Budapest: Neonazi-Aufmarsch in SS-Klamotten

Wenn in Budapest unter Hunderten Neonazis – teilweise in SS-Adjustierung – auch einige österreichische aus dem Nachlass der Alpen-Donau-Truppe aufmarschieren, ist einer ihrer Altvorderen, der Steirer Franz Radl, ganz gerührt und spricht ihnen Anerkennung fürs „Durchhalten“ aus. Wofür? Für die blutige Niederlage der braunen Pfeilkreuzler und SS-Verbände im Februar 1945 nach Wochen des sinnlosen „Durchhaltens“? Oder dafür, dass auch 2020 noch immer Neonazis diese Mordtruppe feiern?

Der eigentliche Skandal ist nicht der alternde Neonazi, den die Rührung überkommt, wenn er einige kostümierte Neonazis, unter ihnen „seine“ Jungs, aufmarschieren sieht, sondern der Umstand, dass sich in einer europäischen Hauptstadt unter polizeilichem Begleitschutz Hunderte Neonazis zusammenrotten und ganz offen – auch als SS kostümiert – durch die Stadt marschieren dürfen. Budapest 2020, die Hauptstadt von Viktor Orbans illiberaler Herrschaft!

Radl zum "Tag der Ehre" Budapest 2020 (Screenshot vk.com)

Radl zum „Tag der Ehre“ Budapest 2020 (Screenshot vk.com)

Seit 20 Jahren findet zum Gedenken an die Belagerung Budapests durch sowjetische Truppen bzw. den verzweifelten Ausbruchsversuch, der am 12. Februar 1945 mit der fast völligen Auslöschung der 17.000 Ausgebrochenen und darauf folgender Kapitulation endete, dieser groteske Aufmarsch von Neonazis statt.

"Tag der Ehre" Budapest 2020 SS-Kappe (Foto: recherche-nord.com)

Neonazi-Aufmarsch Budapest 2020 SS-Kappe (Foto: recherche-nord.com)

"Tag der Ehre" Budapest 2020 SS-Runen (Fotos: recherche-nord.com)

Neonazi-Aufmarsch Budapest 2020 SS-Runen (Fotos: recherche-nord.com)

Hitler hatte während der monatelangen und sehr verlustreichen Belagerung Budapest zur Festung erklärt, jeden Ausbruchsversuch verboten und eine Gegenoffensive angeordnet. Im Innern der belagerten Stadt terrorisierten Pfeilkreuzler und SS die Bevölkerung, vor allem die wenigen im Ghetto verbliebenen Juden. Einer der beim Ausbruchsversuch Umgekommenen war der Wehrmachtsgeneral Gerhard Schmidhuber, der zuvor noch das Ghetto gegen die Mordbanden der Pfeilkreuzler unter Schutz gestellt hatte. Das und den Widerstand gegen Hitlers Ausbruchsverbot haben die geschichtsverlorenen Neonazis sicher nicht im Sinn, wenn sie – wie der deutsche Neonazi Matthias Deyda, „Auslandsbeauftragter“ der braunen Splitterpartei „Die Rechte“ – vom „europäischen Befreiungskampf“ schwätzen und als ihren Feind natürlich Rothschild oder Goldman und Sachs benennen. Soros hat er vergessen zu erwähnen, aber gegen den kämpft eh schon der Viktor Orban!

Wie viele Neonazis da aus halb Europa, aber natürlich vor allem aus Ungarn, zu diesem braunen Spektakel zusammengekommen sind, lässt sich aus den diversen Berichten nur ungefähr zusammenreimen. Die meisten Berichte halten 500 bis 700 für realistisch, nur die Neonazis von „Die Rechte“ träumen von Tausenden. Auffällig war beim Aufmarsch heuer, der von der „Legio Hungaria“ und den „Hammerskins“ organisiert und abgesichert wurde, dass die in den letzten Jahren dominante „Blood & Honour“-Präsenz weniger sichtbar war. Die ungarischen Neonazis sind sich nämlich auch untereinander spinnefeind. Die schwer antisemitische „Legio“, die sich mit der deutschen Nazi-Gruppe „Die Rechte“ im „Bündnis Festung Europa“ zusammengespannt hat, ist für Überfälle auf das linke Kulturzentrum „Aurora“ im Vorjahr verantwortlich.

Legio Hungaria Budapest 2019

Legio Hungaria Budapest 2019

Aus Österreich waren heuer nur einige wenige der üblichen Verdächtigen angereist, aber mehr als in früheren Jahren, wo sie völlig geschwänzt hatten. Auch in diesem Jahr ist dem braunen Aufmarsch ein antifaschistisches Bündnis, an dem sich einige hundert Personen beteiligten, entgegengetreten.

"Tag der Ehre" Budapest 2020: Kindersoldat (Foto: recherche-nord.com)

Neonazi-Aufmarsch Budapest 2020: Kindersoldat (Foto: recherche-nord.com)

Bericht Belltower mit Video: „Unser Feind heisst Rothschild und Goldman und Sachs“