Ein FPÖ-Funktionär in Schnellroda
Ein Foto von recherche-nord zeigt Fabian Walch samt Ehefrau bei der Ankunft in der Neurechten-Zentrale in Sachsen-Anhalt. Hinter den beiden geht die Jugendsprecherin der Süd-Tiroler Freiheit, die für ihre Teilnahme in Schnellroda heftige Kritik einstecken muss.
Nach unserem Wissenstand ist Walch der erste bekannte aktive FPÖ-Politiker bei dem jährlichen Treffen in Schnellroda (Sachsen-Anhalt). Frühere österreichische Gäste stammten überwiegend aus dem identitären und neurechten Vorfeld. 2024 waren dort unter anderem Martin Sellner, Philipp Huemer für den „Heimatkurier“, Michael Scharfmüller von „Info-Direkt“, Konrad Weiß vom „Eckart“. Auch heuer reisten Sellner, identitärer Anhang, darunter der wegen Körperverletzung verurteilte Kubitschek-Sohn Wieland, Gesicht der Wiener Identitären, und zwei österreichische Neonazis an.
Walch sitzt für die FPÖ im Innsbrucker Gemeinderat und fungiert dort als stellvertretender Klubobmann. Damit nimmt ein aktiver Mandatar an jenem Treffen teil, bei dem sich ideologische Produzenten, Aktivisten, Verleger, Burschenschafter und AfD-Funktionäre austauschen.
Schnellroda als politische Schaltstelle
Das Sommerfest ist eine jährliche Heerschau der Neuen Rechten. Der Veranstaltungsort bildet seit Jahren das Zentrum um Götz Kubitschek, seinen Verlag Antaios und das frühere Institut für Staatspolitik. Dort werden Bücher verkauft, Kader gebunden, Kontakte in Parteien gepflegt und Strategien für den gesellschaftlichen Kulturkampf verbreitet.
Der deutsche Verfassungsschutz führt den Kubitschek-Verlag Antaios seit 2024 als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“. Antaios verbreite eine ethnisch-abstammungsmäßige Vorstellung von Volkszugehörigkeit sowie rassistische und geschichtsrevisionistische Inhalte. Der Verlag habe zudem maßgeblich dazu beigetragen, den Begriff „Remigration“ im allgemeinen politischen Raum zu platzieren, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2024.
Karriere im FPÖ-Parteiapparat
Walch wurde im freiheitlichen Vorfeld und im Parteiapparat sozialisiert. 2017 startete er in der FPÖ durch. Von 2017 bis 2019 führte er den Ring Freiheitlicher Studenten Tirol, war FPÖ-Bezirksparteiobmann (Reutte) und begann seine Tätigkeiten als Landesparteisekretär, Pressesprecher, Büroleiter und stellvertretender Klubdirektor der Tiroler FPÖ. Seit 2020 ist er Obmann des Freiheitlichen Akademikerverbands Tirol und tritt regelmäßig als Referent des Freiheitlichen Bildungsinstituts auf. Seit Mai 2024 gehört der Multifunktionär dem Innsbrucker Gemeinderat an, ist dort Klubobmann-Stellvertreter und Klubdirektor.
2023, beim rechtsextremen „Berg-Kongress“ des Vereins Haymon wohnte Walch mit den Landtagsabgeordneten Daniel Marschik und Gudrun Kofler unter anderem der Präsentation des neonazistischen Schulungsprojekts MetaPol teil. Als Referent trat dort auch Erik Ahrens auf, ein damals für den AfD-Rechtsaußen Maximilian Krah tätiger Neonazi-Aktivist. Die offene Vernetzung zwischen FPÖ-Mandatar:innen, Identitären und weiteren Rechtsextremen hat Stoppt die Rechten im September 2024 dokumentiert.
Im März 2026 folgte der gemeinsame Auftritt mit dem Identitären Christoph Albert bei der Burschenschaft Cruxia in Leoben. Albert propagiert ethnische Homogenität, Massenabschiebungen und geschichtsrevisionistische Positionen. Walch erklärte anschließend, er habe mit dem gemeinsamen Auftritt kein Problem. SPÖ und Grüne forderten seinen Rücktritt aus dem Innsbrucker Gemeinderat.

„Beate statt Aisha“ und die Hitler-Chats-Affäre
Walch lieferte schon früh rassistisch aufgeladene Kulturkämpfe. 2018 forderte er „Günther und Beate statt Mustafa und Aisha in Schulbüchern“, nachdem er türkische und arabische Namen in Unterrichtsmaterialien der Volksschule Elmen angeprangert hatte. Der Schuldirektor erklärte, die genannten Materialien seien dort nie verwendet worden.
Im selben Jahr verteidigte Walch die FPÖ Imst in der Affäre um Nazi-Chats in einer internen WhatsApp-Gruppe. Er sprach von „Fake News“ und einer gezielten Sabotage der Partei. Monate später wurden zwei Funktionäre aus der FPÖ Imst wegen Wiederbetätigung verurteilt.
Der identitäre Sound
Walchs sprachliches Repertoire entstammt dem Wörterbuch der Identitären. 2024 begann er alle seine Social-Media-Videos mit der Phrase „Freunde der Remigration“. Auch auf seinem X‑Account übernimmt er seit Jahren zentrale Begriffe und Feindbilder der Identitären. Er erklärt den „Bevölkerungsaustausch“ zur Realität, bewirbt „Remigration“, verteidigt Martin Sellner und verbindet Migration ausschließlich mit Kriminalität, Wohlstandsverlust und kulturellem Niedergang.
Diese Sprache ist auch Teil seiner offiziellen Parteikommunikation. Im März 2025 erklärte Walch in einer Aussendung der FPÖ Tirol: „Die Lösung lautet Remigration.“ Im Mai sprach er erneut vom fortschreitenden „Bevölkerungsaustausch“. In der neurechten Zeitschrift „Freilich“ empfahl er Ende 2025 ein Buch des deutschen Antaios- Autors Benedikt Kaiser als „Schwert im Kampf um kulturelle Macht“. Lektüre aus dem Antaios-Verlag gehört überhaupt zu Walchs fixem Bestand.

Walchs Schnellroda-Besuch bündelt seine bisherige Entwicklung: Karriere im FPÖ-Apparat, Auftritte mit Identitären, neurechte Publizistik und eine Sprache, die deren Begriffe in die Parteipolitik übersetzt. Mit Walch erscheint die Verbindung zwischen der FPÖ und Kubitscheks Milieu erstmals als persönliche Teilnahme an dessen größtem Vernetzungstreffen.
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