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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Von der Identitären-Demo in Wien in die Niederlande: Rechtsterrorverdächtiger festgenommen

Ende Juli mar­schier­ten Iden­ti­tä­re durch Wien – auch mit Betei­li­gung aus den Nie­der­lan­den. Letz­te Woche wur­de in den Nie­der­lan­den ein Rechts­ter­ror­ver­däch­ti­ger fest­ge­nom­men. Recher­chen legen nahe, dass der 24-Jäh­ri­ge in Wien an vor­ders­ter Front dabei war.

18. Aug. 2025
Der Geuzenbond-Kader T.D. bei der Identitären-Demo 2025 in Wien (© Samuel Winter)
Der Geuzenbond-Kader T.D. bei der Identitären-Demo 2025 in Wien (© Samuel Winter)

Wien, 26. Juli 2025: Ein paar weni­ge Hun­dert, aus halb Euro­pa her­an­ge­karr­te Rechts­extre­me ver­sam­meln sich am Karl-Lue­ger-Platz und zie­hen grö­lend durch die Innen­stadt bis „Am Gesta­de“. Am Front­ban­ner steht ein jun­ger Mann im blau­en Polo­shirt und mit auf­ge­näh­tem „Geuzenbond“-Emblem – Typus iden­ti­tä­rer „Pos­ter­boy“. Um ihn, T.D., küm­mert sich die Poli­zei nicht; die ist damit beschäf­tigt, gegen lin­ke Gegendemonstrant*innen vorzugehen.

Rechtsterrorverdächtiger festgenommen

Weni­ge Wochen spä­ter, am 14. August, neh­men die nie­der­län­di­schen Behör­den im nahe Ams­ter­dam gele­ge­nen Bad­hoe­ve­dorp einen 24-Jäh­ri­gen fest. Der Ver­dacht: Vor­be­rei­tung eines ter­ro­ris­ti­schen Anschlags, ille­ga­ler Besitz von Waf­fen und Muni­ti­on sowie Her­stel­lung von Waf­fen­tei­len. Der Mann gibt laut Staats­an­walt­schaft an, dem „Geu­zen­bond“ anzu­ge­hö­ren – einer rechts­extre­men, von den Behör­den den „Acti­ve Clubs“ zuge­rech­ne­ten Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on mit etwa 20 Mit­glie­dern. Seit­her sitzt der Ter­ror­ver­däch­ti­ge in Unter­su­chungs­haft. Bei der par­al­le­len Durch­su­chung an sei­ner Mel­de­adres­se im bra­ban­ti­schen Erp, in einem seit Jah­ren leer­ste­hen­den Restau­rant, stellt die Poli­zei ver­bo­te­ne Schuss­waf­fen und Muni­ti­on sicher. Recher­chen doku­men­tie­ren, dass das Objekt dem „Geu­zen­bond“ als Club­haus dien­te.

Der Fest­ge­nom­me­ne gehört nicht nur dem „Geu­zen­bond“ an, son­dern auch der bur­schen­schafts­ähn­li­chen, in Nij­me­gen ansäs­si­gen, „Groot-Neder­land­se Stu­den­ten­ver­eni­ging“ (GNSV). Der weit rechts­ste­hen­de Ver­band bestä­tigt die Mit­glied­schaft des Ter­ror­ver­däch­ti­gen, zeigt sich „scho­ckiert“ (gld.nl, 17.8.25) und sus­pen­diert ihn bis zur Klä­rung des Falls.

Alles überraschend?

Das inves­ti­ga­ti­ve Recher­chen­etz­werk „Bel­ling­cat“ (7.2.24) hat den „Geu­zen­bond“ bereits 2024 als nie­der­län­di­sche Zel­le im inter­na­tio­na­len Acti­ve-Clubs-Gefü­ge beschrie­ben – klei­ne, beweg­li­che Kader, die über Kampf­sport, Out­door-For­ma­te und eine Ästhe­tik der „Wehr­haft­ma­chung“ die white-supre­macist Ideo­lo­gie nor­ma­li­sie­ren. Die Recher­che zeigt Anschlüs­se an ein­schlä­gi­ge Events und neo­na­zis­ti­sche Prot­ago­nis­ten auf: von typi­schen Iden­ti­tä­ren-For­ma­ten bis zur neo­na­zis­ti­schen „Euro­pean Fight Night“ 2023, bei der T.D. eben­falls dabei war. Der Geu­zen­bond-Kader D. nahm laut der Platt­form „kafka.nl“ auch beim „Remi­gra­ti­on Sum­mit“ letz­ten Mai im ita­lie­ni­schen Gall­ara­te teil.

Vor drei Wochen mar­schier­ten in Wien neben Mar­tin Sell­ner Mit­glie­der der extrem rech­ten Geu­zen­bond aus NL

Vor­ges­tern wur­de ein Geu­zen­bond-Mit­glied nahe Ams­ter­dam verhaftet.
Vor­wurf: Vor­be­rei­tung ter­ro­ris­ti­scher Straf­tat, Waf­fen­be­sitz & die Her­stel­lung von Waf­fen + Munition
www.om.nl/actueel/nieu…

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— Chris­tof Mack­in­ger (@mcginger.bsky.social) 16. August 2025 um 17:47

Der Ter­ror­ver­däch­ti­ge ist jener Mann, der in Wien beim Iden­ti­tä­ren-Umzug an vor­ders­ter Front mit­ma­schier­te, auf der Büh­ne ans Mikro­fon tre­ten durf­te, im Gespräch mit iden­ti­tä­ren Kadern und bei der Schluss­kund­ge­bung mit Mega­fon vor dem Gesicht zu sehen war. Der Sell­ner-Fan­boy mobi­li­sier­te im Vor­feld für den Wie­ner Auf­marsch und teil­te auf „X“ begeis­tert Pro­pa­gan­da­bil­der und ‑vide­os aus Wien.

Identitäre Terrorbezüge

Wie­der ein­mal wer­den Iden­ti­tä­re mit Ter­ror in Ver­bin­dung gebracht: Der aus­tra­li­sche Christ­church-Atten­tä­ter hat­te im Jän­ner 2018 rund 1.500 Euro an Mar­tin Sell­ner über­wie­sen, danach tausch­ten bei­de meh­re­re Mails mit gegen­sei­ti­gen Ein­la­dun­gen aus. Der Atten­tä­ter buch­te direkt nach dem letz­ten Mail­ver­kehr im Juni 2018 ein Miet­au­to in Wien. Ob es zu einem Tref­fen der bei­den kam, ist ungeklärt.

Keep up the gre­at work, it will be a long road to vic­to­ry but with every day our peo­p­le are gro­wing stron­ger. Have a gre­at new year, god bless you and god bless Europe.
Der spä­te­re Christ­church-Atten­tä­ter am 6.1.18 an Sellner

Als der Ver­fas­sungs­schutz in sei­nem Bericht 2023 bekannt­gab, dass Moritz D., der der rechts­ter­ro­ris­ti­schen „Feu­er­krieg Divi­si­on“ ange­hör­te und von Anschlä­gen in Syn­ago­gen fan­ta­sier­te, auch Iden­ti­tä­ren-Akti­vist war, demen­tier­te Mar­tin Sell­ner auf Tele­gram: „Wir wei­sen die­se Behaup­tung klar zurück. Kein Akti­vist der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung war jemals Anhän­ger einer ter­ro­ris­ti­schen Bewe­gung.“ Sell­ner schrieb die Unwahr­heit, wie sich spä­ter her­aus­stell­te.

Sellner zu Moritz D.: "Kein Aktivist der Identitären Bewegung war jemals Anhänger einer terroristischen Bewegung." (Screenshot Telegram 21.5.24)
Sell­ner zu Moritz D.: „Kein Akti­vist der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung war jemals Anhän­ger einer ter­ro­ris­ti­schen Bewe­gung.” (Screen­shot Tele­gram 21.5.24)

Im Novem­ber 2023 wur­den acht Mit­glie­der der Rechts­ter­ror­grup­pe „Säch­si­sche Sepa­ra­tis­ten“ ver­haf­tet, dar­un­ter der Beschul­dig­te Hans-Georg P.. Der nahm an min­des­tens zwei Iden­ti­tä­ren-Demons­tra­tio­nen in Wien teil. Fotos zei­gen ihn 2021 und 2023 sogar als Fahnenträger.

Mit dem „Geuzenbond“-Kader gera­ten Sell­ner und die Iden­ti­tä­ren nun bereits zum vier­ten Mal in Ver­bin­dung mit rechts­ter­ro­ris­ti­schen Struk­tu­ren. Zufall ist das wohl kei­ner mehr, son­dern ein Beleg dafür, dass die iden­ti­tä­re Tür ideo­lo­gisch wie per­so­nell sperr­an­gel­weit offen steht fürs gewalt­a­ffi­ne neo­na­zis­ti­sche Seg­ment. Die einen schmie­de­ten oder dis­ku­tier­ten Anschlags­plä­ne, der Aus­tra­li­er ver­üb­te in Neu­see­land im Namen der iden­ti­tä­ren „Gre­at Replacement“-Ideologie 51 Morde.

Für jene genann­ten Per­so­nen, die noch nicht ange­klagt und ver­ur­teilt wur­den, gilt die Unschuldsvermutung!

T.D. auf X als Sellner-"Senpai" ("Fanboy"). Foto zeigt Martin Sellner bei einem Vortrag am 18.1.25 in den Niederlanden, an dem auch D. teilgenommen hat (Screenshot X 21.1.25)
T.D. auf X als Sellner-„Senpai” („Fan­boy”). Foto zeigt Mar­tin Sell­ner bei einem Vor­trag am 18.1.25 in den Nie­der­lan­den, an dem auch D. teil­ge­nom­men hat (Screen­shot X 21.1.25)

Update 19.8.25: „Geu­zen­bond” bestä­tigt, dass es sich bei dem Ter­ror­ver­däch­ti­gen um ihren Kader T.D. han­delt und wit­tert den „Deep Sta­te” hin­ter der Ver­haf­tung. Nie­der­län­di­sche Medi­en (18.8.25) berich­ten zudem dass bei Ver­an­stal­tun­gen in dem letz­te Woche durch­such­ten Klub­haus, wo Waf­fen und Muni­ti­on sicher­ge­stellt wur­den, „auf­fal­lend vie­le Autos mit öster­rei­chi­schen und bel­gi­schen Kenn­zei­chen zu sehen waren”.

➡️ derstandard.at (18.8.25): In Wien auf­mar­schier­ter Rechts­extre­mer wegen Ter­ror­ver­dachts in Nie­der­lan­den festgenommen

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