2 Ex-Politiker und 3 NS-Symbole

Wer im Kärntner Mölltal den gleichnamigen Radweg befährt, kommt direkt an einem Anwesen von zwei Ex-Politikern vorbei, dessen hölzernes Eingangstor mit drei deutlich sicht- und erkennbaren Runen, die auch als NS-Symbole dienten, verziert ist. Da deren Verwendung mutmaßlich strafbar ist, hat die Grüne Nationalratsabgeordnete Olga Voglauer Anzeige erstattet.

Da staunte ein Bewohner eines kleinen Kärntner Ortes im Mölltal nicht schlecht, als er, bei einem Anwesen, das bereits aus anderen Gründen im Ort Aufsehen erregt hatte, vorbeiradelte und drei eingefräste Runen am Holztor entdeckte. Die Bedeutung der dort angebrachten Runen im Nationalsozialismus ist bestens belegt. Die Wolfsangel fand nicht nur in der Hitlerjugend als Funktionszeichen Verwendung, sondern auch in der der 2. SS-Panzerdivision. Die Si(e)grune war in der einfachen Form das Emblem des Deutschen Jungvolks in der Hitlerjugend, in der doppelten Form das Markenzeichen der SS. Die Odal-Rune, abgeleitet von der germanischen Silbe „Od“, die „Besitz“ oder „Erbe“ bedeutet und im NS als „Blut- und Boden“-Symbol Eingang fand, wurde auch von der Reichsbauernschaft, der Hitlerjugend, vom Rasse- und Siedlungsamt sowie von diversen SS-Freiwilligenverbänden verwendet. Die Kombination der drei Runen lässt vermutlich jedes braungefärbte Herz höher schlagen.

Wolfsangel, Si(e)grune und Odal-Rune am Eingangstor

Wolfsangel, Si(e)grune und Odal-Rune am Eingangstor

Wer also platziert diese geschichtsträchtigen Symbole für die Öffentlichkeit sichtbar auf seinem Besitz? Ein Blick ins Grundbuch zeigt: Das Anwesen steht zu je 50% im Eigentum von zwei ehemaligen Politikern, die auf Bundesebene und auch in der Landespolitik tätig waren. Die Kärntner Nationalratsabgeordnete Olga Voglauer (Grüne) hat nun mit einer ausgezeichnet begründeten Sachverhaltsdarstellung an die Bezirkshauptmannschaft Spittal an der Drau Anzeige nach dem Abzeichengesetz erstattet.

Unbekannte Personen haben in der Gemeinde XY Embleme/Symbole angebracht, deren Anbringung nach dem Abzeichengesetz (BGBl 1960/84 idF BGBl. I 2012/113, in weiterer Folge AbzG) mutmaßlich verboten ist. Es handelt sich dabei um Embleme/Symbole von nach dem Verbotsgesetz verbotenen Organisationen. So die Eigentümer des Grundstückes diese Embleme/Symbole nicht selbst angebracht haben, dulden sie deren dauerhafte Anbringung bzw. Zurschaustellung. (…) Die drei mittig und fein säuberlich in das Holztor eingefrästen Embleme/Symbole sind von außen gut ersichtlich und frei zugänglich. Der Mölltalradweg führt direkt am eingezäunten Grundstück vorbei, wobei die Embleme/Symbole deutlich vom Radweg zu erkennen sind.

Auf die Erklärung der Grundstücksbesitzer sind wir gespannt. Vielleicht hat hier ein Krokodil zugebissen und von Wotans Hand geführt die drei Zeichen hinterlassen?

Update 21.11.20: „In einem Gespräch mit dem ORF bestritt einer der beiden Ex-Politiker nicht, diese Runen eingefräst zu haben, mit Nazi-Symbolen hätten diese aber nichts zu tun – offiziell sagte er aber zu der Anzeige nur ‚Keine Stellungnahme‘.“ (kaernten.orf.at, 21.11.20)