Wien, 26. Juli 2025: Ein paar wenige Hundert, aus halb Europa herangekarrte Rechtsextreme versammeln sich am Karl-Lueger-Platz und ziehen grölend durch die Innenstadt bis „Am Gestade“. Am Frontbanner steht ein junger Mann im blauen Poloshirt und mit aufgenähtem „Geuzenbond“-Emblem – Typus identitärer „Posterboy“. Um ihn, T.D., kümmert sich die Polizei nicht; die ist damit beschäftigt, gegen linke Gegendemonstrant*innen vorzugehen.
Rechtsterrorverdächtiger festgenommen
Wenige Wochen später, am 14. August, nehmen die niederländischen Behörden im nahe Amsterdam gelegenen Badhoevedorp einen 24-Jährigen fest. Der Verdacht: Vorbereitung eines terroristischen Anschlags, illegaler Besitz von Waffen und Munition sowie Herstellung von Waffenteilen. Der Mann gibt laut Staatsanwaltschaft an, dem „Geuzenbond“ anzugehören – einer rechtsextremen, von den Behörden den „Active Clubs“ zugerechneten Jugendorganisation mit etwa 20 Mitgliedern. Seither sitzt der Terrorverdächtige in Untersuchungshaft. Bei der parallelen Durchsuchung an seiner Meldeadresse im brabantischen Erp, in einem seit Jahren leerstehenden Restaurant, stellt die Polizei verbotene Schusswaffen und Munition sicher. Recherchen dokumentieren, dass das Objekt dem „Geuzenbond“ als Clubhaus diente.
Der Festgenommene gehört nicht nur dem „Geuzenbond“ an, sondern auch der burschenschaftsähnlichen, in Nijmegen ansässigen, „Groot-Nederlandse Studentenvereniging“ (GNSV). Der weit rechtsstehende Verband bestätigt die Mitgliedschaft des Terrorverdächtigen, zeigt sich „schockiert“ (gld.nl, 17.8.25) und suspendiert ihn bis zur Klärung des Falls.
Alles überraschend?
Das investigative Recherchenetzwerk „Bellingcat“ (7.2.24) hat den „Geuzenbond“ bereits 2024 als niederländische Zelle im internationalen Active-Clubs-Gefüge beschrieben – kleine, bewegliche Kader, die über Kampfsport, Outdoor-Formate und eine Ästhetik der „Wehrhaftmachung“ die white-supremacist Ideologie normalisieren. Die Recherche zeigt Anschlüsse an einschlägige Events und neonazistische Protagonisten auf: von typischen Identitären-Formaten bis zur neonazistischen „European Fight Night“ 2023, bei der T.D. ebenfalls dabei war. Der Geuzenbond-Kader D. nahm laut der Plattform „kafka.nl“ auch beim „Remigration Summit“ letzten Mai im italienischen Gallarate teil.
Vor drei Wochen marschierten in Wien neben Martin Sellner Mitglieder der extrem rechten Geuzenbond aus NL
Vorgestern wurde ein Geuzenbond-Mitglied nahe Amsterdam verhaftet.
Vorwurf: Vorbereitung terroristischer Straftat, Waffenbesitz & die Herstellung von Waffen + Munition
www.om.nl/actueel/nieu…— Christof Mackinger (@mcginger.bsky.social) 16. August 2025 um 17:47
Der Terrorverdächtige ist jener Mann, der in Wien beim Identitären-Umzug an vorderster Front mitmaschierte, auf der Bühne ans Mikrofon treten durfte, im Gespräch mit identitären Kadern und bei der Schlusskundgebung mit Megafon vor dem Gesicht zu sehen war. Der Sellner-Fanboy mobilisierte im Vorfeld für den Wiener Aufmarsch und teilte auf „X“ begeistert Propagandabilder und ‑videos aus Wien.
Identitäre Terrorbezüge
Wieder einmal werden Identitäre mit Terror in Verbindung gebracht: Der australische Christchurch-Attentäter hatte im Jänner 2018 rund 1.500 Euro an Martin Sellner überwiesen, danach tauschten beide mehrere Mails mit gegenseitigen Einladungen aus. Der Attentäter buchte direkt nach dem letzten Mailverkehr im Juni 2018 ein Mietauto in Wien. Ob es zu einem Treffen der beiden kam, ist ungeklärt.
Keep up the great work, it will be a long road to victory but with every day our people are growing stronger. Have a great new year, god bless you and god bless Europe.
Der spätere Christchurch-Attentäter am 6.1.18 an Sellner
Als der Verfassungsschutz in seinem Bericht 2023 bekanntgab, dass Moritz D., der der rechtsterroristischen „Feuerkrieg Division“ angehörte und von Anschlägen in Synagogen fantasierte, auch Identitären-Aktivist war, dementierte Martin Sellner auf Telegram: „Wir weisen diese Behauptung klar zurück. Kein Aktivist der Identitären Bewegung war jemals Anhänger einer terroristischen Bewegung.“ Sellner schrieb die Unwahrheit, wie sich später herausstellte.

Im November 2023 wurden acht Mitglieder der Rechtsterrorgruppe „Sächsische Separatisten“ verhaftet, darunter der Beschuldigte Hans-Georg P.. Der nahm an mindestens zwei Identitären-Demonstrationen in Wien teil. Fotos zeigen ihn 2021 und 2023 sogar als Fahnenträger.
Mit dem „Geuzenbond“-Kader geraten Sellner und die Identitären nun bereits zum vierten Mal in Verbindung mit rechtsterroristischen Strukturen. Zufall ist das wohl keiner mehr, sondern ein Beleg dafür, dass die identitäre Tür ideologisch wie personell sperrangelweit offen steht fürs gewaltaffine neonazistische Segment. Die einen schmiedeten oder diskutierten Anschlagspläne, der Australier verübte in Neuseeland im Namen der identitären „Great Replacement“-Ideologie 51 Morde.
Für jene genannten Personen, die noch nicht angeklagt und verurteilt wurden, gilt die Unschuldsvermutung!

Update 19.8.25: „Geuzenbond” bestätigt, dass es sich bei dem Terrorverdächtigen um ihren Kader T.D. handelt und wittert den „Deep State” hinter der Verhaftung. Niederländische Medien (18.8.25) berichten zudem dass bei Veranstaltungen in dem letzte Woche durchsuchten Klubhaus, wo Waffen und Munition sichergestellt wurden, „auffallend viele Autos mit österreichischen und belgischen Kennzeichen zu sehen waren”.
➡️ derstandard.at (18.8.25): In Wien aufmarschierter Rechtsextremer wegen Terrorverdachts in Niederlanden festgenommen
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