„Authentisch, tief europäisch verwurzelt, kompromisslos eigenständig und mit klarer Handschrift.“ Schwülstig und zugleich nichtssagend kommt die Selbstdarstellung von Revoltra daher, einem neuen Baustein der identitären Unternehmenslandschaft. Der Versandhandel nennt sich „European Dissident Clothing Brand“ – eine europäische Bekleidungsmarke für Dissidenten, also Andersdenkende.
Und Dissidententum kann jetzt gekauft werden. Sehr teuer. Revoltra war beim letzten Fest im Castell Aurora in Steyregg erstmals mit einem Verkaufsstand vertreten. Zu finden im neuen Onlineshop: bedruckte T-Shirts zwischen 35 und 38 Euro („Gefertigt in Portugal, gedruckt mittels Siebdruck in Handarbeit in Österreich“), eine Trainingsjacke um 82 Euro aus 100 % Polyester („Gefertigt und bestickt in Polen“), Aufkleber, Ansteckbuttons, Bücher aus dem identitären Kosmos und eine CD – ein Miniangebot, das aber genügend Einblicke in das ideologische Umfeld der Versandhändlerin verschafft.
Unter den Büchern finden sich gleich zwei einschlägige: eines von Götz Kubitscheks Verlag Antaios, ein zweites vom Wiener Rechtsextremisten Martin Semlitsch. Auch handverlesen gestaltet sich das musische Angebot: Verkauft wird ausschließlich eine CD, ein Album der Neofolk-Band „Aufbruch Europa“, ebenfalls aus dem identitären Sumpf. Denn hinter der Band steckt der langjährige identitäre Aktivist und ehemalige Wochenblick-Schreiberling Julian Utz.
Identitätsangebot
Der Versandhandel Revoltra passt damit gut ins identitäre Portfolio als Teil des Kulturkampfes von ganz weit rechts. Denn der angebotene Style ist für die Szene auch ein Identitätsangebot, wie Kira Ayyadi in „Popkultur von Rechts“ beschreibt:
Rechtsextreme Akteur haben es geschafft, Angebote zu machen, die insbesondere in Krisenzeiten viele Menschen ansprechen. In einer komplizierten Welt geben sie eine einfache Antwort: ‚Nur in der Gemeinschaft bist du stark und wir bieten dir diese Gemeinschaft‘. (vielfalt-mediathek.de, 26.11.24)
Der Pathos, den Revoltra transportiert, lenkt davon ab, dass es mit dem neuen rechten Versandhandel ein weiteres Mal darum geht, auszuloten, wie in einem extrem rechten Umfeld Geld zu machen ist.
Steyr als Fassade
Passend zu seinem aufgebauschten Image inszeniert Revoltra seine drei männlichen Models fürs Fotoshooting in der Steyrer Altstadt: alte, dicke Stadtmauern, Brücken und gepflasterte Straßen zur Untermalung eines heimattümelnden Bild, das man vermitteln will.

Models mit Vorgeschichten
Auch die Verbindungen der Models zur extremen Rechten passen zur Bekleidungsmarke: Wer ist das, wer da mit Shirts aus rechtsextremem Umfeld posiert?
Da ist einmal der aus Sachsen kommende Roy D. Auf Facebook ist D. mit allem, was im oberösterreichischen Rechtsextremismus Rang und Namen hat, vernetzt. Im Reallife tauchte er bei identitären Veranstaltungen auf, zum Beispiel am Kahlenberg in den Jahren 2018 und 2021.
Der Zweite im Bunde ist der Informatiker Armin L.: Der ist ebenfalls seit 2018 im Umfeld der Identitären zu sehen, am Kahlenberg, aber auch bei Kundgebungen im Zentrum Wiens. Einmal selbst zu Wort gemeldet hat sich L. beim rechtsextremen Medium Info-Direkt. Anlass war eine Demo gegen die Corona-Schutzmaßnahmen 2021, bei der es gehörig rundging.
Auf der Veranstaltung, bei der Herbert Kickl im Prater eine antisemitisch getönte Rede hielt, waren nicht nur zahlreiche FPÖ-Funktionär:innen anwesend, sondern auch massig Neonazis und Hooligans. Von den Demonstrierenden wurden im Anschluss Polizeiketten durchbrochen, Hitlergrüße gezeigt und ein Sicherheitsmann erlitt einen Knochenbruch. Armin L. dazu im Interview: „Wir sind einfach noch mitspaziert, es hat sich einfach gut angefühlt.“
Und wo Armin L. auch auftaucht: im Identitären-Zentrum in Steyregg. Genauso wie der dritte Mann, der für Revoltra online posiert: Dominic W. aus Freistadt. Als örtlicher RFJ-Obmann sorgte Dominic W. vor einem Jahrzehnt in Freistadt wegen seiner Verbindungen in die braune Szene für Aufsehen. Er musste die FPÖ verlassen. Einige Jahre später tauchte er als Identitären-Unterstützer in der Liste des Verfassungsschutzes auf. Den Identitären ist er bis heute sichtlich verbunden geblieben.

Im Hintergrund
Die Marke Revoltra wurde im Herbst 2025 beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum eingetragen, ein Gewerbe wurde im Bezirk Linz-Umgebung angemeldet. So weit, so offiziell.
Etwas weniger offiziell wirkt der Firmensitz nahe Linz: In dem Gebäude hat ein Immobilienunternehmen genauso seine Geschäftsadresse wie eine Kaffeerösterei und ein Vertrieb von Schlafsystemen. Warum? Die Rechten operieren von einer Mietadresse der Firma Matchoffice in Hörsching, also einer virtuellen Adresse. Klingt nach einer Verschleierungstaktik?
Die Inhaberin der Marke ist in der extremen Rechten bislang wenig bekannt: Sabrina Eisl ist eine Hundetrainerin und Beschriftungstechnikerin aus Salzburg. Die Frau hat vor über einem Jahrzehnt einen Blog betrieben, der heute nur mehr bruchstückhaft rekonstruiert werden kann: Da beschäftigt sie sich mit staatlicher Überwachungssoftware und „Genmanipulation“ von Pflanzen mittels Elektrofeldern. Spätestens mit der Corona-Pandemie dürfte Eisl rechts abgebogen sein. 2021 postet sie von Demos gegen die Corona-Schutzmaßnahmen.
Heute besucht Eisl das Steyregger Identitären-Haus Castell Aurora. Ebendort, wo Revoltra zuletzt seine Klamotten erstmals zum Verkauf angeboten hat.

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