthält nicht nur diese Lügengeschichte. ANTV steht für AnonymousNews-TV und ist damit ein Hinweis auf die illustre Vergangenheit von Rönsch, der in seiner prorussischen Werbeminute auch behauptet, dass er seit 15 Jahren Nachrichten macht.
Selbst wenn man Hetze und Fake-News als Nachrichten durchgehen lassen würde, stimmt die Erzählung von Rönsch so nicht. Der ausführliche Wikipedia-Eintrag zu Mario Rönsch weist ihn zunächst als Betreiber der Website „Anonymous.Kollektiv“ und dann der Seite anonymousnews.ru bis März 2018 aus. Ab dem Frühjahr 2016 betrieb Rönsch auch die Seite „Migrantenschreck“ als Onlineshop für illegale Waffenverkäufe: „Dessen Webseite rief zu Schüssen auf Geflüchtete auf mit dem Ziel, sie zu verletzen, und dem Risiko, sie zu töten“ (Wikipedia)
Auch etliche Personen aus Österreich tauchten in geleakten Dateien als Kunden dieses kriminellen Online-Shops auf. Weil Rönsch hinter der Hetzseite anonymous.ru und hinter dem illegalen Waffenshop vermutet wurde, tauchte er ab, wurde aber nach etlichen Anzeigen und einer Fahndung im März 2018 in Ungarn verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Das Landgericht Berlin verurteilte ihn im Dezember 2018 zu 34 Monaten Haft, die er allerdings erst im November 2019 angetreten hatte. Ende 2020, also nach etwas mehr als einem Jahr, wurde er auf Bewährung entlassen.
Nach seiner Festnahme in Budapest verstummte das Hetzportal anonymous.ru vorübergehend. Seine Verhaftung führte zu einer Unterbrechung von dem, was Rönsch als „Nachrichten machen“ bezeichnet. Das gilt laut Correctiv (16.3.26)vermutlich nicht mehr für die eigentliche Haftzeit. Seit Ende 2023 wird Rönsch offiziell als Chefredakteur von anonymousnews.ru genannt.
Recherchen mehrerer Medien, darunter „Standard“ (11.3.26), Mimikama (11.3.26) und Correctiv aus den letzten Tagen belegen, dass die schon seit einem Jahrzehnt vermuteten Beziehungen zwischen Rönsch, „Anonymous News“ und Russland eine neue Qualität erreicht haben: „Die Webseite läuft über Server in Russland und bekommt nach neuesten Medienberichten womöglich Unterstützung vom russischen Geheimdienst FSB“, schreibt Correctiv, wo die ausführlichste Darstellung der russischen Propaganda und Desinformation durch anonymousnews.ru zu lesen ist.
Rönsch dürfte seinen neuen Lebensmittelpunkt in Moskau gefunden haben: der Migrantenschreck als Migrant.
Brüssel: EVP packelt mit Rechtsextremen trotz Brandmauer-Rhetorik
Die EVP-Fraktion um CDU/CSU hat im Europaparlament enger mit Rechtsaußen kooperiert, als ihre Führung öffentlich einräumt. Eine dpa-Recherche belegt Absprachen mit der AfD-Fraktion ESN, den „Patrioten für Europa“, der die FPÖ angehört, und der EKR bei der Rückführungsverordnung. Damit erweist sich die Brandmauer-Rhetorik der Union als Scheinversprechen.
Laut dpa stellte die EVP ihren Entwurf nach gescheiterten Gesprächen mit Sozialdemokraten und Liberalen in einer WhatsApp-Gruppe den rechtsextremen Fraktionen vor. Zu einem Vorschlag aus der AfD schrieb die EVP: „Wir können das unterstützen.“ Am 4. März trafen sich laut dpa François-Xavier Bellamy (EVP), Mary Khan, Marieke Ehlers (PfE) und Charlie Weimers (EKR) persönlich und erarbeiteten einen gemeinsamen Text. Im Anschluss hieß es in der Chatgruppe: „Vielen Dank für diese hervorragende Zusammenarbeit.“
Im LIBE-Ausschuss (Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres) bekam die Vorlage am 9. März mit 41 zu 32 Stimmen bei einer Enthaltung eine klare Mehrheit. Der Text verschärft die Rückführungspolitik deutlich, erleichtert Abschiebungen in Drittstaaten und erlaubt Haft von bis zu 24 Monaten.
EVP-Fraktionsführer Manfred Weber erklärte nach Bekanntwerden der Chats, er habe die Gruppe nicht gekannt. In Passau legte er wider dem Verhalten in Brüssel nach: „Die Brandmauer steht.“ Zugleich hielt er am rechten migrationspolitischen Kurs fest. CDU-Europaabgeordnete Lena Düpont wies eine gezielte Kooperation zurück und argumentierte in perfider Weise, man könne Zustimmung anderer Fraktionen zu einem eigenen Vorschlag nicht verhindern. CSU-Chef Markus Söder zeigte sich zwar überrascht und irritiert, erklärte die Sache nach Webers Einlassungen vorerst aber für erledigt.
(Quellen: n‑tv.de, 14.3.26, br.de, 17.3.26)
Für Österreich haben im LIEBE-Ausschuss – wenig überraschend – die FPÖ-EP-Abgeordnete Petra Steger und der ÖVP-Abgeordnete Lukas Mandl dem Antrag zugestimmt, wie dem Abstimmungsprotokoll zu entnehmen ist.
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