Melk: 3 FPÖ-Kandidaten mit braunen Geschichten

Die FPÖ Melk schafft es, mit sechs Män­nern auf den ersten sechs Plätzen für die Gemein­der­atswahl 2020 anzutreten. Das müssen wohl diese Frauenbeschützer sein, die dafür sor­gen, dass die Melk­er Frauen sich­er vom Einkaufen an den heimis­chen Herd kom­men. Gle­ich drei von den sechs scheinen auch einen speziellen Zugang zu unser­er Geschichte zu haben, der eine likt eine „Schwarze Sonne“, der zweite find­et, das sei kein Gemein­der­at­s­the­ma und will erst dann vom Nation­al­sozial­is­mus reden, wenn ein wahres Beken­nt­nis zum Antikom­mu­nis­mus vor­liegt. Und der dritte will den „Nationalen Wider­stand“ mobil­isieren, mag Neon­azi-Seit­en und Neonazi-Bands.

Das Set­ting am 16. Jän­ner 2020: Öffentliche Diskus­sion der Spitzenkan­di­datIn­nen für den Gemein­der­at in Melk. Am Podi­um: Der ÖVP-Bürg­er­meis­ter, SPÖ, Grüne und mit Josef Sulzberg­er, der Lis­ten­vierte der FPÖ, der den Spitzenkan­di­dat­en Thomas Gru­ber denk-würdig vertrat.

Nach etwa 45 Minuten Diskus­sionzeit (1) fragt der Mod­er­a­tor nach der Affäre Mar­tin Huber, jen­em ehe­ma­li­gen frei­heitlichen Klubchef im niederöster­re­ichis­chen Land­tag, der just an einem 20. April einen „Her­zlichen Glück­wun­sch an jene die heute Geburt­stag haben“ auf Face­book deponierte und dafür in der FPÖ seinen Hut nehmen musste. Weit­ers The­ma: der abwe­sende FPÖ-Spitzenkan­di­dat Thomas Gru­ber, der zusam­men mit anderen blauen Kun­st­fans der speziellen Art – Karl Helm (Loos­dorf), Ste­fan Koch (Hofamt Priel) und Ernst Sut­tner (Göllers­dorf) – ein tis­ch­lerisches „Kunst­werk“ mit Schwarz­er Sonne und Irmin­sul gelikt hat­te. „‚Ich habe nur die kün­st­lerische Arbeit eines Bekan­nten, den ich sehr schätze, beurteilt‘, betont Helm. Melks Gemein­der­at Thomas Gru­ber weist die Vor­würfe entsch­ieden zurück: ‚Es ist völ­lig absurd, mich ins Nazi-Eck zu stellen. Ich werde mich gegen diese Unter­stel­lun­gen zur Wehr set­zen.’“ (noen.at, 24.9.19)

Martin Hubers Geburtstagswünsche am 20. April

Mar­tin Hubers Geburt­stagswün­sche am 20. April

In der NÖN-Diskus­sion schaf­fen es alle Kan­di­datIn­nen, ein klares Beken­nt­nis gegen braune Umtriebe abzule­gen, nur ein­er nicht: der FPÖ-Kan­di­dat Sulzberg­er. Denn der betont, Gru­bers Sym­pa­thie für die „Schwarze Sonne“ sei kein Gemein­der­at­s­the­ma und über­haupt: „Wenn man jet­zt sagt ‚Schwarze Sonne’ – viele dieser Zeichen, es wird so getan, als wür­den diese Zeichen erst unterm Nation­al­sozial­is­mus ent­standen sein. Diese Zeichen gehen auf die Jung­steinzeit zurück [Reak­tio­nen aus dem Pub­likum]– jo, is jo so, jo sicha.“ Sulzberg­er bleibt uns schuldig, woher er diesen Unsinn bezo­gen hat, aber auf die Frage, warum man sich so schw­er tue, sich von diesem The­ma abzu­gren­zen, wird er selb­st zum Zeug­nis für die These des Mod­er­a­tors. „Die Zeichen kön­nen ja nichts dafür, dass sie der Nation­al­sozial­is­mus gebraucht hat. Wenn man jet­zt von Opfer­zahlen herge­ht, dann kön­nte man den fün­fza­ck­i­gen Stern, den die Sow­je­tu­nion und viele sozial­is­tis­chen Län­der haben und Ameri­ka auch her­anziehen.“ Da hät­ten wir doch wieder die Schuld­ab­wehr gepaart mit Antikom­mu­nis­mus und Anti­amerikanis­mus. Das kommt uns irgend­wie bekan­nt vor, wenn wir an die braune Lit­er­atur und die Stammtis­char­gu­mente der Täter­gen­er­a­tion denken. 

Nach­dem wir mit Sulzberg­er gek­lärt hät­ten, dass Gru­bers „Schwarze Sonne“ ganz unverdächtig aus der Jung­steinzeit stammt und eine Dis­tanzierung von den Mord­tat­en des Nation­al­sozial­is­mus dem Kan­di­dat­en auf Platz vier nicht über die Lip­pen kommt, weil er lieber über den „fün­fza­ck­i­gen Stern“ reden will und das ganze über­haupt kein Gemein­der­at­s­the­ma sei und vielle­icht dann „wenn ein wahres Beken­nt­nis zum Antikom­mu­nis­mus vor­liegt“, gehen wir zum sech­st­gerei­ht­en auf der Melk­er Liste: Niklas Maier. Der will, so lesen wir im Wahlfold­er, die „direk­te Demokratie fördern“. Ken­nen wir von den Frei­heitlichen, nen­nen sie auch Volk­swillen, wobei unter „Volk“ natür­lich nur das „ein­heimis­che“ gemeint ist, „die Sep­pis, die Pep­pis, die Wal­ters, die Ger­alds“ (© Har­ald Vil­im­sky). 

Niklas hat zwar seinen Face­book-Account inzwis­chen etwas aufgeräumt, aber er ist uns schon im August 2018 aufge­fall­en, als wir seinen Namen als Fan der Neon­azi-Seit­en „Thing-Kreis The­mar“ und „Unwider­stehlich Öster­re­ich“ ent­deckt hat­ten. Der thüringis­che „Thing-Kreis“ ist hierzu­lande eher unbekan­nt, aber der Fein­spitz Niklas aus Niederöster­re­ic, der scheint sich auszuken­nen; das Thing-Kreis-Führungs­duo Angela Schaller und Axel Schlimper bewegt sich unver­hohlen in ein­er Gemein­schaft von Holo­caustleugn­ern und ließ auch auf der inzwis­chen gelöscht­en Face­book-Seite keine Zweifel offen, wo ihr „Kreis“ ide­ol­o­gisch zu verorten ist.

Niklas Maier Fan von "Thing-Kreis Themar"

Niklas Maier Fan von „Thing-Kreis The­mar” (Screen­shot 22.8.18)

Niklas Maier Fan von "Unwiderstehlich Österreich"

Niklas Maier Fan von „Unwider­stehlich Öster­re­ich” (22.8.18)

Aber Maier ist auch Fan von „Unwider­stehlich“, über die wir 2017 berichtet hat­ten: Die Gruppe ver­tritt offen rassen­the­o­retis­che sowie anti­semi­tis­che Posi­tio­nen, propagiert Gewalt als poli­tis­ches Mit­tel und lehnt die Demokratie ab. „Unwider­stehlich“ „beken­net sich zum Deutsch­tum“ und sieht Frauen allem voran als Müt­ter, die für den „Erhalt unser­er Art“ zu sor­gen haben. Hitler ist für sie „ein großer Sozial­rev­o­lu­tionär“, die amerikanis­che Neon­azi-Seite „The Dai­ly Stormer“ eine „judeo-kri­tis­che Infor­ma­tion­splat­tform“. Und am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Nation­al­sozial­is­mus titeln sie „Wir kapit­ulieren nie“. Kurzum: Sie erfüllen jedes denkbare Kri­teri­um des Neonazismus.

Da passt dazu, dass sich Maier, der 2018, als wir seinen FB-Account durch­stöberten, ger­ade beim Bun­desheer war, auch sich selb­st zum Kampf berufen sah: „Wann mobil­isiert sich der Nationale Wider­stand in Öster­re­ich? Erst dan wen es in Wien so aussieht wie in Ham­burg ? Wir soll­ten etwas tun bevor es so weit ist !“, postet Maier in die eben­falls sehr ein­schlägige FB-Gruppe „Frei­heitliche Wider­stands­be­we­gung“. Auf das Bedauern von Renate, „es gibt bei uns keine Männer…..nur Angsthasen…..!!!“, repliziert der damals 20-jährige wackere Niklas: „Ja trau­rig alle die bere­it dafür sind dür­fen mich gerne adden“. 

Niklas Maier im "Nationalen Widerstand"

Niklas Maier im „Nationalen Wider­stand” (Screen­shot 22.8.18)

Niklas mag, wie er uns via Post­ings aus 2019 wis­sen lässt, nicht nur Neon­azi-Seit­en, son­dern scheint auch ein Faible für Neon­azi-Bands zu haben, darunter „Leichen­zug“, „Burzum“ und die immer wieder mit Recht­sex­trem­is­musvor­wür­fen kon­fron­tierte Band „Varg“.

Niklas Maier teilt Neonazi-Bands

Niklas Maier teilt Neonazi-Bands

Ah ja, da wäre noch ein Porträt vom jun­gen Niklas, samt Runen, Baum und Rabe. Aber damals war er vielle­icht noch unschuldiger Har­ry Pot­ter-Fan und ist erst danach in eine etwas falsche Rich­tung abge­bo­gen – vielle­icht in die Jung­steinzeit Marke Sulzberger.

Niklas Maier und die Runen

Niklas Maier und die Runen (Screen­shot 22.8.18)

FPÖ Melk für Gemeinderat 2020: Platz 1 Thomas Gruber, Platz 4 Josef Sulzberger, Platz 6 Niklas Maier

FPÖ Melk für Gemein­der­at 2020: Platz 1 Thomas Gru­ber, Platz 4 Josef Sulzberg­er, Platz 6 Niklas Maier (Quelle: FB FPÖ Melk)

Die FPÖ will den Fall intern prüfen, wie es im Stan­dard heißt, der unsere Recherchen aufge­grif­f­en und nachge­fragt hat. Die Melk­er und Melk­erin­nen soll­ten allerd­ings prüfen, bevor sie am Son­ntag ihren Gemein­der­at wählen.

Bericht der Niederöster­re­ichis­chen Nachrichten

Update 25.1.: Der FB-Account von Niklas Maier ist offline.

1 Video abruf­bar unter https://www.facebook.com/spoe.melk/videos/466703737333541 (ab 49′30″)