Heinrichs heimlicher Hinweis

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Wäh­rend der Ex-Par­tei­chef und Ex-Vize­kanz­ler noch über­legt, ob er nicht doch der dring­li­chen Emp­feh­lung sei­ner Frau fol­gen und das Man­dat im Euro­päi­schen Par­la­ment anneh­men soll, bringt ihm eine alte Post­kar­te aus dem Jahr 1990 neu­es Unge­mach ein. Als „Hein­rich der Glück­li­che“ ver­schick­te er sie im Novem­ber 1990 mit „deut­schen Heil­grü­ßen“ und einem heim­li­chen Hin­weis. Der „Fal­ter“ ver­öf­fent­licht die Kar­te in sei­ner Aus­ga­be 23/19. Ist es ein Ver­such von Par­tei­freun­den, den bocki­gen Stra­che zu meu­cheln – oder hat Küs­sel sein Archiv geöffnet?

Rechts­ra­di­kal ist o.k., aber rechts­ra­di­kal und kor­rupt, das geht gar nicht, ätz­te Chris­ti­an Ehring noch in der Sati­re­sen­dung „Extra 3“ der ARD vom 23.5.19 über die FPÖ und Stra­che. Stra­che hat­te in der Ver­gan­gen­heit immer wie­der bestrit­ten, jemals ein Neo­na­zi gewe­sen zu sein. Ende Dezem­ber 2018 erklär­te er in einem APA-Inter­view, dass der Begriff „ehe­ma­li­ger Neo­na­zi“ für ihn nicht stim­men könne:

Da ich nie ein Neo­na­zi war, kann auch der Begriff nicht stim­men. Ich bewer­te das als immer wie­der geleb­te Saue­rei mir gegen­über, die von Herr­schaf­ten kommt, die eine poli­ti­sche Moti­va­ti­on haben. Unwahr­hei­ten, die man immer wie­der wie­der­holt, wer­den des­halb aber nicht wah­rer.” (APA zit. nach derstandard.at, 28.12.2018)

Nun ja! Die Post­kar­te, die dem „Fal­ter“ da in die Redak­ti­on tru­del­te, ist geeig­net, die Zwei­fel an die­ser Aus­sa­ge von Stra­che noch wei­ter zu erhö­hen. Da gab es ja bis­her schon eini­ge. Die aus­ge­zeich­ne­te Repor­ta­ge der „Süd­deut­schen Zei­tung“ aus dem Jahr 2017 lis­tet sie auch auf: Teil­nah­me an Akti­vi­tä­ten der neo­na­zis­ti­schen und spä­ter ver­bo­te­nen „Wiking-Jugend“, Wehr­sport­ak­ti­vi­tä­ten (gemein­sam mit dem aktu­el­len Ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Reich­hardt), Teil­nah­me an einer Groß­de­mo der rechts­extre­men Deut­schen Volks­uni­on (DVU) in Mün­chen inklu­si­ve Fest­nah­me und dann noch die Liai­son mit der Toch­ter des NDP-Chefs Nor­bert Bur­ger. Das alles zu einer Zeit, in der Stra­che auch schon bei der FPÖ ange­dockt hat­te, was die „Süd­deut­sche Zei­tung“ in ihrer Repor­ta­ge zu der ver­wun­der­ten Über­schrift „Eine Art Dop­pel­le­ben“ veranlasste.

Das führt uns wie­der zu der Gruß­kar­te. Die von der rechts­extre­men Bur­schen­schaft „Olym­pia“ dem hoch­de­ko­rier­ten Wehr­machts­of­fi­zier und Olym­pen Robert Col­li gewid­me­te Kar­te wur­de anläss­lich des „Leder­sprungs“ in Leo­ben von „Hein­rich d. Glück­li­che“ mit „Deut­sche Heil­grü­ße“ und „Heil Deutsch­land“ an eine Adres­se in Wien, „D‑Oesterreich“ (Deutsch-Öster­reich) ver­schickt. „Hein­rich“ ist der Ver­bin­dungs­na­me von Hein­rich Stra­che in sei­ner pen­na­len Bur­schen­schaft Van­da­lia Wien.

Postkarte Strache 1990 (Foto: Falter)

Post­kar­te Stra­che 1990 (Foto: Fal­ter)

Ist er der „Glück­li­che“? Der „Fal­ter“ bringt in sei­nem Bericht zwar kei­ne wei­te­ren Bele­ge – die erge­ben sich aber auch aus der Kar­te selbst. Zum einen sind die Ver­bin­dun­gen zwi­schen der aka­de­mi­schen Bur­schen­schaft Olym­pia und der pen­na­len Bur­schen­schaft Van­da­lia sehr eng. Das ist auch der Kar­te zu ent­neh­men: Der Olym­pe Wal­ter Asperlunter­zeich­net eben­falls auf der Kar­te. Auf­ge­ge­ben wur­de die Kar­te in einem Ort mit der Post­leit­zahl 2870, die für meh­re­re klei­ne Gemein­den in der Wech­sel-Gegend gilt: Nach­bar­or­te von Kirch­berg am Wech­sel. Dort leb­te bis zu sei­nem Tod 1992 der Neo­na­zi und Süd­ti­rol-Ter­ro­rist Nor­bert Bur­ger, der „väter­li­che Freund“ von Stra­che. In einem Haus übri­gens, das ganz groß die Inschrift ziert:

„Die Män­ner sind des Rei­ches Hüter
Das Volk jedoch lebt durch die Mütter“

Postkarte Strache 1990 (Foto: Falter)

Post­kar­te Stra­che 1990 (Foto: Fal­ter)

Der holp­ri­ge Reim wird noch ergänzt durch die Elhaz- oder Lebens­ru­ne, ein von meh­re­ren NS-Orga­ni­sa­tio­nen benutz­tes und daher in Öster­reich durch das Abzei­chen­ge­setz ver­bo­te­nes Sym­bol. Dass das Sym­bol noch immer unge­straft auf der Haus­wand prangt, ist das eine. Dass es auf der Post­kar­te neben den Wor­ten „Abrüs­ten Auf­rüs­ten“ hin­zu­ge­fügt wur­de, ist auch kein Zufall. Die Rune war das Sym­bol der Natio­nal­de­mo­kra­ti­schen Par­tei (NDP) des Nor­bert Bur­ger, in des­sen Fami­lie und Haus Hein­rich Stra­che damals sehr glück­lich gewe­sen sein soll.

Elhaz oder Lebensrune (wikipedia)

Elhaz oder Lebens­ru­ne (wiki­pe­dia)

Als die Post­kar­te 1990 ver­sandt wur­de, war die NDP Bur­gers schon zwei Jah­re ver­bo­ten. Ein heim­li­cher Hin­weis von Hein­rich? Mot­to „Jetzt erst recht“?

P.S.: Ob der Nor­bert, der da die Kar­te auch unter­zeich­net hat, der Bur­ger ist, kön­nen wir nicht sagen.

Update 6.6.19: Über Twit­ter wur­den wir dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass sich tat­säch­lich die Unter­schrift von Nor­bert Bur­ger auf der Post­kar­te befindet.

*Asperl ist Refe­rent im blau­en Par­la­ments­klub für Unter­richt, Wis­sen­schaft, For­schung und Ver­kehr und Geschäfts­füh­rer des Hetz­por­tals „unzen­su­riert“.