Proteste gegen Burschenschaftertreffen in Wels

Vom 16. bis zum 18. Sep­tem­ber 22 soll in Wels der „Burschen­tag” des Öster­re­ichis­chen Pen­näler­rings (ÖPR) stat­tfind­en. Die frei­heitlich geführte Stadt will das Tre­f­fen fördern. Gegen die Ver­anstal­tung mit der Beteili­gung von recht­sex­tremen Kor­po­ra­tio­nen protestieren die „Welser Ini­tia­tive gegen Faschis­mus”, das „OÖ. Net­zw­erk gegen Ras­sis­mus und Recht­sex­trem­is­mus” und das „Mau­thausen Kom­mi­tee Österreich”.

Presseaussendung „Welser Ini­tia­tive gegen Faschismus”

Antifa fordert Absage von recht­sex­tremem Tre­f­fen: „Wels ist kein Tum­melplatz für Ewiggestrige!“ Aus­geprägte Nähe des Pen­näler­rings zur NS-Ideologie

Von 16. bis 18. Sep­tem­ber wollen sich die deutschna­tionalen Mit­telschülerverbindun­gen des Öster­re­ichis­chen Pen­näler­rings (ÖPR) in Wels tre­f­fen. Die Stadt mit ihrem blauen Bürg­er­meis­ter Andreas Rabl fördert den geplanten „Burschen­tag“ aus Steuergeld: 5.000 Euro sollen die FPÖ-nahen „Pen­näler“ bekom­men. Möglicher­weise soll auch die Stadthalle für den „Fes­tkom­mers“ kosten­los zur Ver­fü­gung gestellt werden.

„Dabei liefern Verbindun­gen des Pen­näler­rings seit Jahrzehn­ten immer wieder Beweise für ihre braune Gesin­nung“, betont Wern­er Ret­zl, Vor­sitzen­der der Welser Ini­tia­tive gegen Faschis­mus (Antifa). Unter Rück­griff auf Recherchen des Doku­men­ta­tion­sarchivs des öster­re­ichis­chen Wider­standes (DÖW) hat die Antifa einige Beispiele für die anhal­tenden recht­sex­tremen Umtriebe der „schla­gen­den“ Mit­telschüler aufgelistet:

Die „Goth­ia Wels“, Gast­ge­berin des „Burschen­t­ages“, emp­fahl auf ihrer Home­page das neon­azis­tis­che „Nationale Info-Tele­fon“ als „bestes täglich­es Infor­ma­tion­s­medi­um für Quer­denker“. Der ver­stor­bene Welser Recht­san­walt Ger­not Kusatz, „Alter Herr“ und langjähriger Men­tor der „Goth­ia“, sorgte einst bei sein­er Vertei­di­gung von drei Neon­azis für Auf­se­hen, weil er das NS-Ver­bots­ge­setz als „nicht mehr zeit­gemäß“ abgeschafft haben wollte.

Die „Ger­ma­nia Ried“ lud den deutschen Neon­azi-Lie­der­ma­ch­er „Fyl­gien“ alias Sebas­t­ian Döhring zu einem Geheimkonz­ert ins Innvier­tel ein. Mit Ver­spä­tung erfuhr die Öffentlichkeit trotz­dem davon. Döhrings Lieder wer­den vom Ver­fas­sungss­chutz Bran­den­burg als „recht­sex­trem­istis­che Hass-Musik“ eingestuft. Unter anderem besingt „Fyl­gien“ Ralf Wohlleben, einen wegen Bei­hil­fe zum Mord verurteil­ten Unter­stützer der Ter­ror­gruppe „Nation­al­sozial­is­tis­ch­er Unter­grund“ (NSU).

Der „Donauhort Aschach“ dro­hte im Inter­net mit „deutschen Hieben“ und nan­nte als sein Verbindungslied das „Treuelied“ der SS. Erst nach einem Protest­brief inter­na­tionaler Dachver­bände von KZ-Über­leben­den an Lan­deshaupt­mann Thomas Stelz­er wur­den die ein­deuti­gen Beken­nt­nisse gelöscht.

Die „Eysn zu Steyr“ lud Mar­tin Sell­ner, den Chef der recht­sex­tremen „Iden­titären“, zu einem Vor­trag unter dem Titel „Defend Europe“ ein. Weil es in den Stadt bre­it­en Wider­stand gab, kon­nte der Vor­trag nicht öffentlich, son­dern nur in der Bude der Burschen­schaft gehal­ten wer­den. Später wur­den Kon­tak­te von Sell­ner mit Bren­ton Tar­rant, dem Neon­azi-Massen­mörder von Christchurch, bekan­nt. Tar­rant spendete 1.500 Euro für die ras­sis­tis­chen Aktiv­itäten der öster­re­ichis­chen „Iden­titären“.

Die „Quer­cus-Marko­man­nia Linz“ bekun­dete ihre Unter­stützung der recht­sex­tremen „Iden­titären“ auf einem „Burschen­tag“ im Jahr 2016. Ein Sprech­er der Burschen­schaft lobte die „sin­nvolle außer­par­la­men­tarische Arbeit“ der „Iden­titären“ und appel­lierte an die Teil­nehmer des Tre­f­fens: „Sie warten darauf, dass auch wir mit jed­er Fas­er unseres Herzens alles geben, um nicht unterzuge­hen, um nicht diesen Kampf der Kul­turen zu verlieren!“

Die „Van­dalia Wien“ brachte in ihrer Bude ein anti­semi­tis­ches Plakat des früheren deutschen Recht­ster­ror­is­ten Peter Nau­mann an.

Die „Ger­ma­nia Wiener Neustadt“ fiel durch ein Lieder­buch mit anti­semi­tis­chen und ras­sis­tis­chen Tex­ten auf. Bun­de­spräsi­dent Alexan­der Van der Bellen beze­ich­nete diese Texte als „zutief­st ver­ab­scheuungswürdig“.

Die Zeitschrift „Junges Leben“ des Öster­re­ichis­chen Pen­näler­rings bewarb mehrfach recht­sex­treme Pub­lika­tio­nen, darunter solche der „Arbeits­ge­mein­schaft für demokratis­che Poli­tik“. Let­ztere wurde vom bekan­nten Ver­fas­sung­sex­perten Heinz May­er in einem Gutacht­en als neon­azis­tisch eingestuft. Die ÖPR-Zeitschrift pries auch Büch­er des Recht­sex­trem­is­ten Rolf Kosiek und des Holo­caust-Leugn­ers Gerd Zike­li an.

„Die völkischen Män­ner­bünde lehnen die öster­re­ichis­che Nation ab und schließen die weib­liche Hälfte der Bevölkerung von der Mit­glied­schaft aus. Ergänzt wird das Bild des Pen­näler­rings durch die Men­sur, ein absur­des Männlichkeit­sritu­al, bei dem sich in den ÖPR-Verbindun­gen schon Jugendliche blutig schla­gen“, sagt Wern­er Ret­zl. „Fest ste­ht: Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, welch­es demokratiefeindliche Gedankengut hin­ter dem geplanten ‚Burschen­tag‘ steht.“

Der Antifa-Vor­sitzende fordert die Absage des recht­sex­tremen Tre­f­fens: „Wels ist kein Tum­melplatz für Ewiggestrige! Wer Faschis­mus ablehnt, muss hier ganz klar Posi­tion beziehen. Auch Bürg­er­meis­ter Rabl gibt ja jedes Jahr vor, der NS-Opfer zu gedenken. Wenn er das wider Erwarten ernst meint, kann er gar nicht anders, als die Neon­azi-Fre­unde auszu­laden! Erst recht ist jede Förderung der Burschen­schafter völ­lig verantwortungslos.“

Presseaussendung „Mau­thausen Kommitee”

Mau­thausen Komi­tee und Net­zw­erk gegen Ras­sis­mus: „Burschen­tag“ in Wels ist Ver­höh­nung der NS-Opfer

Mitte Sep­tem­ber soll in Wels ein „Burschen­tag“ stat­tfind­en – gemeint ist ein Tre­f­fen der deutschna­tionalen Mit­telschülerverbindun­gen des Öster­re­ichis­chen Pen­näler­rings (ÖPR). Der Welser FPÖ-Bürg­er­meis­ter Andreas Rabl will dieses Tre­f­fen sub­ven­tion­ieren, obwohl nicht nur einzelne ÖPR-Verbindun­gen immer wieder durch recht­sex­treme und anti­semi­tis­che Inhalte auf­fall­en, son­dern auch die ÖPR-Zeitschrift „Junges Leben“. FPÖ und ÖVP haben im Stadt­se­n­at für die Sub­ven­tion ges­timmt, SPÖ und Grüne dage­gen. Die Welser Ini­tia­tive gegen Faschis­mus (Antifa) fordert die Absage des Tre­f­fens. Das Mau­thausen Komi­tee Öster­re­ich (MKÖ) sowie das OÖ. Net­zw­erk gegen Ras­sis­mus und Recht­sex­trem­is­mus schließen sich dieser Forderung vollinhaltlich an.

„Die Fak­ten zum Pen­näler­ring müssen alle demokratis­chen Kräfte alarmieren! Der ‚Burschen­tag ist eine Ver­höh­nung der NS-Opfer“, sagt Willi Mernyi, Vor­sitzen­der des Mau­thausen Komi­tees Öster­re­ich (MKÖ). „Wenn es Bürg­er­meis­ter Rabl um Wels gin­ge, würde er die Ewiggestri­gen nicht mit Steuergeld fördern, son­dern sofort aus­laden. Aber weil der ÖPR sein­er Partei nah­este­ht, wird er das nicht tun. Lan­deshaupt­mann Thomas Stelz­er wiederum nimmt auf seinen Koali­tion­spart­ner FPÖ Rück­sicht. Dabei sollte er ganz klare Worte find­en, denn Oberöster­re­ich hat ein mas­sives Rechtsextremismus-Problem.“

„Zulet­zt ist die ohne­hin hohe Zahl recht­sex­tremer Straftat­en auch bun­desweit stark gestiegen, aber Oberöster­re­ich führt die trau­rige Sta­tis­tik seit Jahren an“, erin­nert Robert Eit­er, Sprech­er des OÖ. Net­zw­erks gegen Ras­sis­mus und Recht­sex­trem­is­mus. „Das ist im Bun­des­land, in dem sich die KZ-Gedenkstätte Mau­thausen befind­et, beson­ders unerträglich. Übri­gens kon­nten die vie­len Schän­dun­gen dieser Gedenkstätte und andere schwere Straftat­en der braunen Szene nicht aufgek­lärt wer­den. Poli­tik und Behör­den sor­gen für keinen wirk­samen Aktion­s­plan. Und jet­zt soll es noch ein recht­sex­tremes Tre­f­fen in Wels geben?“

Das Mau­thausen Komi­tee und das Net­zw­erk gegen Ras­sis­mus appel­lieren an Lan­deshaupt­mann Thomas Stelz­er und die demokratis­chen Parteien Oberöster­re­ichs, alles zu tun, damit der „Burschen­tag“ nicht stattfindet.

Meldung zum Burschentag 2022 in "Junges Leben" (Zeitschrift des ÖPR): Empfang durch den FPÖ-Bürgermeister Rabl und Festkommers in der Welser Stadthalle

Mel­dung zum Burschen­tag 2022 in „Junges Leben” (Zeitschrift des ÖPR): Emp­fang durch den FPÖ-Bürg­er­meis­ter Rabl und Fes­tkom­mers in der Welser Stadthalle