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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Der neue Lack des Jagsthausener Kreises

Fran­co A. war ander­wei­tig im Ein­satz. Der wegen Rechts­ter­ro­ris­mus ver­ur­teil­te deut­sche Offi­zier, der zumin­dest 2016 an der Tagung des Jagst­hau­se­ner Krei­ses in Frei­las­sing (Bay­ern) teil­ge­nom­men hat­te, konn­te zu den zwei Tagun­gen der Jagst­hau­se­ner im Jahr 2022 wegen sei­nes unfrei­wil­li­gen Haft­auf­ent­hal­tes nicht anrei­sen. Die Jagst­hau­se­ner wol­len zwar nicht mehr so genannt wer­den, aber sonst dürf­te alles so sein wie frü­her: deut­lich rechtsextrem.

27. Okt. 2022

Ver­mut­lich durf­ten wir dar­an mit­wir­ken, dass sich der ver­schwie­ge­ne Kreis der Jagst­hau­se­ner nicht mehr so nen­nen will, son­dern auf die ziem­lich clea­ne Bezeich­nung „Zukunfts­werk­statt“ wech­sel­te. Sogar der Ort der Tref­fen hat gewech­selt: von Frei­las­sing an der Gren­ze zu Salz­burg nach Anif bei Salz­burg. Und einer der bei­den Orga­ni­sa­to­ren ist abhan­den gekom­men: Wolf­gang Cas­part, der schrift­sach­ver­stän­di­ge schla­gen­de Corps­stu­dent, der auch Ver­läss­lich­keits­prü­fun­gen nach dem Waf­fen­ge­setz vor­neh­men darf, ist nicht mehr Organisator.

War­um das so ist, erklärt der nun­mehr allei­ni­ge Orga­ni­sa­tor, Kon­rad Fal­ko Wut­scher, in dem „Leit­bild“, mit dem im Früh­jahr die „Zukunfts­werk­statt“ vor­ge­stellt wur­de, lei­der nicht. An die 40, 50 Per­so­nen, „vor allem Unter­neh­mer, Adel, Diplo­ma­ten, Mili­tär, Wis­sen­schaft­ler usw.“, sol­len an den Tagun­gen teil­neh­men: „Die Gäs­te sind per­sön­lich und hand­ver­le­sen ein­ge­la­den bzw. sind die Tagun­gen strikt pri­vat und nicht­öf­fent­lich“, hieß es sei­tens des Veranstalters.

Obwohl „jedem Besu­cher eine strik­te Ver­trau­lich­keit auf­ge­tra­gen ist“, gibt es wel­che, die sich nicht dar­an hal­ten und öffent­lich plau­dern. Der frü­he­re tsche­chi­sche Staats­prä­si­dent Václav Klaus, der ein­mal ein stram­mer Rechts­kon­ser­va­ti­ver war, mitt­ler­wei­le aber kein Pro­blem mehr hat, die rechts­extre­me Ver­schwö­rungs­er­zäh­lung vom „Gre­at Reset“ in den Mund zu neh­men, zeig­te wie schon bei sei­nen frü­he­ren Besu­chen beim Jagst­hau­se­ner Kreis in Frei­las­sing auch dies­mal auf und ver­fass­te nach sei­ner „klei­nen Aus­lands­rei­se“ Noti­zen, die er auf sei­ner Web­site veröffentlichte.

Václav Klaus über seine Teilnahme bei der frisch lackierten "Zukunftswerkstatt" in Anif (Screenshot Website Klaus)
Václav Klaus über sei­ne Teil­nah­me bei der frisch lackier­ten „Zukunfts­werk­statt” in Anif (Screen­shot Web­site Klaus)

Wäh­rend Václav Klaus noch ganz dezent von einer „leb­haf­ten Kon­fe­renz“ (30.4. /1.5.22) spricht, wird ein ande­rer schon deut­li­cher und legt auf sei­nem Face­book-Account, in eini­gen Face­book-Grup­pen und auf dem Por­tal sei­nes Klein­ver­lags ordent­lich nach und einen hef­ti­gen Streit mit eben­je­nem Vaclav Klaus offen. Peter Hai­sen­ko war der Kon­tra­hent, der bei dem streng ver­trau­li­chen Tref­fen über die „Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land – wie geht es wei­ter?“ refe­rier­te. Hai­sen­ko ist ein pro­rus­si­scher und anti­se­mi­ti­scher Ver­schwö­rungs­pro­pa­gan­dist, dem auf psiram.com ein aus­führ­li­cher Ein­trag gewid­met ist. Sei­nem Face­book-Kon­to ent­neh­men wir auch, dass er ein glü­hen­der Fan der rechts­extre­men AfD ist.

Peter Haisenko liebt die AfD (Screenshot FB)
Peter Hai­sen­ko liebt die AfD (Screen­shot FB)

Aber wor­um haben sich die zwei denn gestrit­ten, wo sie doch bei­de an die gro­ße Welt­ver­schwö­rung glau­ben? Ein tsche­chi­scher Rech­ter und ein deut­scher Rechts­extre­mer? Natür­lich um Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger und die Beneš-Dekre­te. Wir wol­len den unap­pe­tit­li­chen Streit hier gar nicht wei­ter aus­füh­ren, son­dern ihn mit Peter Hai­sen­ko abschlie­ßen: „Er ver­ließ unter Pro­test den gemein­sa­men Tisch des Abend­essens.“

Haisenko über Konflikt mit Klaus in Anif (Screenshot FB)
Hai­sen­ko über Kon­flikt mit Klaus in Anif (Screen­shot FB)

Davon ist bei Václav Klaus, der sonst so gesprä­chi­gen Plau­der­ta­sche, aber gar nichts zu lesen. Vom ers­ten Tref­fen des frisch gestri­che­nen „Jagst­hau­se­ner Krei­ses“ ist sonst nicht viel zu berich­ten, Reicht aber eigent­lich, oder? Der Lack ist schon wie­der ab.

Programm "Zukunftswerkstatt" (Jagsthausener Kreis) April/Mai 22: mit Klimawandelleugner Horst-Joachim Lüdecke, Peter Haisenko und Degussa-Chef Markus Krall
Pro­gramm „Zukunfts­werk­statt” (Jagst­hau­se­ner Kreis) April/Mai 22: mit Kli­ma­wan­del­leug­ner Horst-Joa­chim Lüdecke, Peter Hai­sen­ko und Degus­sa-Chef Mar­kus Krall

Mitt­ler­wei­le hat bereits das zwei­te Tref­fen statt­ge­fun­den: Mit­te Okto­ber. Am Pro­gramm­ent­wurf stand einer, der gut zu dem Kreis aus Rechts­extre­men, Geheim­dienst­lern, Unter­neh­mern und Mili­tärs, wie wir ihn bereits aus den frü­he­ren Tref­fen der Jagst­hau­se­ner ken­nen, passt: Gert Pol­li, der frü­he­re Chef des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz (BVT) durf­te über ein The­ma refe­rie­ren, in dem er wirk­lich eini­ges weiß: „Die Schat­ten­wel­ten der Geheim­diens­te – ein Erfahrungsbericht“

Damit die Sache nach Pol­li, dem „geheim­nis­vol­len Bera­ter von Innen­mi­nis­ter Kickl“ (kurier.at, 19.9.18), auch noch ein­di­men­sio­nal auf der rech­ten Linie bleibt, wur­de mit dem Refe­ren­ten Alex­an­dr Sos­now­ski nach­ge­legt. „Russ­land und Deutsch­land – wie geht es wei­ter?“ war das The­ma des rus­si­schen Kriegs­trei­bers. Im Juni hat­te er im rus­si­schen Staats­fern­se­hen Wla­di­mir Solo­wjow, den „Mode­ra­tor“ der Sen­dung, auf die Idee gebracht, über die – gerin­gen – Waf­fen­re­ser­ven der NATO und Deutsch­lands zu spe­ku­lie­ren. Solo­wjow: „Dann soll­ten wir eine zwei­te Front eröff­nen und auf Deutschland drauf­hau­en, solan­ge sie kom­plett unbe­waff­net sind“, rief der Kreml-Pro­pa­gan­dist aus. „Damit es kei­ne Illu­sio­nen bei den Nazis gibt.“ (bz-berlin.de, 16.6.22)

Ob und wel­che wei­te­ren Teil­neh­mer aus FPÖ, AfD und ande­ren rechts­extre­men Krei­sen bei den bei­den Tref­fen anwe­send waren, wis­sen wir (noch) nicht. Wir freu­en uns über ent­spre­chen­de Mit­tei­lun­gen! Für 24.–26.3 23 ist das nächs­te Tref­fen der Jagst­hau­se­ner bzw. der „Zukunfts­werk­statt“ geplant – wie­der im Hotel Frie­sa­cher in Anif.

Bleibt aber die Fra­ge: War­um sol­len rechts­extre­me Mee­tings, bei denen älte­re Her­ren über KZ und Beneš-Dekre­te strei­ten und übels­te Kriegs­het­ze ver­brei­ten, eigent­lich in Öster­reich stattfinden?

➡️ Die alten Jagsthausener

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