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Lesezeit: 4 Minuten

FPÖ-Politiker Fabian Walch beim Sommerfest in Schnellroda

Der Inns­bru­cker FPÖ-Gemein­de­rat Fabi­an Walch besuch­te am 11. Juli mit sei­ner Frau Götz Kubit­scheks Som­mer­fest in Schnell­ro­da. Sei­ne Teil­nah­me führt einen akti­ven FPÖ-Poli­ti­ker in eine zen­tra­le Schalt­stel­le der deutsch­spra­chi­gen Neu­en Rech­ten, die der deut­sche Ver­fas­sungs­schutz als gesi­chert rechts­extre­mis­tisch ein­ge­stuft hat.

27. Juli 2026
Schnellroda 11,.7.26: Fabian Walch mit Ehefrau, links dahinter Melanie Mair (Foto: recherche-nord)
Schnellroda 11,.7.26: Fabian Walch mit Ehefrau, links dahinter Melanie Mair (Foto: recherche-nord)

Ein FPÖ-Funktionär in Schnellroda

Ein Foto von recher­che-nord zeigt Fabi­an Walch samt Ehe­frau bei der Ankunft in der Neu­rech­ten-Zen­tra­le in Sach­sen-Anhalt. Hin­ter den bei­den geht die Jugend­spre­che­rin der Süd-Tiro­ler Frei­heit, die für ihre Teil­nah­me in Schnell­ro­da hef­ti­ge Kri­tik ein­ste­cken muss.

Nach unse­rem Wis­sen­stand ist Walch der ers­te bekann­te akti­ve FPÖ-Poli­ti­ker bei dem jähr­li­chen Tref­fen in Schnell­ro­da (Sach­sen-Anhalt). Frü­he­re öster­rei­chi­sche Gäs­te stamm­ten über­wie­gend aus dem iden­ti­tä­ren und neu­rech­ten Vor­feld. 2024 waren dort unter ande­rem Mar­tin Sell­ner, Phil­ipp Hue­mer für den „Hei­mat­ku­rier“, Micha­el Scharf­mül­ler von „Info-Direkt“, Kon­rad Weiß vom „Eck­art“. Auch heu­er reis­ten Sell­ner, iden­ti­tä­rer Anhang, dar­un­ter der wegen Kör­per­ver­let­zung ver­ur­teil­te Kubit­schek-Sohn Wie­land, Gesicht der Wie­ner Iden­ti­tä­ren, und zwei öster­rei­chi­sche Neo­na­zis an.

Walch sitzt für die FPÖ im Inns­bru­cker Gemein­de­rat und fun­giert dort als stell­ver­tre­ten­der Klub­ob­mann. Damit nimmt ein akti­ver Man­da­tar an jenem Tref­fen teil, bei dem sich ideo­lo­gi­sche Pro­du­zen­ten, Akti­vis­ten, Ver­le­ger, Bur­schen­schaf­ter und AfD-Funk­tio­nä­re austauschen.

Schnellroda als politische Schaltstelle

Das Som­mer­fest ist eine jähr­li­che Heer­schau der Neu­en Rech­ten. Der Ver­an­stal­tungs­ort bil­det seit Jah­ren das Zen­trum um Götz Kubit­schek, sei­nen Ver­lag Antai­os und das frü­he­re Insti­tut für Staats­po­li­tik. Dort wer­den Bücher ver­kauft, Kader gebun­den, Kon­tak­te in Par­tei­en gepflegt und Stra­te­gien für den gesell­schaft­li­chen Kul­tur­kampf verbreitet.

Der deut­sche Ver­fas­sungs­schutz führt den Kubit­schek-Ver­lag Antai­os seit 2024 als „gesi­chert rechts­extre­mis­ti­sche Bestre­bung“. Antai­os ver­brei­te eine eth­nisch-abstam­mungs­mä­ßi­ge Vor­stel­lung von Volks­zu­ge­hö­rig­keit sowie ras­sis­ti­sche und geschichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Inhal­te. Der Ver­lag habe zudem maß­geb­lich dazu bei­getra­gen, den Begriff „Remi­gra­ti­on“ im all­ge­mei­nen poli­ti­schen Raum zu plat­zie­ren, heißt es im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2024.

Karriere im FPÖ-Parteiapparat

Walch wur­de im frei­heit­li­chen Vor­feld und im Par­tei­ap­pa­rat sozia­li­siert. 2017 star­te­te er in der FPÖ durch. Von 2017 bis 2019 führ­te er den Ring Frei­heit­li­cher Stu­den­ten Tirol, war FPÖ-Bezirks­par­tei­ob­mann (Reut­te) und begann sei­ne Tätig­kei­ten als Lan­des­par­tei­se­kre­tär, Pres­se­spre­cher, Büro­lei­ter und stell­ver­tre­ten­der Klub­di­rek­tor der Tiro­ler FPÖ. Seit 2020 ist er Obmann des Frei­heit­li­chen Aka­de­mi­ker­ver­bands Tirol und tritt regel­mä­ßig als Refe­rent des Frei­heit­li­chen Bil­dungs­in­sti­tuts auf. Seit Mai 2024 gehört der Mul­ti­funk­tio­när dem Inns­bru­cker Gemein­de­rat an, ist dort Klub­ob­mann-Stell­ver­tre­ter und Klubdirektor.

2023, beim rechts­extre­men „Berg-Kon­gress“ des Ver­eins Hay­mon wohn­te Walch mit den Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Dani­el Mar­schik und Gud­run Kof­ler unter ande­rem der Prä­sen­ta­ti­on des neo­na­zis­ti­schen Schu­lungs­pro­jekts Meta­Pol teil. Als Refe­rent trat dort auch Erik Ahrens auf, ein damals für den AfD-Rechts­au­ßen Maxi­mi­li­an Krah täti­ger Neo­na­zi-Akti­vist. Die offe­ne Ver­net­zung zwi­schen FPÖ-Mandatar:innen, Iden­ti­tä­ren und wei­te­ren Rechts­extre­men hat Stoppt die Rech­ten im Sep­tem­ber 2024 doku­men­tiert.

Im März 2026 folg­te der gemein­sa­me Auf­tritt mit dem Iden­ti­tä­ren Chris­toph Albert bei der Bur­schen­schaft Cru­xia in Leo­ben. Albert pro­pa­giert eth­ni­sche Homo­ge­ni­tät, Mas­sen­ab­schie­bun­gen und geschichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Posi­tio­nen. Walch erklär­te anschlie­ßend, er habe mit dem gemein­sa­men Auf­tritt kein Pro­blem. SPÖ und Grü­ne for­der­ten sei­nen Rück­tritt aus dem Inns­bru­cker Gemeinderat.

Fabian Walch als Redner beim "Marsch fürs Leben" am 7.3.26 in Innsbruck (Foto: Presseservice Wien)
Fabi­an Walch als Red­ner beim „Marsch fürs Leben” am 7.3.26 in Inns­bruck (Foto: Pres­se­ser­vice Wien)

„Beate statt Aisha“ und die Hitler-Chats-Affäre

Walch lie­fer­te schon früh ras­sis­tisch auf­ge­la­de­ne Kul­tur­kämp­fe. 2018 for­der­te er „Gün­ther und Bea­te statt Mus­ta­fa und Aisha in Schul­bü­chern“, nach­dem er tür­ki­sche und ara­bi­sche Namen in Unter­richts­ma­te­ria­li­en der Volks­schu­le Elmen ange­pran­gert hat­te. Der Schul­di­rek­tor erklär­te, die genann­ten Mate­ria­li­en sei­en dort nie ver­wen­det worden.

Im sel­ben Jahr ver­tei­dig­te Walch die FPÖ Imst in der Affä­re um Nazi-Chats in einer inter­nen Whats­App-Grup­pe. Er sprach von „Fake News“ und einer geziel­ten Sabo­ta­ge der Par­tei. Mona­te spä­ter wur­den zwei Funk­tio­nä­re aus der FPÖ Imst wegen Wie­der­be­tä­ti­gung ver­ur­teilt.

Der identitäre Sound

Walchs sprach­li­ches Reper­toire ent­stammt dem Wör­ter­buch der Iden­ti­tä­ren. 2024 begann er alle sei­ne Social-Media-Vide­os mit der Phra­se „Freun­de der Remi­gra­ti­on“. Auch auf sei­nem X‑Account über­nimmt er seit Jah­ren zen­tra­le Begrif­fe und Feind­bil­der der Iden­ti­tä­ren. Er erklärt den „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“ zur Rea­li­tät, bewirbt „Remi­gra­ti­on“, ver­tei­digt Mar­tin Sell­ner und ver­bin­det Migra­ti­on aus­schließ­lich mit Kri­mi­na­li­tät, Wohl­stands­ver­lust und kul­tu­rel­lem Niedergang.

Die­se Spra­che ist auch Teil sei­ner offi­zi­el­len Par­tei­kom­mu­ni­ka­ti­on. Im März 2025 erklär­te Walch in einer Aus­sendung der FPÖ Tirol: „Die Lösung lau­tet Remi­gra­ti­on.“ Im Mai sprach er erneut vom fort­schrei­ten­den „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“. In der neu­rech­ten Zeit­schrift „Frei­lich“ emp­fahl er Ende 2025 ein Buch des deut­schen Antai­os- Autors Bene­dikt Kai­ser als „Schwert im Kampf um kul­tu­rel­le Macht“. Lek­tü­re aus dem Antai­os-Ver­lag gehört über­haupt zu Walchs fixem Bestand.

Fabian Walch: "Die Neuzugänge sind angekommen. Bin schon sehr gespannt muss ich für Band 100 noch einen Platz frei halten... wann, @Verlag_Antaios?" (Screenshot X 23.3.26)
Fabi­an Walch: „Die Neu­zu­gän­ge sind ange­kom­men. Bin schon sehr gespannt muss ich für Band 100 noch einen Platz frei hal­ten… wann, @Verlag_Antaios?” (Screen­shot X 23.3.26)

Walchs Schnell­ro­da-Besuch bün­delt sei­ne bis­he­ri­ge Ent­wick­lung: Kar­rie­re im FPÖ-Appa­rat, Auf­trit­te mit Iden­ti­tä­ren, neu­rech­te Publi­zis­tik und eine Spra­che, die deren Begrif­fe in die Par­tei­po­li­tik über­setzt. Mit Walch erscheint die Ver­bin­dung zwi­schen der FPÖ und Kubit­scheks Milieu erst­mals als per­sön­li­che Teil­nah­me an des­sen größ­tem Vernetzungstreffen.

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Schlagwörter: FPÖ | Identitäre | Rechtsextremismus | Tirol | Vernetzung | Weite Welt

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