Niemand, mit dem ich in den vergangenen zwei Wochen über diese Häufung gesprochen habe, kann sich erinnern, dass es jemals so schlimm war. Weder antifaschistische Aktivistinnen und Aktivisten noch jugo-stämmige Bekannte und Freunde. (balkanstories.net, 16.8.26)
Die Häufung, die hier thematisiert wird, entgeht kaum jemandem, der mit offenen Augen durch Wiens 15., 16. und 17. Bezirk spaziert: eine sichtbare „Radikalisierungswelle“, wie es Balkanstories nennt, „unter jungen ethnischen Serben in Wien“. Zahllose Graffitis finden sich an – gefühlt – jedem Hauseck, manchmal in kyrillischer Schrift, immer mit den eindeutigen „Vier C“.
Die Radikalisierung aber betrifft nicht junge Serb:innen an sich, sondern eine kleine Gruppe, die besonders viel Wind macht – mit Raumnahme und Gewalt: die rechtsextreme Brigada Beč.
Die Brigada Beč besteht aus einer Handvoll junger Männer mit serbischer Familiengeschichte und einem Hang zum Rechtsextremismus. Sie ist nicht nur im Umfeld der Neonazi-Vereinigungen Tanzbrigade und der Division Wien unterwegs, sondern auch bei diversen Sportevents im In- und Ausland, zeitweise auch mit Gewaltausbrüchen. Und weil Bilder oft mehr sagen als tausend Worte, hier eines vom Auftritt der Brigada Beč bei einem Wasserballmatch in Belgrad.

Auf ihrem Transparent beanspruchen die Brigadisten Kosovo als serbisches Territorium, wie das viele serbische Nationalist:innen tun. Daneben findet sich das Logo der Brigada im Fussballhooligan-Style und rechts davon das Konterfei des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladić, über dessen Tod gestern berichtet wurde. Mladić wurde als „der Schlächter von Bosnien“ bekannt, weil er Hauptverantwortung für Kriegsverbrechen und Völkermord während des Bosnienkriegs trug, darunter das Massaker von Srebrenica. Dort waren im Juli 1995 über 8000 Bosniak:innen von der serbischen Armee, Paramilitärs und Polizei ermordet worden. Passend dazu in der rechten Ecke des Transparents: der „serbische Gruß“ mit den drei Fingern.
Antifa-Hasen?
Erstmals in Erscheinung getreten ist die Brigada Beč Anfang 2025 in Wien, als online ein Video auftauchte. Dafür hatten sich ein paar Vermummte dabei gefilmt, wie sie beim linken Wiener Sozialen Zentrum Pankahyttn Sachbeschädigungen begingen.

Im Video werden drei Sätze eingeblendet: „U ovoj zgradi žive antifa zečevi“ (de: In diesem Gebäude leben Antifa-Hasen), „hajde malo da je očistimo“ (de: Kommt – Räumen wir es etwas auf) und „U ovom gradu vlada srbska [sic!] ruka“ (de: In dieser Stadt herrscht die serbische Hand). (recherchewien.nordost.mobi, 7.3.26)
Querfront
Im März beteiligte sich die Gruppe an einer Protestaktion zum Jahrestag des Beginns der NATO-Bombardierung Serbiens 1999. Am Stephansplatz versammelten sich neben linken Antiimperialist:innen auch Neonazis und eben serbische Nationalist:innen, unter anderem jene der Brigada Beč.
Mit Parolen wie „Kosovo (je) Srbija!“ („Kosovo ist Serbien!“) und zwei Transparenten mit den Aufschriften „pamte srbi“ („Die Serben gedenken“) und „NATO zločine“ („NATO Verbrechen“) dominierten sie das Bild der Kundgebung. Auf einer Fahne mit dem Text „Nema Predaje“ („Keine Kapitulation“) war eine Karte Serbiens zu sehen, in der Kosovo Teil des serbischen Staatsgebiets ist.

Provokation hinter Polizeischutz
Aufgefallen ist die Brigada Beč zuletzt erneut am Stephansplatz. Für den 25. Juli wäre der rassistische Aufmarsch der Identitären in der Wiener Innenstadt geplant gewesen. Wie schon letzten Sommer hatten wohl auch heimische Rechtsextreme vor, dort mitzumarschieren. Auch aufgrund der antifaschistischen Mobilmachung fiel die zentrale Demonstration der Identitären dieses Jahr flach. Rund zehn Neonazis ließen es sich aber nicht nehmen, am Rande der großen antifaschistischen Demonstration zu provozieren. Mittendrin wieder bekannte Gesichter der Brigada Beč, der Division Wien und der Tanzbrigade – hinter Polizeischutz.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Nationalistische Raumnahme
Am sichtbarsten aber ist die Brigada Beč in Wien mit ihrem Geschmiere. Das hat der Blog Balkanstories unlängst fotografisch dokumentiert. Zwischen Westbahnhof und Währing finden sich wenige Straßen ohne nationalistischen Dreck.



Unabhängige Recherche ermöglichen...
Jetzt unterstützen »

