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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 5 Minuten

Wie Frauenhass Reichweite, Geld und rechte Mobilisierung erzeugt

Eine ARD-Doku zeigt, wie Frau­en­hass zur Radi­ka­li­sie­rungs- und Mobi­li­sie­rungs­ma­schi­ne wird. Der öster­rei­chi­sche Fall Mar­kus Streinz („Libera­tor Aca­de­my“) ver­deut­licht: Gewalt wird nor­ma­li­siert und öko­no­mi­siert – mit Anschluss an rechts­extre­me Kom­mu­ni­ka­ti­ons­lo­gi­ken. Wäh­rend die einen mit Miso­gy­nie Geld ver­die­nen, schef­feln die ande­ren poli­ti­schen Profit.

5. Sep. 2025
Insta-Account Markus Streinz
Insta-Account Markus Streinz

Die ARD-Repor­ta­ge „Shut Up, Bitch! Der Kampf um Männ­lich­keit“ führt in ein Öko­sys­tem aus YouTube‑, Tik­Tok- und Ins­ta-For­ma­ten, das männ­li­che Unsi­cher­hei­ten mit Domi­nanz­ver­spre­chen adres­siert. Ein jun­ger Prot­ago­nist macht nach­voll­zieh­bar, wie ver­meint­li­che Selbst­op­ti­mie­rung über die „Mano­sphä­re“ in offe­ne Frau­en­ver­ach­tung kippt. Die Doku legt zugleich offen, wie Emp­feh­lungs­al­go­rith­men und ein har­tes Upsel­ling-Geschäft mit Kur­sen, dem Ver­kauf von Merch und der Her­an­züch­tung von Com­mu­ni­ties die Grenz­ver­schie­bun­gen beloh­nen. Dass die­se Inhal­te poli­tisch ver­wer­tet wer­den, wird expli­zit: Frau­en­hass fun­giert als nied­rig­schwel­li­ger Frame, an den poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on von der rech­ten Sei­te andockt. Maxi­mi­li­an Krah mit sei­nem „Ech­te Män­ner wäh­len rechts“ steht jedoch nur exem­pla­risch für ein Bio­top aus rück­wärts­ge­wand­ten und mehr oder weni­ger expli­zit frau­en­has­sen­den Gesellschaftsvorstellungen.

Die Doku zeigt, was die Sze­n­e­be­ob­ach­tung seit Jah­ren betont: „Auf­wer­tung durch Abwer­tung“ ist das Prin­zip, das jun­ge Män­ner affek­tiv bin­det und auto­ri­tä­re Ange­bo­te vor­be­rei­tet – vom Rekurs auf „ech­te Männ­lich­keit“ bis zur Abwer­tung demo­kra­ti­scher Gleich­heits­nor­men. In der Doku wird die­se Anschluss­fä­hig­keit am Bei­spiel rech­ter Akteu­re greif­bar, die Mecha­nik ist bekannt: Inhal­te, Codes, Memes und Slo­gans wer­den ins Poli­ti­sche über­setzt und von Par­tei­en für die Anspra­che männ­li­cher Ziel­grup­pen operationalisiert.

Die Causa Markus Streinz

Der Tätig­keits­be­richt 2024 der „Bun­des­stel­le für Sek­ten­fra­gen“ (BUS) doku­men­tiert den öster­rei­chi­schen Online-Coach Mar­kus Streinz als pro­vo­kant auf­tre­ten­den Akteur einer eso­te­risch auf­ge­la­de­nen Coa­ching-Sze­ne. Laut BUS gin­gen 2024 vier­und­zwan­zig Anfra­gen von Ange­hö­ri­gen, Aussteiger*innen, Betrof­fe­nen zum Ober­ös­ter­rei­cher Streinz ein. Wie­der­keh­ren­de Moti­ve sind psy­chi­sche Ernied­ri­gun­gen in Coa­ching-Ses­si­ons, die Nor­ma­li­sie­rung von Gewalt als ver­meint­lich „gesun­de Aggres­si­on“, Droh- und Ein­schüch­te­rungs­prak­ti­ken sowie öko­no­mi­sche Druck- und Kos­ten­kas­ka­den durch auf­ein­an­der auf­bau­en­de Kur­se und Spen­den­auf­ru­fe. Die BUS hält fest, dass Anzei­gen in Öster­reich und Deutsch­land bekannt sind, rechts­kräf­ti­ge Ver­ur­tei­lun­gen gibt es bis­her nicht.

@zeitimbild

War­nung vor ver­meint­li­chem Coach: Eine Recher­che von Chris­ti­ne Baum­gart­ner (ORF) und Tho­mas Win­kel­mül­ler (Datum) bringt Erschre­cken­des ans Licht. #life­coach #men­tal­coach #coa­ching #news #mar­kus­streinz

? News Report Poli­ti­cal Ten­si­ons Rise over Seas Tech­no­lo­gy — Viral Sound Empire

Die Datum-Recher­che „Prü­gel und Pre­digt“ (in Koope­ra­ti­on mit dem ORF) unter­mau­ert das Mus­ter mit Mate­ri­al aus dem inners­ten Kreis: Vide­os, Chat­ver­läu­fe, inter­ne Calls und Aus­sa­gen von Aus­stei­ge­rin­nen. Die Datum-Jour­na­lis­ten zeich­nen Fäl­le nach, in denen Frau­en geschla­gen, gewürgt, ernied­rigt oder in Gewalt­fan­ta­sien als Objekt einer ver­meint­li­chen Trans­for­ma­ti­on insze­niert wer­den. Einem Aus­stei­ger-Fall zufol­ge ende­te Gewalt eines Anhän­gers in Öster­reich in einer Diver­si­on. Ein ande­rer Fall ist durch Sprach­nach­rich­ten doku­men­tiert. In inter­nen Auf­nah­men prahlt Streinz laut Recher­che wie­der­holt mit Über­grif­fen. Gleich­zei­tig wer­tet er betrof­fe­ne Frau­en ab. Es wer­den Macht- und Kon­troll­me­cha­nis­men beschrie­ben: Dro­hun­gen, Iso­lie­rung vom Umfeld, instru­men­ta­li­sier­te Loya­li­tät in der Com­mu­ni­ty. Streinz weist alle Vor­wür­fe zurück und beruft sich auf Ein­ver­nehm­lich­keit bezie­hungs­wei­se auf eine ande­re Bedeu­tung sei­ner Aus­sa­gen und bestrei­tet, die Taten began­gen zu haben.

Und viel­leicht ist es wirk­lich nur eine Fra­ge der Zeit, bis noch Schlim­me­res geschieht. Es gibt näm­lich noch ein Video von Ali­na B., auch wenn sowohl Streinz als auch sie die Bedeu­tung die­ser Aufnah­me gegen­über DATUM her­un­ter­spielen. Dar­in ist B. zu sehen, wie sie ein paar Minu­ten lang in ihre Han­dy­ka­me­ra spricht. Sie erzählt davon, wie sie von Streinz bis zur Bewusst­lo­sig­keit und zum ›Tod‹ gewürgt wur­de. (…) Trotz­dem wür­de sie Streinz ver­trau­en, sagt B., ›denn auch, wenn er mich umbringt, weiß ich, dass es zu mei­nem Bes­ten wäre‹. (Datum)

Das Frauenhass-Drehbuch und das Geschäftsmodell Misogynie

Der Ein­stieg ver­läuft über Selbst­op­ti­mie­rung, Männ­lich­keits­ver­spre­chen und spi­ri­tu­el­le Heils­zu­sa­gen. Sobald eine Com­mu­ni­ty gebun­den ist, ver­schie­ben sich Gren­zen, und Gewalt erhält eine ideo­lo­gi­sche, schein­bar the­ra­peu­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on. Die Busch­trom­mel der Platt­for­men ver­stärkt das: Pro­vo­ka­ti­on erzeugt Reich­wei­te, Reich­wei­te kon­ver­tiert zu Umsatz. Bei­de zusam­men schaf­fen Sicht­bar­keit und poli­ti­sche Anschluss­stel­len. Das ver­han­delt die ARD-Doku auf der Makro­ebe­ne, wäh­rend BUS und DATUM die Mikroebe­ne eines kon­kre­ten öster­rei­chi­schen Anbie­ters und sei­nes Umfelds ausleuchten.

Die Mone­ta­ri­sie­rung ist kein Neben­schau­platz, son­dern Motor: Laut BUS berich­ten Betrof­fe­ne von hohen Prei­sen, auf­ein­an­der auf­bau­en­den Kur­sen und ver­eins­recht­li­chen Kon­struk­tio­nen zur Abrech­nung als „Mit­glieds­bei­trä­ge“. Im Netz zei­gen sich gleich­zei­tig Bewer­tungs- und Social-Media-Spu­ren, in denen Anhänger*innen teils eupho­ri­sche Bekennt­nis­se abge­ben, wäh­rend ande­re von Demü­ti­gun­gen, Dro­hun­gen und Gewalt berich­ten. Die­se Öko­no­mi­sie­rung des Has­ses fügt sich in die Logik der Platt­for­men: Zuspit­zung, Reiz­über­schrei­tung, Reu­pload-Schlei­fen und erneut Upselling.

Antifeminismus als Scharnier

Anti­fe­mi­nis­mus ist eines der wich­tigs­ten Schar­nie­re in die radi­ka­le Rech­te. Er bie­tet einen all­tags­na­hen, emo­tio­nal auf­ge­la­de­nen Frame, der per­sön­li­che Krän­kun­gen in Res­sen­ti­ment ver­wan­delt und auto­ri­tä­re Ange­bo­te nor­ma­li­siert. In der ARD-Doku wird sicht­bar, wie Wahl­kämp­fe die­se Codes über­neh­men und für die Seg­men­te jun­ger Män­ner ope­ra­tio­na­li­sie­ren. Die öster­rei­chi­sche Fall­stu­die illus­triert zugleich, dass sich eso­te­ri­sche Sinn­ge­bung und auto­ri­tä­re Männ­lich­keits­fan­ta­sien nicht wider­spre­chen, son­dern gegen­sei­tig ver­stär­ken. Wer rech­te Mobi­li­sie­rung ver­ste­hen will, muss die Miso­gy­nie-Maschi­ne im Netz ernst neh­men: als Rekru­tie­rungs­feld, als Geschäft und als kul­tu­rel­le Normalisierungsschleuse.

Vor allem Rechts­po­pu­lis­ten haben ver­stan­den, wel­ches Poten­zi­al in männ­li­cher Gekränkt­heit steckt, sie stif­ten Erre­gungs­ge­mein­schaf­ten, weil Erre­gung nach außen drängt, weg von der Schwä­che und dem Schmerz innen. Man könn­te auch sagen, sie bie­ten Män­nern an, die Sym­pto­me einer Ver­gif­tung mit noch mehr Gift zu behan­deln. (spiegel.de, 12.7.25)

Brückenschläger Andrew Tate: Von der Manosphäre ins neonazistische Milieu

Die poli­ti­sche Anschluss­fä­hig­keit zeigt sich exem­pla­risch an Andrew Tates Umfeld. „Bel­ling­cat“ (10.8.23) hat die „War Room“-Strukturen der Tate-Brü­der als trans­na­tio­na­les Netz­werk beschrie­ben, das Loya­li­tät, Aggres­si­on und instru­men­tel­le Männ­lich­keits­idea­le kul­ti­viert und in dem poli­ti­sche Deu­tun­gen („Gen­der­krieg“) offen mit­schwin­gen. Zugleich über­schnei­den sich Tates media­le Auf­trit­te mit Akteu­ren, die als ras­sis­tisch und teils als neo­na­zis­tisch ein­zu­ord­nen sind. So trat Tate gemein­sam mit Nick Fuen­tes, einem Holo­caust­leug­ner und White-Supre­ma­cy-Akti­vis­ten, der als Vor­den­ker der „Groyper“-Szene fir­miert, in Streams auf. In ein­schlä­gi­gen Vide­os ver­han­del­te Fuen­tes offen sei­ne Hit­ler-Bewun­de­rung und Holo­caust­leug­nung – eine inhalt­li­che Schnitt­stel­le, die die ideo­lo­gi­sche Nähe von Mano­sphä­re und Rechts­extre­mis­mus scharf konturiert.

Ermittlungsstand, Hürden und gesellschaftliche Verantwortung

Die Bun­de­stel­le für Sek­ten­fra­gen beschreibt deut­lich, wie schwie­rig die Beweis­füh­rung in Fäl­len sexua­li­sier­ter und kör­per­li­cher Gewalt ist, gera­de wenn die­se in Com­mu­ni­ties reli­gi­ös, spi­ri­tu­ell oder the­ra­peu­tisch ratio­na­li­siert wird. Auch das erklärt, war­um Betrof­fe­ne ambi­va­lent blei­ben und Anzei­ge­we­ge scheu­en. Poli­tisch folgt dar­aus ein Auf­trag: Prä­ven­ti­on in Schu­len und Jugend­ar­beit, bes­se­re Res­sour­cen für Bera­tungs­stel­len, spe­zia­li­sier­te Ermitt­lungs- und Staats­an­walt­schafts­struk­tu­ren und eine Durch­set­zung von Platt­form­ver­ant­wor­tung, die Reu­pload-Netz­wer­ke sowie die Mone­ta­ri­sie­rung von Gewalt- und Frau­en­hass-Inhal­ten effek­tiv eindämmt.

Im Fall von straf­recht­lich rele­van­ten Vor­wür­fen gilt bis zu einer rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lung die Unschuldsvermutung!

Shut Up, Bitch! Der Kampf um Männ­lich­keit, 44′44″, SWR 2025 (Online bis 1.9.26)

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Schlagwörter: Antifeminismus/Sexismus/Maskulinismus | Neonazismus/Neofaschismus | Oberösterreich | Politische Bildung/Aufklärung | Rechtsextremismus | Weite Welt

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