„Wir danken Hr. Dr. Peer für diesen hervorragenden Vortrag!“, ist das letzte, was zu einer Veranstaltung in der identitären „Kulturfestung“ zu lesen ist. Das war im November 2024. Seither herrscht im oststeirischen Eichkögl Ruhe. Nach dem „Heimatkurier“, dem publizistischen Flaggschiff der österreichischen Identitären, ist nun auch das 2019 gegründete Hausprojekt stillgelegt.
Mit der reinrassigen Biene ausgesummt
Zuvor, im Oktober, ließen sich die steirischen Identitären noch über „die Zucht der heimischen Honigbiene“ aufklären. Zu Gast war Martin Kärcher von der „Austrian Carnica Association“.

Wie ideologisch selbst die Bienenzucht sein kann, belegt ein seit Jahren in Kärnten tobender Streit, in dem eine Gruppe von Imker*innen auf ein aus der Nazi-Zeit stammendes Gesetz pocht und die reinrassige graue „Carnica-Biene“ vor einer Durchmischung mit dunkler gefärbten Bienen bewahren will. Analogien zur NS-Rassenlehre sind keineswegs zufällig. Selbst die „New York Times“ (4.2.23) hatte über diesen Streit berichtet.* Dass ein Vertreter der Carnica-Fraktion den vorletzten Punkt in der Kulturfestung setzen durfte, passt ebenso wie der veranstaltungsmäßige Schlusspunkt. Robert Peer, ehemals FPÖ-Bezirkspolitiker in Graz, hatte über „das ethnische Volk“ referiert – danach ist die „Kulturfestung“ untergegangen.
Auf Anfrage von Stoppt die Rechten erklärte der ÖVP-Bürgermeister von Eichkögl (Mitterfladnitz) knapp: „Aktuell gibt es in dieser Liegenschaft keine Aktivitäten mehr.“
Ältere-Herren-Partei in der „Kulturfestung“
Im August 2023 hatte der steirische Ableger der sich als Jugendbewegung verstehenden Identitären noch eine Partei mit Sitz in Eichkögl gegründet, wobei „Jugend“ angesichts der Akteure deplatziert erscheint. Wie aus der rudimentär gebliebenen Website hervorgeht, fungiert als Obmann der Partei „Grüne identitäre Bewegung“ der 78-jährige Peter Mayer, zugleich Eigentümer jener Immobilie, in der die „Kulturfestung“ beheimatet war. Sein Stellvertreter Elias Schlapfer hat die 30 mittlerweile ebenso überschritten wie der Finanzreferent Benjamin Wünscher. Zum „Aufsichtsorgan“ wurde Harald Wiedner bestellt, der mit seinen über 50 Jahren den jugendlichen Zenit auch bereits deutlich überschritten hat. Die Gründung der Partei darf wohl als strategische Absicherung im Fall eines Verbots des Trägervereins der „Kulturfestung“ interpretiert werden.

Upcoming
Für den 26. Juli mobilisieren Identitäre mit weiteren rechtsextremen Zusammenschlüssen für die jährliche Sommerdemonstration in Wien. Ein antifaschistisches Bündnis ruft unter dem Motto „Wien nimmt Platz“ zu einer Gegenkundgebung auf.
Bereits am Vorabend veranstalten Grüne, SPÖ und KPÖ Margareten/Links und das QWien quasi vor der Haustüre der Identitären ab 17 Uhr ein Straßenfest: „Wien hält zusammen. Kundgebung & Straßenfest für ein gemeinsames Margareten“ (Siebenbrunngasse 26–31)
In eigener Sache
Stoppt die Rechten verabschiedet sich in die Sommerpause. Ab dem 18. August sind wir zurück – mit frischen Beiträgen und spannenden neuen Recherchen. Unter anderem werden wir über die bislang unbekannten Geschäfte eines rechtsextremen Medienmachers berichten und über eine Neonazi-Gruppe mit freiheitlicher Beteiligung.
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* 2023 widmete das ORF-Magazin „Am Schauplatz“ dem Streit und dessen historische Wurzeln eine ganze Sendung: „Bienen vor Gericht“
➡️ Siehe auch: derstandard.at (10.2.23): Rassenstreit um Kärntner Bienen
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