Der dumme David Duke, Österreich und „BlacKkKlansman“

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Die schier unglaub­li­che Geschich­te, die Spike Lee in sei­nem neu­en Film „BlacKkKlans­man“ nach­er­zählt, ist bur­lesk, aber wahr und hat auch einen Öster­reich-Bezug durch die Per­son von David Duke. Der ehe­ma­li­ge Grand Wizard des Ku-Klux-Klan (KKK), auch heu­te noch ein rabia­ter Anti­se­mit und Neo­na­zi, der von einem schwar­zen und einem jüdi­schen Poli­zis­ten bla­miert wur­de, hat näm­lich jah­re­lang völ­lig unbe­hel­ligt im Bun­des­land Salz­burg gelebt.Als 1978 die „Knights of the KKK“ per Inse­rat in einer Tages­zei­tung neue Mit­glie­der such­ten, mel­de­te sich der schwar­ze Poli­zist Ron Stall­worth brief­lich, wur­de prompt zurück­ge­ru­fen und als Akti­vist akzep­tiert. Zu dem per­sön­li­chen Vor­stel­lungs­ge­spräch muss­te Ron aber wegen sei­ner Haut­far­be einen wei­ßen Poli­zis­ten­kol­le­gen, „Chuck“ schi­cken. Das unsicht­ba­re Pro­blem von „Chuck“ – er war Jude. Ein Schwar­zer und ein Jude tricks­ten in ver­teil­ten Rol­len aber nicht nur die loka­len KKK-Grö­ßen aus, son­dern auch den Grand Wizard der „Knights“, David Duke, der Ron am Tele­fon erklär­te, er kön­ne Schwar­ze sogar an der Stim­me erken­nen, weil sie dumm sei­en und kein ordent­li­ches Eng­lisch spre­chen könn­ten. Für Duke war Ron vom Tele­fon daher ganz klar ein Weißer.

Foto David Duke

David Duke

Nach meh­re­ren Mona­ten muss­ten die bei­den Poli­zis­ten ihre Arbeit vor­zei­tig been­den. „Ver­haf­tun­gen gab es in den Mona­ten sei­ner Under­co­ver­ar­beit nicht. „Es ging uns dar­um, die Struk­tu­ren der Grup­pe aus­zu­spio­nie­ren“, sagt Stall­worth. „Wir woll­ten nie­man­den fest­neh­men.“ Meh­re­re Sol­da­ten der US-Armee muss­ten aller­dings ihren Pos­ten räu­men, nach­dem sie von Stall­worth als Klan-Mit­glie­der geoutet wur­den. Das Pen­ta­gon lei­te­te damals sogar Unter­su­chun­gen ein. Die Poli­zei wuss­te dabei nicht nur von den Geheim­tref­fen, son­dern auch vom Ver­such des Klan, sich mit einer Neo­na­zi-Grup­pe in Colo­ra­do zu ver­bün­den. Ein Zusam­men­schluss, der am Ende platz­te“, berich­te­te 2014 die „Welt“  in einem Arti­kel über Stall­worth und sein Buch. Nach sei­ner Pen­sio­nie­rung schrieb Stall­worth näm­lich sei­ne Recher­chen und Beob­ach­tun­gen über den Klan in sei­nem Buch „Black Klans­man“ nie­der, das die Vor­la­ge für das Dreh­buch zum Film von Spike Lee bildete.

Ron Stall­worth: Black Klansman

Der von Ron Stall­worth vor­ge­führ­te Duke, der in den 1970er-Jah­ren erfolg­los eine Kan­di­da­tur für den Senat von Loui­sia­na bei den Demo­kra­ten ver­such­te, war spä­ter dann für kur­ze Zeit Abge­ord­ne­ter für Repu­bli­ka­ner im Abge­ord­ne­ten­haus von Loui­sia­na. Duke, der auch immer wie­der eine Kan­di­da­tur für die Prä­si­dent­schafts­wah­len ankün­dig­te, nutz­te die­se Gele­gen­heit, um Spen­den­gel­der ein­zu­sam­meln. Dukes Kon­tak­te nach Öster­reich began­nen bereits in den 1980er-Jah­ren, als er 1986 – so die „Zeit“ – hier begann, Deutsch zu ler­nen. Schon sei­ne ers­ten Auf­trit­te mach­ten klar, wohin die Rei­se ging: „Mit deut­schen und öster­rei­chi­schen Gesin­nungs­ge­fähr­ten besuch­te Duke das KZ Sach­sen­hau­sen, des­sen Gas­kam­mern er als ‚Ent­lau­sungs­an­stal­ten’ bezeich­ne­te.“ („Die Zeit“) Drei Jah­re spä­ter wur­de Duke in den USA übri­gens in das Abge­ord­ne­ten­haus von Loui­sia­na gewählt.

Sei­ne euro­päi­schen Akti­vi­tä­ten betrieb Duke teil­wei­se über sei­ne „Euro­pean-Ame­ri­can Unity and Rigths Orga­ni­sa­ti­on“ und spä­ter dann auch über das von ihm gegrün­de­te Neo­na­zi-Por­tal „Alter­me­dia“, das in meh­re­ren euro­päi­schen Län­dern und in meh­re­ren Spra­chen aktiv war. Über sei­ne kit­schi­gen Land­schafts­bil­der, die Duke unter sei­nem zwei­ten Vor­na­men „Ernest“ zum Ver­kauf ange­bo­ten hat­te, haben wir her­aus­ge­fun­den, dass sich der inter­na­tio­nal bes­tens ver­netz­te Neo­na­zi Duke in Zell am See und in der Stadt Salz­burg nie­der­ge­las­sen hatte.

David Duke in den Salzburger Bergen

David Duke in den Salz­bur­ger Bergen

Hier liegt der Bericht der „Welt“ etwas dane­ben. Duke besaß kei­ne Häu­ser in Zell am See und Salz­burg, son­dern war in Zell am See ein­ge­mie­tet – ohne sich dort ange­mel­det zu haben. In der Stadt Salz­burg hat­te Duke damals einen Haupt­wohn­sitz gemel­det. Dem­nächst mehr über David Duke und den KKK in Österreich!

Einst­wei­len gibt’s die drin­gen­de Emp­feh­lung für den Spike Lee-Film: ab 24.8. in den Kinos. Schaut ihn Euch an!

Dos­sier von Stoppt­die­rech­ten aus 2009 zu David Duke